HOME

Deutscher Gründerpreis : "Wir sind die Guten" – in Berlin trafen sich Deutschlands beste Gründer

Ideen für die Energiewende, schlaue Software und Hochgeschwindigkeits-Technologie – alles gewürzt mit einer Prise Salz: Der Deutsche Gründerpreis 2018 zeigt, wie vielfältig die Gründerszene ist.

Nachhaltigkeit und Energiewende waren die großen Themen beim diesjährigen Gründerpreis in Berlin

Nachhaltigkeit und Energiewende waren die großen Themen beim diesjährigen Gründerpreis in Berlin

Die Energiewende ist hierzulande ins Stocken geraten: Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz ist, desto schwieriger wird es auch in Zeiten von Dunkelheit und Flaute, wenn also weder Solarenergie noch Windkraft zur Verfügung stehen, die Spannung im Netz aufrechtzuerhalten. Mehrfach mussten in diesem Jahr schon Kohlekraftwerke unter Vollast einspringen, wenn der Anteil grünen Stroms fast auf Null fiel. Das ist verheerend für die Klimabilanz - zumal zu anderen Zeiten grüner Strom im Überfluss da ist.

Gleich zwei der am Dienstagabend auf einer großen Gala im Hauptstadtstudio des ZDF in Berlin mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichneten Unternehmen bieten für solche Zeiten clevere Lösungen. In der Kategorie "Aufsteiger" (vier bis neun Jahre alte Unternehmen) gewann die Firma Tesvolt aus der Lutherstadt Wittenberg. Sie baut Batteriesysteme, die als Zwischenspeicher für Alternative Energien dienen können. Bei den Start-ups (ein bis drei Jahre) siegte Ineratec aus Karlsruhe mit Anlagen im Containerformat, die mit Hilfe von Strom flüssige Kraftstoffe erzeugen. Dazu nutzen sie überflüssige Gase aus der Industrie, die sonst abgefackelt werden. Oder es wird CO2 aus Abgasen eingesetzt.

Wirtschaftsgrößen, Journalisten, Künstler

Entsprechend groß war der Applaus der 400 geladenen Gäste. Neben Wirtschaftsgrößen wie Wolfgang Porsche, Friedrich von Metzler oder Jürgen Heraeus waren auch viele ehemalige Preisträger gekommen, um bis tief in die Nacht mit Politikern, Journalisten und Künstlern zu diskutieren.

Auch bei den diesjährigen Finalisten der beiden Kategorien war Nachhaltigkeit das große Thema: Ankerkraut aus Hamburg stellt Gewürze ohne jegliche Zusatzstoffe und aus kontrolliertem Anbau her. CQSE kümmert sich um Software, die möglichst fehlerfrei und damit ressourcenschonend programmiert werden soll. Vectoflow produziert Luftmesssonden im 3D-Druck – nahezu ohne Abfälle. Und Oculavis reduziert durch die Fernwartung von Maschinen massiv die Reisetätigkeit bei Reparaturarbeiten an Maschinen.

Ein Clown mit Geschäftssinn

Der Sonderpreis der drei Gründerpreis-Partner – neben dem stern sind das die Sparkassen, Porsche und das ZDF – ging in diesem Jahr an einen echten Clown: Bernhard Paul steht auch mit 70 Jahren noch regelmäßig in der Manege. Geehrt wurde er aber für die Gründung des Circus Roncalli. Seit über 40 Jahren betreibt Alleingesellschafter Paul, dessen Frau und drei Kinder ebenfalls im Circus mitarbeiten, erfolgreich sein Unternehmen. Er verdiene den Preis "nicht nur, weil er den Zirkus Roncalli, sondern den Zirkus an sich neu gegründet – und sich selbst immer wieder neu erfunden hat", lobte der Laudator, stern Chefredakteur Christian Krug.

Zirkusdirektor Paul schaffte als erster aus Sorge um die artgerechte Haltung die Tiernummern ab und will ab 2019 in der Zirkusgastronomie vollständig auf Plastikverpackungen verzichten. "Dass der Zirkus Roncalli heute so perfekt dasteht, das war kein leichtes Kunststück, manchmal vielleicht ein Salto mortale", so Krug.

Vom Traditionsunternehmen zum Thermomix-Hype

Den Preis für sein Lebenswerk erhielt Jörg Mittelsten Scheid, lange Jahre persönlich haftender Gesellschafter von Vorwerk. Er übernahm 1968 die Führung des Staubsaugerherstellers mit dem markanten Direktvertrieb und führte ihn in die Zukunft. Inzwischen ist aus dem deutschen Traditionsunternehmen ein internationaler Konzern geworden, der auch mit Dienstleistungen sein Geld verdient. In den letzten Jahren überraschte Vorwerk die Hausgeräte-Welt mit dem Erfolg des Thermomix, der für einen weiteren Umsatzsprung sorgte und einen regelrechten Hype auslöste – ein Novum in der eher konservativ geprägten Branche.

Die Portraits der sechs Finalisten in den Kategorien Start-up und Aufsteiger lesen Sie hier:

Vectoflow - Bauteile aus dem 3D-Drucker für die Formel 1

Ineratec - aus Strom flüssigen Kraftstoff machen

Ankerkraut - Gewürze für Feinschmecker

Oculavis - Ferndiagnosen per 3D-Datenbrille

CQSE - der stetige Kampf gegen Softwarefehler

Tesvolt - Solarstrom-Revolution - und das ohne Chefs

DHDL-Produkte: Nie wieder Geld im Staubsaugerbeutel suchen, geht das?