Hauptversammlung VW muss weiter sparen


VW-Chef Bernd Pischetsrieder schwört den Autokonzern gestärkt durch einen neuen Vertrag bis 2012 auf einen noch härteren Sparkurs ein. Man sei "meilenweit" von den eigenen Zielen entfernt, betonte er auf der Hauptversammlung in Hamburg.

VW-Hauptversammlung inm Hamburg: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der wochenlange Spekulationen um Pischetsrieders Vertragsverlängerung losgetreten hatte, wurde von Aktionärsvertretern scharf kritisiert und zum Rückzug aufgefordert.

Vorstand und Aufsichtsrat entlastet

Die Hauptversammlung entlastete Vorstand und Aufsichtsrat dennoch mit großer Mehrheit. Piëch erhielt allerdings in einer Einzelabstimmung mit 98,23 Prozent das schlechteste Ergebnis unter den Aufsichtsratsmitgliedern - rund 1,5 Prozentpunkte weniger als die meisten Kollegen. Der Vorstand wurde mit 99,82 Prozent entlastet.

Details der Sparpläne hielt Pischetsrieder unter Hinweis auf laufende Gespräche mit der Belegschaft weiter geheim. Laut früheren Angaben könnten bis zu 20 000 Jobs betroffen sein, rund ein Fünftel aller Stellen in westdeutschen VW-Werken. Der Vertrag des 58-jährigen VW-Chefs war am Vortag um fünf Jahre bis April 2012 verlängert worden. Der Aufsichtsrat beschloss dies einstimmig, obwohl zuvor von massivem Widerstand der Arbeitnehmerseite die Rede war.

Piëch soll Vorstand geschwächt haben

Piëch wurde von Aktionären vorgeworfen, mit seinen öffentlichen Zweifeln an einer Vertragsverlängerung für Pischetsrieder den Vorstand geschwächt zu haben. Auch Interessenkonflikte angesichts des Einstiegs von Porsche bei VW wurden angeprangert. Der langjährige VW-Chef Piëch sitzt auch im Porsche-Aufsichtsrat. Die Piëch-Familie ist ein wichtiger Porsche-Aktionär.

Pischetsrieder betonte, der Aufsichtsrat habe bereits im Februar einen Ausschuss eingerichtet, der die Geschäftsbeziehungen von Volkswagen mit Aktionären überwachen soll, die mehr als fünf Prozent der Stimmrechte halten. Porsche ist größter VW-Aktionär mit rund 21 Prozent. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wurde wie geplant in den VW-Aufsichtsrat gewählt. Das Wahlergebnis lag bei ihm und anderen Kandidaten bei rund 85 Prozent.

Piëchs Reaktion

Piëch entgegnete nach der Aktionärskritik, Vorstand und Aufsichtsrat arbeiteten zum Wohle des Unternehmens eng zusammen. Wenn in Zeitungen etwas anderes zu lesen sei - "das erhöht die Auflage". Zu den Rückzugsforderungen sagte er, er werde "zu gegebener Zeit" über seine Lebensplanung informieren.

Pischetsrieder warnte, Volkswagen müsse weltweit mit härterem Wettbewerb rechnen. "Es geht nicht darum, dass der Konzern heute in seiner Existenz gefährdet ist. Aber trotzdem müssen wir heute handeln, um morgen den verschärften Angriffen unserer Wettbewerber erfolgreich begegnen zu können." Dabei werde der Konzern ohne eine Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke VW nicht erfolgreich sein. Kostenstrukturen, die weit über denen der Wettbewerber lägen, könnten nicht dauerhaft "durch Quersubventionen gesundgerechnet werden", sagte Pischetsrieder. Vor allem die Produktion in den westdeutschen VW-Werken ist teilweise deutlich teurer als im Branchendurchschnitt.

Nachfolgeprogramm "ForMotion plus"

Mit dem bisherigen Effizienz-Programm "ForMotion" hatte VW im vergangenen Jahr Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro erzielt - 400 Millionen mehr als geplant. Der Preisdruck im Markt und die Wechselkurse hätten den Nettoeffekt der Sparmaßnahmen jedoch geschmälert. Ziel des Nachfolgeprogramms "ForMotion plus" ist ein Vorsteuergewinn von 5,1 Milliarden Euro im Jahr 2008, ein Plus von vier Milliarden im Vergleich zu 2004. Als eine treibende Kraft hinter dem harten Sparkurs gilt VW-Markenchef Wolfgang Bernhard.

Pischetsrieder bekräftigte, es sollen eine höhere Produktivität, eine volle Auslastung der Werke auch durch Kapazitätsminderung und «wettbewerbsfähigere Arbeitskosten» erreicht werden. Bei der geplanten kompletten Neuordnung der Komponentenfertigung, in deren Zuge einzelne Bereiche auch ausgelagert werden können, stehe die Produktion von Motoren und Getrieben nicht zur Disposition.

DPA DPA

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