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Machtkampf bei Volkswagen Winterkorn muss trotz seines Siegs auf der Hut sein


"Bestmöglicher Vorsitzender": Martin Winterkorn bleibt nicht nur Vorstandsvorsitzender von VW, sein Vertrag soll sogar verlängert werden. Aufpassen muss er trotzdem.
Von Jan Boris Wintzenburg

Martin Winterkorn bleibt Chef von VW: Er sei der "bestmögliche Vorsitzende des Vorstandes" für das Unternehmen. Starke Worte, die das Präsidium des Aufsichtsrates am Freitagmorgen nach seiner Sitzung am Donnerstag in Salzburg veröffentlichen ließ. Selten hat ein Firmenchef in Deutschland eine positivere Bewertung empfangen: Das Präsidium lege "großen Wert darauf, dass Herr Professor Dr. Winterkorn seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher" verfolge, heißt es salbungsvoll. Er habe hierbei "die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums". Verbunden wurde das auch noch mit der erklärten Absicht, den Vertrag des 67jährigen über das Jahr 2016 hinaus zu verlängern.

Nach einer Woche der Ungewissheit für Martin Winterkorn, in der der mächtige Volkswagen-Chef vielfach bereits abgeschrieben worden war, erscheint das wie der größtmögliche Triumph. Ferdinand Piëch gab scheinbar nach, weil alle anderen Mitglieder des Aufsichtsratspräsidiums sich für Winterkorn stark machten. Eine Woche hatte Piëch seine Aussage im Raum stehen lassen, er sei "auf Distanz zu Winterkorn". In dieser Zeit hatte er von Salzburg aus beobachten können, wie der mächtige Manager durch sechs wohlüberlegte Worte aus dem Gleichgewicht geriet.

Nun kehrt sich der Spieß um. Winterkorn und die rund 600.000 Volkswagen-Mitarbeiter weltweit werden nun ihrerseits beobachten können, wie die Niederlage des einst allmächtigen Ferdinand Piëch diesem als Schwäche ausgelegt wird. Piëch machte sich selbst damit zu seinem 78. Geburtstag an diesem Freitag ein schwieriges Geschenk.

Aber gerade das macht den Sieg Winterkorns so gefährlich. Denn Ferdinand Piëch ist niemand, der gern als schwach gilt: Gerüchte über Gebrechen verfolgte er stets mit brutaler Härte, drohte die Verantwortlichen zu "guillotinieren". Piëch hat in seinem Leben viele Schlachten geschlagen: Mit seiner Familie, mit seinen Frauen, mit Managern und Konkurrenten, sogar mit der Staatsanwaltschaft. Dabei steckte er auch einige Niederlagen ein. Aber am Ende setzte er sich dann doch durch. Ferdinand Piëch ist heute einer der mächtigsten Industrie-Kapitäne Europas - und einer der reichsten. Er gilt als jemand, der ein gutes Gedächtnis hat und seine Ziele extrem langfristig verfolgt.

Konflikt mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden

Für Martin Winterkorn lauert genau darin die Gefahr: Je mehr er seinen Sieg jetzt auskostet, umso größer das Risiko in den nächsten Konflikt mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden zu geraten. Der wird ihn nun noch strenger beobachten. Und vieles spricht dafür, dass das eigentliche Ziel der Attacke sowieso war, den Einzug Winterkorns in den Aufsichtsrat zu verhindern. Und dem ist Piëch mit dem Beschluss von diesem Freitag erstaunlicherweise sogar näher gekommen: Wird Winterkorns Vorstands-Vertrag verlängert, ist er bei dessen Ende schon in den Siebzigern. Zählt man noch die zwei Jahre Pause dazu, die nach dem Corporate Governance-Kodex für Vorstandschefs vorgeschrieben sind, bevor sie in den Aufsichtsrat gehen, befindet sich Winterkorn mitten in der Altersdebatte, die Ferdinand Piëch aus den vergangenen Jahren bestens kennt.

Bei Volkswagen wird nun erst einmal Ruhe einkehren: Sicher bis zur Hauptversammlung am 5. Mai, bei der die Kontrahenten Winterkorn und Piëch nebeneinander auf der Bühne sitzen werden. Vermutlich auch im Sommer, über die traditionellen Werksferien in Wolfsburg. Doch bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt gibt es traditionell Gelegenheit für alle Beteiligten, sich zu äußern. Und wenige Worte genügen ja oft schon…


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