Hartmut Mehdorn Betonkopf mit Lernstörung


Der Tarifkonflikt bei der Bahn ist mit einem Kantersieg der Lokführer beigelegt worden. Hartmut Mehdorn hat auf ganzer Linie verloren. Dabei hätte es der Bahn-Chef besser wissen müssen. Mit seiner Kollisionsstrategie ist er auch bei einem anderen wichtigen Thema schon gescheitert.
Ein Kommentar von Marcus Gatzke

"Hat immer gekämpft. Hat nie alles erreicht." - die Beschreibung von Hartmut Mehdorn über Hartmut Mehdorn passt perfekt zum Ausgang des Tarifkonflikts mit den Lokführern: Zu viel gewagt und am Ende fast alles verloren.

"Einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer wird es in keinem Fall geben." Monatelang trugen Mehdorn und mit ihm seine Kollegen im Vorstand des Staatskonzerns den Satz wie ein Mantra vor sich her. Nur nicht nachgeben und gleich zu Beginn - mehdornmäßig - klare Kante zeigen. Dass diese Strategie auch scheitern könnte, kam niemandem im Management der Bahn in den Sinn. Was kann schon eine kleine Gewerkschaft wie die GDL ausrichten? Dabei hätte Mehdorn aus Fehlern der Vergangenheit lernen können: Bei der Teil-Privatisierung der Bahn droht dem Unternehmen bei gleichem Vorgehen ein ähnliches Schicksal.

Es war schon zu Beginn des Tarifstreits sehr wahrscheinlich, dass die Lokführer diesmal nicht einfach so klein beigeben würden. Mehdorn hat seinen Gegner völlig unterschätzt: GDL- Manfred Schell, der kurz vor seiner Pensionierung steht und gerne Bahngeschichte schreiben will, hat selbst ein bisschen Mehdorn im Blut. Es trotzdem mit dem Kopf durch die Wand zu versuchen, war eine äußerst riskante Strategie der Bahn. Mehdorn hätte viel früher und stärker den Kompromiss suchen müssen.

Auf ganzer Linie verloren

Jetzt steht er mit leeren Händen da: Die GDL hat ein Lohnplus von bis zu elf Prozent durchgesetzt und bekommt einen eigenen Tarifvertrag als Sahnehäubchen noch oben drauf. Fast ein Jahr wurde gestritten, mehrfach für Tage gestreikt. Die Bahn hat die Auseinandersetzung Millionen gekostet.

Was der Bahn-Chef am Sonntagmachmittag als eine "gute Nachricht für unsere Kunden und den Wirtschaftsstandort Deutschland" bezeichnete, ist ein Kantersieg der Lokführer. Innerlich dürfte Mehdorn, der seine Kritiker gerne mal mit den Worten "Ich würde Sie gerne hauen. Aber Schläge bringen nichts, Sie bleiben ja doch bei Ihrer Meinung" anredet - gekocht haben.

Nicht-lernfähiger Angreifer

Dabei hätte der Bahn-Vorsitzende aus der sich am Horizont abzeichnenden Niederlage bei der Teil-Privatisierung der Bahn lernen können: Nicht immer ist Angriff die beste Verteidigung. Die politische Ebene und auch die Ebene tariflicher Auseinandersetzungen funktionieren nicht wie ein Markt ("Nur die Gesunden und Starken überleben"- Zitat Mehdorn).

Auch bei der Teil-Privatisierung hat Mehdorn für lange Zeit seine Wunschvorstellung mit aller Macht durchsetzen wollen. Jetzt erleben wir - wie bei den Lokführern - einen Rückzug auf Raten. Am Ende könnte er jedoch genauso dastehen wie im Tarifkonflikt: mit leeren Händen. Aber der Mann mit dem eisernen Willen (Die Bahn über ihren Chef) scheint nicht lernfähig - zum Schaden für das Unternehmen und ihre Kunden.


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