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Haushaltsalltag: Technik im Härtetest

Um teure Rückrufaktionen zu vermeiden, pochen Handelsketten auf strenge Prüfung ihrer Ware: 45.000 Mal muss ein Lichtschalter funktionieren, Telefonkabel werden verknotet und verdreht. Ein Bericht von der Prüffront.

Auf Porzellantellern kleben dicke Reste von Spinat neben getrocknetem Ei und Haferflocken, dunkle Teeränder zieren die Tassen: So sieht der Geschirrspüler-Härtetest aus. Zwei Wochen lang steht das Gerät in Offenbach auf dem Prüfstand des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE). Arbeitet die Maschine nach unzähligen Spülgängen immer noch sicher und zuverlässig, erhält sie das VDE-Prüfzeichen. Seit 85 Jahren steht es für Sicherheit und Qualität von elektrischen und elektrotechnischen Geräten.

Etwa die Hälfte der Produkte fällt durch

Weltweit tragen derzeit 200.000 Produkte das Prüfsiegel. Jedes Jahr kommen etwa 8000 hinzu. Im Auftrag von Herstellern und Handel testet das zentrale Prüf- und Zertifizierungsinstitut in Offenbach etwa 16 000 Geräte pro Jahr. "Auf Anhieb erreicht die Hälfte das Klassenziel nicht", stellt der Leiter Strategieentwicklung und Information, Bernd Franke, fest. Zu gravierend sind die Mängel. Eine elektrische Heckenschere ohne automatische Sicherheitsabschaltung fällt durch. Ebenso ein Lichtschalter, der nicht mindestens 45 000 Mal einwandfrei funktioniert.

Gartengeräte gehören zu den am häufigsten erprobten Geräten. In diesem Herbst haben Franke zufolge Laubsaug- und Laubblasgeräte sowie Kettensägen Prüf-Konjunktur. In der Vergangenheit habe es häufig Rückrufaktionen mangelhafter Produkte gegeben. Jetzt gehen Hersteller auf Druck des Handels auf Nummer sicher. Um die Zahl der Reklamationen durch Kunden zu senken, stellten große Handelsketten inzwischen fast ausschließlich streng geprüfte Modelle ins Regal, erläutert Fachmann Franke. Die freiwillige VDE-Zertifizierung stehe für Glaubwürdigkeit. Ähnliche Signets vergeben aber auch der TÜV und die Berufsgenossenschaften.

Prüfung günstiger als Rückrufaktionen

Die Prüfung lassen sich Hersteller etwas kosten: Eine mit Elektronik vollgepackte Mikrowelle oder eine Waschmaschine schlagen mit einer fünfstelligen Summe zu Buche, ein Computer kostet etwas weniger. Die Beträge machen laut Franke einen Bruchteil der jeweiligen Entwicklungskosten aus und seien unter dem Strich günstiger als jede Rückrufaktion. Viele Produzenten sensibler Produkte aus den Branchen Medizintechnik oder Computerbau stellen ihre Geräte bereits aus VDE- zertifizierten Komponenten her.

Während der Tests simulieren die 400 Technik-Experten den Alltag: Der Handquirl dreht sich, wenn nebenan der Fernseher läuft. Funktionieren beide gleichzeitig sind "Sicherheit, Verträglichkeit und gegenseitigen Schutz vor störender Umwelteinflüssen" erwiesen. Telefonkabel werden mehrfach verknotet und verdreht. Jeder Check unterliegt festen Regeln, um gleiche Bedingungen für alle zu gewährleisten. Sogar das Befüllen von Geschirrspülern und Waschmaschinen geschieht nach Vorschrift. Ab und zu erstaunen die Ergebnisse selbst Prüfer wie Rainer Brenk: "Manchmal ist unsere weiße Testwäsche nachher noch weißer als vorher!" Neuerdings achten Brenk und Kollegen neben der Sicherheit auch auf verständliche Gebrauchsanleitungen, Energieverbrauch oder Lärmbelastung. Für gute Werte vergibt das Institut eine zusätzliche Qualitätsmarke.

Zertifizierung verbessert Exportchancen

Trotz lahmender Konjunktur steigt die Zahl der Prüfaufträge. Vor allem ausländische Produzenten elektrischer Kleingeräte - dazu gehören Haartrockner, Handrührer, DVD-Spieler - schicken ihre Erzeugnisse nach Offenbach. Hohe Zuwächse verzeichne das Labor aus der Türkei und China, berichtet Bernd Franke, ohne Zahlen zu nennen. Die Zertifizierung verbessert die Exportchancen auf den europäischen und deutschen Markt. Und umgekehrt die Chancen deutscher Firmen: So lasse etwa Russland nur geprüfte Geräte ins Land.

Monika Hillemacher/DPA / DPA