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VW-Familiensaga Porsche-Piech: Hundert Jahre Bruderstreit

Die Probleme im größten deutschen Konzern spiegeln auch die Konflikte im Clan der Eigentümer. Seit fast einem Jahrhundert zoffen sich die Porsches und Piëchs durch die Firmengeschichte von Volkswagen.

Von Thomas Ammann

Ferdinand Piëch ist nicht mehr Aufsichtsratschef von VW. Die Geschichte seiner Familie und des Konzerns ist lang - und konfliktreich.

Ferdinand Piëch ist nicht mehr Aufsichtsratschef von VW. Die Geschichte seiner Familie und des Konzerns ist lang - und konfliktreich.

Ich bin nicht gern Zweiter", hat er einmal gegenüber Journalisten gesagt. Das gilt für ihn selbst, aber mehr noch für den Konzern, den er fast ein Vierteljahrhundert lang mit strenger Hand führte. Ferdinand Piëchs Vision für Volkswagen war klar: Größter Autohersteller der Welt, profitabelster Autohersteller der Welt, und – in Bezug auf die Umweltanforderungen – effizientester Autohersteller der Welt. Bei dem Marsch an die Spitze ging es immer auch darum, das Werk des Großvaters zu vollenden, in dessen Tradition und vielleicht auch im Schatten sich der begnadete Automobilingenieur Piëch, 78, immer sah. Der alte Ferdinand Porsche prägte die Entwicklung des Automobils im 20. Jahrhundert wie kein Anderer. Mit seiner Erfindung des Käfers, der damals noch gar nicht so hieß, schuf er in den 1930er-Jahren die Grundlage für dieses automobile Weltreich. Mit tatkräftiger Unterstützung des autoverrückten "Führers".

"Erotisches Verhätnis zum Auto"

Porsche und Hitler hatten dieselbe Idee von der Motorisierung der Massen, wenn auch vielleicht aus unterschiedlichen Motiven. Dieser Idee ist man bei Volkswagen inzwischen global ein ganzes Stück näher gekommen, nicht zuletzt auch durch Erfolge in China, dem größten Automobilmarkt der Welt. Größeren Anteil daran hatte auch Piëchs Ziehsohn Martin Winterkorn, 67, der seinem Chef viele Jahrzehnte lang wie ein getreuer Sancho Panza durch den Konzern folgte, zunächst bei Audi, später dann bei Volkswagen. Beide verbindet ein "erotisches Verhältnis zum Automobil", wie der frühere Volkswagen-Vorstand Daniel Goeudevert, heute 73, es vor Jahren nannte. Wer einmal beobachtet hat, wie sie auf Messen über die Karosserien ihrer Produkte streicheln, um die Passgenauigkeit der Fugen oder die Lackqualität zu überprüfen, kann das nachvollziehen. "Mir war es immer fremd", sagte Goeudevert, "aber ich habe es bewundert."

Zuletzt sah der Patriarch allerdings den Elan seines bestbezahlten Angestellten (Jahreseinkommen: rund 16 Millionen Euro) etwas erlahmt, weshalb er mit den berühmten Worten "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" einen Machtkampf vom Zaun brach, der am Ende mit einer krachenden Niederlage für Piëch endete. Nicht der angeschossene Winterkorn musste gehen, sondern Piëch musste sich überraschenderweise als Aufsichtsratschef zurückziehen. Ob er sich endgültig geschlagen gibt, ist unklar.

Rückschläge für Piëch

Piëch hat in seinem Leben schon oft nach Niederlagen einen taktischen Rückzug angetreten, nur um danach gestärkt wieder aufzutauchen. So war es Anfang der 1970er-Jahre, als die Porsches und Piëchs nach heftigem Clan-internen Streit beschlossen hatten, dass kein Familienmitglied mehr eine operative Funktion beim Sportwagenbauer Porsche einnehmen dürfe. Einer der Anlässe war übrigens ein Projekt, das Piëch einmal als das "riskanteste meines Lebens" bezeichnet hat: Der Bau des Superrennwagens Porsche 917, der das Familienunternehmen an den Rand des Ruins brachte.

Auch als zu Beginn der 2000er-Jahre die kleine Sportwagenschmiede Porsche mit allerlei Finanzkunststückchen den fünfzehnmal größeren Volkswagen-Konzern übernehmen wollte, und Aufsichtsratschef Piëch schon entmachtet schien, zog er sich zunächst zurück, um dann umso gnadenloser zuzuschlagen. Pikanterweise hatte damals sein Vetter Wolfgang Porsche, heute 71, zusammen mit Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking, heute 62, die Palastrevolte gegen den allmächtigen Patriarchen angezettelt. Das Ende ist bekannt: Piëch drehte mithilfe der Politik und der Gewerkschaften den Spieß um, entmachtete Wiedeking und stellte seinen Cousin Wolfgang kalt, der sich schon für den Aufsichtsratsvorsitz in Wolfsburg warmgelaufen hatte. Der Porsche- Piëch-Clan stieg dann noch beim VW-Konzern ein, allerdings nach Piëchs Spielregeln, und hält seitdem einen milliardenschweren Mehrheitsanteil. Piëch selbst blieb Aufsichtsratschef und damit mächtigster Mann im Staate Volkswagen. Bis zu seinem (vorläufig endgültigen) Rücktritt am vergangenen Wochenende.

Diplom-Ingenieur Ferdinand Piech an seinem Schreibtisch, aufgenommen im Jahr 1975.

Diplom-Ingenieur Ferdinand Piech an seinem Schreibtisch, aufgenommen im Jahr 1975.

Warum die Geschichte von VW einzigartig auf der Welt ist

Drei Generationen haben die Geschicke dieses expansiven Automobil-Reichs geprägt: Zunächst Urvater Ferdinand Porsche (1875-1951), dann sein Sohn Ferry (1908-1998) und seine Tochter Louise (1904-1999), verheiratete Piëch, schließlich die Porsche-Enkel, deren Protagonisten heute Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch sind. Aufgewachsen sind sie zum Teil gemeinsam auf dem "Schüttgut", dem vom Großvater gegründeten Familienanwesen im österreichischen Zell am See. Über diese Zeit verriet Piëch einmal dem stern: "Ich war natürlich neidisch auf meinen kleineren Bruder und Wolfgang, die fünf und sechs Jahre jünger waren. Als die in die Schule kamen, wurden sie mit dem Auto gefahren, und wir mussten drei Kilometer zu Fuß laufen. Da haben wir keine Freude gehabt."

Die vierte Generation wuchs dagegen in großem Wohlstand auf. Sie besteht aus 33 Familienmitgliedern, von denen allein Piëch mit seinen zwölf Kindern mehr als ein Drittel stellt. Zu melden hat diese Generation im Konzern (noch) nicht allzu viel. Zwei der jüngeren Porsches sitzen schon in Konzern-Aufsichtsräten. Ob zwei von Piëchs Nichten jetzt anstelle des Onkels und seiner Frau Ursula ("Uschi") in den Volkswagen-Aufsichtsrat einziehen, wird sich bei der Hauptversammlung am 5. Mai entscheiden. Wolfgang Porsche schlug in der vergangenen Woche Julia Kuhn-Piëch, eine Maklerin, und Louise Kiesling, Designerin, als Nachfolgerinnen vor, wogegen Ferdinand Piëch sofort protestierte und mit den Managern Wolfgang Reitzle und Brigitte Ederer zwei Gegenkandidaten ins Spiel brachte.

Streit kommt in den besten Familien vor. "Es ist eine faszinierende Geschichte, die nirgendwo auf der Welt in dieser Form existiert", sagte der frühere Volkswagen-Markenvorstand Daniel Goeudevert. "Selbst die Fords und die Agnellis bei Fiat sind mit den Porsches nicht vergleichbar. Es ist eine Mischung aus Familienereignissen und Saga, und dazu kommt natürlich das besondere Schicksal der deutschen Geschichte und der deutschen Industrie nach dem Krieg."

Am Rande des Ruins

Die Rivalität zwischen den "Namensträgern" - den Kindern des Porsche-Sohnes Ferry – und den "Nicht-Namensträgern" – den Kindern der Porsche-Tochter Louise Piëch – zieht sich wie ein roter Faden durch die Historie der Unternehmen Porsche und Volkswagen. Als die Ära des Gründers Ferdinand Porsche nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende ging, einigten sich Ferry Porsche und Louise zunächst auf eine gedeihliche Arbeitsteilung: Ferry baute in Stuttgart die Sportwagenfirma auf, wobei Volkswagen-Teile und die Lizenzgebühr von einer (später fünf) D-Mark für jeden hergestellten Käfer entscheidende Anschubhilfen waren. Louise wiederum kümmerte sich von Salzburg aus um den Verkauf von Porsche- und Volkswagen-Modellen und schuf damit eines der profitabelsten Autohandelshäuser der Welt mit jährlichen zweistelligen Milliardenumsätzen. Inzwischen gehört auch dieses lukrative Unternehmen zum Volkswagenkonzern.

Der Aufstieg der Porsche-Piëch-Firmen verlief alles andere als geradlinig und konfliktfrei. Mehrmals standen die Stuttgarter Sportwagenbauer am Rande des Ruins, und mehrfach kam es zum handfesten Familienkrach, wie er wohl unvermeidlich ist, wenn es um ein Milliardenvermögen geht.

Rangelei um Konzernnachfolge

Als es zu Beginn der 1970er-Jahre um die Nachfolge Ferry Porsches an der Spitze der Sportwagenfirma ging, eskalierte die Situation unter den insgesamt acht Nachkommen gefährlich. Gleich mehrere Vettern meldeten ihren Führungsanspruch an. "Es gab Bündnisse und Neigungen, good vibrations und weniger good vibrations und jedenfalls ein großes Durcheinander", beschreibt Ferdinand Piëch in seinen Memoiren die Situation. Zur Beendigung der Vetternwirtschaft engagierte Firmenpatriarch Ferry Porsche eine Firma für gruppentherapeutische Beratung aus Wien und lud die ganze Sippe im Herbst 1970 zur Klausur aufs Familiengut im österreichischen Zell am See. "Von der reinigenden Kraft gruppendynamischer Sitzungen konnte keine Rede sein", spottete Ferdinand Piëch später in seinen Erinnerungen. "Es war eher eine Satire auf gut gemeinte Bemühungen. Wir gerieten einander voll in die Wolle."

Der Zwist zwischen den Familien

Es gab auch persönliche Krisen anderer Art. Als beispielsweise Ferdinand Piëch einem seiner Porsche-Vettern die Ehefrau ausspannte (Piëch in seiner "Auto-Biographie" über die Verbindung zu seiner Schwägerin: "Wir lebten dann zwölf Jahre mehr oder weniger zusammen (...) Meine Mutter bewahrte mit einiger Mühe die Fassung, und auf der Porsche-Seite kam ich ziemlich arg ins Minus." Oder als Ernst Piëch, Ferdinands älterer Bruder, heimlich seine Porsche-Anteile an einen arabischen Investor verscherbelte, weil er wegen eines Immobiliengeschäfts in Finanznöte geraten war. Der Deal flog auf, und die Familien mussten einen dreistelligen Millionenbetrag einsetzen, um die Papiere zurückzukaufen. Einen Teil des Geldes holte sich der Clan, indem er Vorzugsaktien (ohne Stimmrechte) an der Börse platzierte. Eine der Folgen des "Ernst-Falls": Die sorgsam gewahrte Parität zwischen den Porsches und den Piëchs bei den Firmenanteilen ging verloren. Ernsts Anteil blieb beim Rückkauf nicht in den Händen der Piëchs, sondern er wurde zwischen den Familien brüderlich geteilt. Der Porsche-Anteil ist seither immer etwas größer als jener der Piëchs. Man einigte sich dennoch, nach außen möglichst mit einer Stimme zu sprechen, was nicht immer leicht fiel.

Perdinand Piech, damals noch Vorstandboss von Audi, und der VW-Chef Carl Horst Hahn bei der Hauptversammlung im Jahr 1988.m

Perdinand Piech, damals noch Vorstandboss von Audi, und der VW-Chef Carl Horst Hahn bei der Hauptversammlung im Jahr 1988.m

So will der Familien-Clan das Milliardenvermögen bewahren

Im aktuellen Fall stellte sich Wolfgang Porsche hinter Winterkorn, obwohl er ihn vor gut fünf Jahren noch absetzen wollte, und opponierte damit offen gegen seinen Vetter Ferdinand Piëch. Seit der gescheiterten Volkswagen-Übernahme durch Porsche sind eben noch ein paar familieninterne Rechnungen offen. Es gab wechselseitige Kränkungen und Verletzungen. Und zuletzt hatte Ferdinand Piëch den Vetter aus Stuttgart schon spüren lassen, wer seiner Meinung nach bei der Übernahmeschlacht als Sieger aus dem Ring gestiegen ist. Die spannende Frage ist, wer dieses Mal als Sieger aus dieser Fehde hervorgeht, und ob der angeschlagene Piëch noch einmal die Kraft – und die Zeit – hat, zurückzukommen. Am Ende haben sich die rivalisierenden Familienstämme noch immer zusammengerauft. Es gilt schließlich, das Milliardenvermögen für die nachfolgende Generation, die vierte, zu bewahren.

VW ist in Belegschaftshand

Bei dem Streit der Milliardäre scheinen die Vertreter der rund 600.000 Beschäftigten die lachenden Dritten zu sein, zurzeit zumindest. Interims-Aufsichtsratschef Berthold Huber, 65, und Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh, 58, haben dem Großaktionär Piëch dieses eine Mal die Unterstützung verweigert, weshalb sich dieser seiner eigenen Erkenntnis beugte, dass ein Konzern wie Volkswagen auf Dauer nicht gegen die Belegschaft geführt werden kann. Das war damals auf Wiedeking gemünzt, als er die Wolfsburg erobern wollte, jetzt gilt es für Piëch selbst. Am 5. Mai wird also Berthold Huber anstelle Piëchs der Volkswagen-Hauptversammlung vorsitzen. Ein Symbol dafür, dass der größte europäische Automobilkonzern mehr denn je in Belegschaftshand ist. Volkswagen ist eben, wie der Name schon sagt, zu Teilen auch ein volkseigener Betrieb. Das begann direkt nach dem Krieg, als die Britische Militärverwaltung das Wolfsburger Werk in die Treuhänderschaft der Bundesregierung übergab, die wiederum die Verwaltung auf das Land Niedersachsen übertrug.

Von Anbeginn war Volkswagen deshalb nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein politisches und soziales Projekt. Als VW unter Kanzler Adenauer in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, gingen insgesamt 60 Prozent der Anteile als „Volksaktien“ an die Börse. Einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen und die Belegschaft erhielten ein Aktienkontingent zu Vorzugspreisen. Die restlichen 40 Prozent verblieben je zur Hälfte beim Bund und beim Land Niedersachsen, wodurch der staatliche Einfluss auf das Unternehmen gesichert werden sollte. Davon sind heute noch die 20 Prozent übrig, die das Land Niedersachsen hält. "Mit der Übertragung des Volkswagen-Werks in deutsches Eigentum", urteilten die Historiker Hans Mommsen und Manfred Grieger, "endete eine Phase seiner Geschichte, in der es als DAF-Unternehmen (Deutsche Arbeitsfront, d. Red.) begründet, seiner ursprünglichen Zweckbestimmung entfremdet und in die NS-Gewaltherrschaft verstrickt wurde."

Nach dem Abgang von Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef kehrt keine Ruhe bei dem Autohersteller ein. Nun könnte ein Streit um seine Nachfolge entbrennen.

Nach dem Abgang von Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef kehrt keine Ruhe bei dem Autohersteller ein. Nun könnte ein Streit um seine Nachfolge entbrennen.

Deshalb ist die Marke VW so ertragsschwach

Die Gewerkschaften erhielten in der Bundesrepublik keine Anteile am Unternehmen, obwohl sie eigentlich einen Anspruch darauf gehabt hätten. Denn der Aufbau des Werks im Dritten Reich war vor allem mit dem Vermögen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) finanziert worden, das die Nazis zwangsweise enteignet und in die DAF überführt hatten. Das heißt, die Gewerkschaftsmitglieder waren praktisch um ihre Beiträge aus den 1920er- und frühen 1930er-Jahren geprellt worden.

Als eine Art Wiedergutmachung hatte schon die britische Werksleitung 1947 mit dem Betriebsrat volle Mitbestimmungsrechte vereinbart. Dazu gehörte die Mitbestimmung bei den wichtigsten Personalmaßnahmen, bei Lohn- und Gehaltsfragen und viele weiteren betrieblichen Themen, bis hin zur Mitwirkung bei der Festlegung des Produktionsprogramms.

US-Markt schwächelt

Volkswagen war der bundesrepublikanische Vorzeigebetrieb für die Versöhnung von Arbeit und Kapital. "So wurden diese Fabrik und dieser Wagen Repräsentanten deutschen Fleißes und deutschen Könnens in aller Welt", sagte 1955 Vorstandschef Heinrich Nordhoff, einer der Vorgänger Winterkorns, anlässlich einer Feier zum einmillionsten Volkswagen. "Ein Symbol harter Arbeit und frohen Schaffens. Ein Werk, in dem man nach sauren Wochen auch fröhliche Feste zu feiern versteht, wenn die Tage dafür gekommen."

Im Moment kann von Feierlaune in Wolfsburg keine Rede sein. Auch wenn der frisch gestärkte Vorstandschef Winterkorn soeben ein Quartalsergebnis präsentierte, das auf den ersten Blick glänzend aussieht. Der Umsatz stieg um mehr als zehn Prozent auf 52, 7 Milliarden Euro, der Gewinn gar um 17 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Wenn man aber genauer hinschaut, dann zeigt sich nicht nur, dass der wichtige amerikanische Markt noch immer schwächelt, sondern auch, dass der Konzern in vielen Bereichen erhebliche Kostenprobleme hat. Kurz gesagt: Es wird zu viel Geld ausgegeben. Große Gewinne lassen sich so nicht erzielen. Ausgerechnet die Marke Volkswagen ist eine der ertragsschwächsten im Konzern. Mit den Modellen Polo, Golf, Passat & Co. erwirtschaften die Wolfsburger eine magere Rendite von weniger als drei Prozent.

Einer der Gründe: Nach wie vor rollt der Verkaufsschlager im Stammwerk Wolfsburg vom Band, das zu den teuersten Standorten im Konzern gehört. Das geschieht im Wesentlichen aus Rücksichtnahme auf den Betriebsrat und die traditionell gut bezahle Belegschaft. Wolfsburg ohne den Golf? Da würden Osterloh und wohl auch der derzeitige Aufsichtsratschef Huber nicht mitspielen. Spannend ist, wie es an der Spitze weitergeht bei Deutschlands größtem Konzern. Piëchs Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze, soviel steht fest, dürfte nur ein Chef von Gewerkschafters Gnaden werden. Einfacher wird es für Volkswagen dadurch nicht, die drängendsten Probleme anzugehen, die im Zweifel auch schmerzhafte Einschnitte bedeuten.

Bloß nicht zu selbstbewusst!

Der ergraute Patriarch in Salzburg dürfte das alles schon seit geraumer Zeit erkannt haben, lange bevor er öffentlich auf Distanz ging. Vielleicht war es auch einfach so, dass Konzernchef Winterkorn für Piëchs Geschmack in letzter Zeit zu selbstbewusst aufgetreten ist. Mit dem stern sprach er neulich ausführlich über seinen möglichen Nachfolger als Vorstandschef und formulierte gleich noch ein paar der wichtigsten Kriterien. Eine "große Affinität zu unseren Produkten" müsse ein Volkswagen-Chef haben, "eine Beziehung zu den Händlern" und eine "gewisse Sozialverträglichkeit". Es komme "wie immer", so Winterkorn, "auf die Persönlichkeit an". Soviel unternehmerisches Selbstverständnis kommt bei Ferdinand Piëch gar nicht gut an. Als der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking einst zum Höhenflug ansetzte, sagte Großaktionär Piëch einmal im kleinen Kreis: "Manchmal fragt man sich schon, wer hier der Angestellte und wer der Eigentümer ist." Danach war Wiedeking nicht mehr allzu lang im Amt. Diesmal allerdings, so sieht es zurzeit aus, hat der Angestellte gesiegt. Jedenfalls vorerst.