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Wirtschaftsfolgen durch Corona: Mit Bargeschenken gegen die Krise: Kann Helikoptergeld uns retten?

Die Bundesregierung will für Selbstständige und Kleinunternehmer 40 Milliarden Euro locker machen. In den USA soll sogar jeder Bürger einen Scheck über 1000 Dollar bekommen. Kann "Helikoptergeld" uns vor dem Corona-Crash retten?

Man hat das Bild schon fast vor Augen: Donald Trump im Helikopter, wie er über sein Land kreist und mit großer Geste Bündel voller Geldscheine herabregnen lässt. Auch wenn dem US-Präsidenten die Pose sicherlich gefallen würde, ganz so wörtlich sind die von seiner Regierung geplanten Hilfen, die auch als "Helikoptergeld" bezeichnet werden, nicht zu nehmen. Doch im übertragenen Sinne plant die Trump-Regierung genau das zu tun: Sie lässt Geld auf ihre Bürger herabregnen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärte am Donnerstag, der Staat wolle kurzfristig 1000 US-Dollar an Erwachsene und 500 Dollar je Kind zahlen. Mindestens. Auch ein zweiter Scheck ist schon im Gespräch. Die Details – etwa wer von den Hilfen ausgenommen wird – müssen noch mit dem US-Kongress verhandelt werden. Medienberichten zufolge will sich die Regierung die Corona-Hilfe für ihre Bürger rund 500 Milliarden Dollar (450 Milliarden Euro) kosten lassen. Die Konsumschecks sollen den Menschen in der Corona-Krise helfen, über die Runden zu kommen und verhindern, dass die Konjunktur komplett einbricht.

Deutschland will Kleinunternehmer retten

Geldgeschenke für Millionen Bürger, das ist nicht einfach nur eine durchgeknallte Idee der Trump-Regierung. Auch andere Staaten denken in der beispiellosen Corona-Krise über dieses ungewöhnliche Mittel nach – oder haben es bereits umgesetzt. Die Regierung in Hongkong bedachte schon Ende Februar jeden erwachsenen Bürger mit umgerechnet 1200 Euro. Japan plant ebenfalls Direktzahlungen, allerdings wohl nur an Personen mit niedrigen Einkommen oder Familien mit Kindern.

Auch die Bundesregierung schnürt Medienberichten zufolge ein Paket mit milliardenschweren Geldgeschenken. In Deutschland werfen die Helikopter das Geld aber nicht über jedem Haushalt ab. Gedacht sind die Finanzhilfen für Millionen Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen, die angesichts der Corona-Krise vor der Pleite stehen. 40 Milliarden Euro sollen den Betroffenen in Form von Direktzahlungen und Krediten zur Verfügung stehen. Im Gespräch sind derzeit Zuschüsse von bis zu 15.000 Euro für Unternehmen bis zehn Beschäftigte über einen Zeitraum von drei Monaten.

Die Bundesregierung tut damit, was auch führende Ökonomen wie DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordern, um massenhafte Firmen-Pleiten in Deutschland zu verhindern. "Die kleinen Unternehmen brauchen wirklich Geld in der Tasche. Man muss über Transfers nachdenken, dass man sagt, alle, die beim Finanzamt gemeldet sind, kriegen 5000 oder 10.000 Euro in die Tasche, sofort, um diese Zeit lang überleben zu können", sagte Fratzscher im Deutschlandfunk. "Gerade für Solo-Selbständige oder für Selbständige mit sehr kleinen Unternehmen – wir haben weit über vier Millionen, fast fünf Millionen Selbständige in Deutschland, viele davon solo-selbständig", so der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus Berlin. Helikoptergeld für alle hält der Ökonom dagegen nicht für sinnvoll.

Deutsche Ökonomen: Helikoptergeld nicht sinnvoll

Auch seine Ökonomen-Kollegen Michael Hüther, Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln und Clemens Fuest vom Münchner ifo-Institut lehnen Direktzahlungen wie in den USA oder Hongkong für Deutschland ab. Zur Begründung verweist ifo-Chef Fuest auf die fundamentalen Unterschiede im Sozialsystem. "In den USA gibt es kein System der Grundsicherung wie etwa in Deutschland. Unterstützung gibt es für Menschen mit niedrigen Einkommen vor allem, wenn sie arbeiten. Genau das wird jetzt aber krisenbedingt massiv eingeschränkt", sagt Fuest laut "ntv". "Bei uns arbeiten die automatischen Stabilisatoren wie Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld".

Genaugenommen ist selbst das, was die USA jetzt zahlen wollen, kein Helikoptergeld. Denn erfunden wurde der Begriff 1969 vom späteren Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. Im Gedankenexperiment des berühmten US-Ökonomen kam das nicht Geld nicht von der Regierung (die dafür Schulden aufnehmen muss), sondern wurde frisch von der Zentralbank gedruckt. Einen solch radikalen Eingriff ins Finanzsystem hat es bisher noch nie gegeben. Und Deutschland könnte ihn auch gar nicht im Alleingang beschließen. Sollte die Europäische Zentralbank jemals echtes Helikoptergeld verteilen, dann beträfe das die gesamte Eurozone.

Quellen: DPA / ntv / Deutschlandfunk

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