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Piëch-Rücktritt Der Abgang des Autokraten


Der Rückzug von Ferdinand Piëch aus dem Aufsichtsrat ist konsequent. Aber die Probleme des Volkswagen-Konzerns sind damit noch lange nicht gelöst.
Ein Kommentar von Lorenz Wolf-Doettinchem

Wer Ferdinand Piëch einmal persönlich getroffen hat, der hat sie gespürt: die Autorität, die Härte, aber auch die Kompetenz dieses Mannes. Im Interview musste man oft minutenlang auf eine Antwort warten. Langsam, knarzig und doch ganz klar formulierte der Patriarch des Volkswagen-Konzerns. Er ließ es jeden spüren, dass er die Macht hatte und die anderen sich nach ihm zu richten hatten.

Die Lebensleistung ist tatsächlich eindrucksvoll: Als beim Sportwagenbauer Porsche festgelegt wurde, dass Familienmitglieder nicht länger im Management sein durften, startete Piëch eine erstaunliche Karriere bei Audi. Die biedere Marke macht er mit technischen Innovationen wie dem Quattro-Antrieb zum Konkurrenten für BMW und Mercedes. Später führte er erfolgreich den Mutterkonzern in Wolfsburg und es gelang ihm, dem Familenclan die Mehrheit an dem Weltunternehmen zu sichern.

Mit Halbsätzen hat der Automann (dieser Begriff stimmt hier mal hundertprozentig) Karrieren beendet. Pischetsrieder, Wiedeking ... und so hatte er sich das wohl auch bei beim amtierenden Vorstandschef Martin Winterkorn gedacht. Vorpreschen, dann die Familie der Piëchs und Porsches hinter sich sammeln und mit den bei VW traditionell starken Betriebsräten einen Deal machen. Doch diesmal hat er sich verkalkuliert.

Um es mit einem Bild aus dem Tierreich zu beschreiben: Das Rudel hat gespürt, dass die Kraft des Alphatiers schwindet. Der 78-Jährige wollte die Geschicke von VW über seine Amtszeit als Aufsichtsratsvorsitzender hinaus bestimmen, vielleicht sogar über sein Leben hinaus. Er hatte seiner Frau Ursula dabei eine starke Rolle zugedacht - zumindest solange sie nach seinem Tode nicht neu heiraten würde.

VW braucht eine Zukunft

Ein Aufsichtsratsvorsitzender Winterkorn lag nicht mehr in seinem Interesse, deswegen ging er "auf Distanz". Sein langjähriger Vertrauter wäre nicht von ihm oder seinen Erben abhängig gewesen. Von Automobilen versteht der Professor (wie er sich von seinen Mitarbeitern gern nennen lässt) mindestens genau so viel, den Konzern kennt er nach so vielen Jahren an der Spitze inzwischen wohl besser und für die Arbeitnehmer ist er ein verlässlicher Partner.

Die Porsche-Familie, der Miteigentümer Niedersachsen und die Vertreter der Belegschaft wollten sich nicht länger vom "Alten" aus Salzburg dominieren lassen. Das "Vertrauen" war nicht mehr da. Auch wenn sicher manche von Piëchs Kritikpunkten geteilt werden: Die Marke Volkswagen erzielt nur eine geringe Rendite, das Geschäft in den USA lässt mehr als zu wünschen übrig und es droht neue Konkurrenz - nicht zuletzt aus dem Silicon Valley.

VW braucht eine Zukunft. Piëch hat versucht, daraus eine Zukunft ohne Winterkorn zu machen. Es wird jetzt eine Zukunft ohne Piëch - zumindest im Aufsichtsrat. Doch es muss auch eine Zukunft nach Winterkorn gesucht werden. Der hoch verdiente und best verdienende Manager des Landes ist selbst schon 67 Jahre alt.

Der Streit wird sich in die Familie Porsche-Piëch verlagern. Gemeinsam gehört den rivalisierenden Stämmen mehr als die Hälfte des Konzerns. Sie haben sich verpflichtet nur gemeinsam zu handeln. Das wird in den nächsten Wochen schwer, denn als Anteilseigner ist weiter der Mann dabei, der die jüngst Krise auslöste: Ferdinand Piëch.


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