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Herabstufung von neun Euro-Ländern: S&P-Rundumschlag lässt Dax kalt

Die Börsen habe den schlechteren Noten der Rating-Agentur Standard & Poor's für neun Euroländer getrotzt In Asien hielt sich der Kursrutsch in Grenzen, der Dax machte die Anfangsverluste binnen kurzer Zeit wieder wett.

Die europäischen Anleger haben Herabstufung von neun Eurozonen-Staaten durch die US-amerikanische Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) am Montag schnell abgehakt. Dax und EuroStoxx50 machten ihre Anfangsverluste innerhalb der ersten halben Handelsstunde wieder wett und notierten fast unverändert bei 6155 beziehungsweise 2337 Punkten. Gleiches galt für den Pariser Leitindex CAC40, der bei 3192 Zählern notierte. Der Euro zog ebenfalls an und kostete mit 1,2671 Dollar etwas mehr als zum New Yorker Freitagsschluss.

"Die Herabstufung Frankreichs war allgemein erwartet worden und ist sicherlich nicht so schlimm wie weitreichendere Herabstufungen von 'AAA'-Nationen inklusive Deutschland gewesen wären", sagte Andrew Wells, der die Anlage-Entscheidungen am Anleihemarkt beim Vermögensverwalter Fidelity verantwortet.

Verluste in Tokio

In Asien war die Reaktion auf den S&P-Rundumschlag deutlich heftiger ausgefallen. Die Börse in Tokio startete deutlichen Verlusten in die neue Handelswoche. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zur Handelsmitte ein Minus von 128,62 Punkten oder 1,51 Prozent beim Zwischenstand von 8371,40 Punkten. Der breit gefasste Topix büßte bis dahin ebenfalls deutlich 10,66 Punkte oder 1,45 Prozent auf 723,94 Zähler ein.

Schäuble will Einfluss von Rating-Agenturen reduzieren

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält es für dringend erforderlich, den Einfluss der Rating-Agenturen zu begrenzen. Die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs und mehrerer anderer Euro-Staaten werde die auf EU-Ebene geplanten Regelungen beschleunigen, sagte Schäuble. "Es besteht dringender Handlungsbedarf." Ziel dieser Regelungen sei es, dass die Rating-Agenturen "objektive Schiedsrichter und nicht Interessenbeteiligte" seien.

S&P hatte am Freitag neun Euroländern schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit verpasst: Europas zweitgrößte Volkswirtschaft Frankreich sowie Österreich verloren ihre Bestnoten "AAA". Die Ratingagentur zeigte sich vor allem enttäuscht von den Ergebnissen des EU-Gipfels Anfang Dezember zur Euro-Krise. Schlechtere Ratings erhielten auch Italien, Spanien, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern. Standard & Poor's Konkurrenzagentur Moody's hingegen sieht Frankreich bei der Kreditwürdigkeit weiter in der Top-Kategorie AAA. Die Ankündigung der US-Agentur erfolgte drei Tage, nachdem Standard & Poor's Frankreich die Bestnote aberkannt hatte.

jar/Reuters/AFP / Reuters