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Interview im stern: Wolfgang Porsche: "Bei Volkswagen wurde ein schwerer Fehler gemacht"

VW-Miteigentümer Wolfgang Porsche spricht im stern über den Dieselbetrug, die Unternehmenskultur in Wolfsburg, die eigene Familie – und über "Hausschweine und Wildschweine".

Von Thomas Ammann

Porsche-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Porsche in einem Porsche 911

VW-Miteigentümer Wolfgang Porsche im stern: Die Kultur, die es bei Volkswagen gibt, muss weiter verändert werden.

DPA

Er gibt nicht oft große Interviews, aber wenn, dann spricht er Klartext. Im neuen stern nimmt Wolfgang Porsche ausführlich zum Dieselbetrug im Volkswagen-Konzern Stellung. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche SE, einer Holding, die den Familien Porsche und Piëch gehört und über die Mehrheit am Volkswagen-Konzern verfügt. "Bei Volkswagen wurde ein schwerer Fehler gemacht", gibt Porsche im Gespräch mit dem stern zu, "aber die Sache wird aufgearbeitet, und die Probleme werden Stück für Stück in Ordnung gebracht." 

Mit "Blick auf die Luftqualität in den Städten", erklärt er, werde Volkswagen "eng mit politisch Verantwortlichen zusammenarbeiten. Es nützt niemandem, wenn wir aktiv darauf hinarbeiten, eine unserer Schlüsselindustrien zu gefährden, von der in der Bundesrepublik jeder siebte Arbeitsplatz abhängt."

Wolfgang Porsche: Kultur bei VW muss weiter verändert werden

Volkswagen arbeite "intensiv an Lösungen", versichert Wolfgang Porsche, eine Hardware-Umrüstung von älteren Dieselfahrzeugen lehnt er allerdings ab. "Für die betroffenen Modelle gibt es bereits gute Software-Updates", sagt er. Sicher seien viele Kunden durch die Dieselaffäre von Volkswagen enttäuscht, gibt Porsche zu, "aber offenbar entscheiden sich sogar mehr Menschen als früher, eines unserer Autos zu kaufen. Sonst hätten wir nicht so hervorragende Konzernzahlen vermelden können." Der VW-Konzern vermeldete für das vergangene Jahr Rekordzahlen bei den Verkaufszahlen und beim Nettogewinn, der mit rund 11,4 Milliarden Euro doppelt so hoch lag wie im Vorjahr.

Angesprochen auf den Kulturwandel und die moralische Erneuerung, die er bei Volkswagen eingefordert hatte, antwortet Porsche: "Es geht voran, aber abgeschlossen ist dieser Prozess noch nicht. Vor allem wird das Dieselthema den Volkswagen-Konzern noch viele Jahre beschäftigen." Deshalb stelle er sich im Aufsichtsrat noch einmal zur Wahl. "Wenn meine Gesundheit es zulässt, bleibe ich die vollen fünf Jahre. Ich glaube schon, dass ich den angestoßenen Wandel noch mitüberwachen sollte", erkärt Wolfgang Porsche, der am 10. Mai seinen 75. Geburtstag feiern wird. Porsche: "Die Kultur, die es in Wolfsburg gibt, muss weiter verändert werden."

"Wildschwein" Piëch unter Porsche-"Hausschweinen"

Das stern-Gespräch fand statt auf dem Alpenhof "Schüttgut", Porsches Wohnsitz im österreichischen Zell am See, das sein Vater während des Zweiten Weltkriegs als Fluchtpunkt für die Familien Porsche-Piëch gekauft hatte. Wolfgang Porsches bevorstehender Geburtstag und das 70-jährige Jubiläum der Sportwagenfirma Porsche waren für den stern Anlass, mit ihm auch über die Familiengeschichte zu sprechen.

Die Rivalität zwischen dem Porsche- und dem Piëch-Zweig der Eigentümerfamilie prägte jahrelang das öffentliche Bild des Clans. Sie geht unter anderem zurück auf einen Streit auf dem "Schüttgut" im Jahr 1972, wer im Unternehmen das Sagen haben sollte. Sein Cousin Ferdinand Piëch drückte die Differenzen damals in drastischen Worten aus, berichtet Wolfgang Porsche jetzt im stern: "Er meinte: Wir Porsches, die 'Hausschweine', würden gefüttert, und er, das 'Wildschwein', müsse sich das Futter selbst suchen. Ich habe über diesen Vergleich immer geschmunzelt, weil es so einfach natürlich nicht war."

Als in den 2000er-Jahren das Unternehmen Porsche mit Vorstandschef Wendelin Wiedeking an der Spitze versuchte, bei Volkswagen einzusteigen, sei es zu immer stärkeren Spannungen zwischen seinem Cousin Ferdinand Piëch und Wiedeking gekommen. "Öffentlich hat mein Cousin so getan, als ob er den jeweiligen Beteiligungsaufbau bei Volkswagen unterstützt, aber hinter den Kulissen versuchte er, Sand ins Getriebe zu streuen", erklärt Porsche im stern. Das sei "unnötig und völlig unmöglich" gewesen. Allerdings habe auch Wiedeking damals Fehler gemacht.


Porsche: Rätsel, wie Piëch sich so schnell ins Abseits manövrierte

Er sei auch nicht damit einverstanden gewesen, als sein Cousin Ferdinand Piëch – damals Aufsichtsratschef des VW-Konzerns - im April 2015 öffentlich erklärte, er sei "auf Distanz" zum damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Dieser musste später im Zuge des Dieselskandals seinen Platz räumen. "So konnte man nicht mit jemandem umgehen, mit dem man 35 Jahre lang gut zusammengearbeitet hat. Das habe ich meinem Cousin auch deutlich gesagt."

Das Ausscheiden seines Cousins Ferdinand Piëchs aus dem Kreis der Porsche- und Volkswagen-Gesellschafter Ende 2017 sei "eine Zäsur" gewesen. "Ich frage mich immer wieder", so Wolfgang Porsche im Hinblick auf Piëch zum stern, "wie sich jemand mit einer solch großartigen Lebensleistung innerhalb kürzester Zeit selbst ins Abseits bugsieren konnte. Das ist mir ein Rätsel."

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen stern: