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Herbstgutachten: Wirtschaft kühlt sich weiter ab

Die deutsche Wirtschaft wächst längst nicht so stark wie noch im Frühjahr erhofft: In ihrem Herbstgutachten prognostizieren die Wirtschaftsforschungsinstitute ein Wachstum von nur noch 1,3 Prozent.

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft werden trüber. Der Export ist im August im Vergleich zum Vormonat um 5,8 Prozent zurückgegangen.

Damit setzte sich die Reihe schwacher Konjunkturdaten fort. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen derzeit Stagnation in der deutschen Wirtschaft. In ihrem vorgelegten Herbstgutachten erwarten sie in diesem Jahr nur noch 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum und im kommenden Jahr 1,2 Prozent.

Vor einem halben Jahr hatten die Experten noch 1,9 Prozent Wachstum für 2014 und 2,0 Prozent für 2015 vorausgesagt. Angesichts der Lage empfahlen die Forschungsinstitute der Bundesregierung, die finanziellen Spielräume zu nutzen und die Wachstumskräfte zu stärken.

Dazu gehörten Steuerentlastungen für Unternehmen und Bürger. Dafür könnten auch in geringem Umfang neue Schulden aufgenommen werden. Der Außenhandelsverband BGA stimmt die Unternehmen auf weiterhin schwere Zeiten ein. Die globalen Krisenherde schürten die Verunsicherung.

Schwarze Null ist "Prestigeprojekt"

Beim Staatshaushalt eine schwarze Null zu erreichen, also einen kleinen Überschuss, sei ein "Prestigeprojekt" der Bundesregierung, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner.

Aus ökonomischer Sicht sei das nicht unbedingt angebracht. Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sagte, bei einer Unterauslastung der Unternehmen wie im Moment seien "Überschüsse im Staatshaushalt nicht angezeigt". Die Institute erwarten 2014 einen Überschuss von sieben Milliarden und 2015 von drei Milliarden Euro.

Die Ökonomen stellten eine schwache Nachfrage aus dem In- und Ausland fest. Als Ursachen nannten sie Ökonomen die internationalen Krisenherde, aber auch "Gegenwind aus der Wirtschaftspolitik".

Der Mindestlohn, die Mütterrente und die Rente mit 63 seien Vorhaben, die die Investitionsbereitschaft der Unternehmen stärker hemmten, als die Institute noch im Frühjahr angenommen hätten. "Da haben wir uns verschätzt", räumte Fichtner ein.

Kein Anlass zur Panik

Es gebe jedoch "keinen Anlass zur Panik". Die jüngsten Rückgänge bei Auftragseingang und Produktion seien "für uns nicht überraschend gewesen" und bereits in das Herbstgutachten eingeflossen, sagte Fichtner.

Der Rückgang der Ausfuhren im August war der stärkste Rückschlag seit gut fünfeinhalb Jahren, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Im Januar 2009 war der Außenhandel wegen der weltweiten Wirtschaftskrise weggebrochen mit damals 7,1 Prozent Exportminus.

Für den August 2014 errechneten die Statistiker nach vorläufigen Zahlen nun einen Gesamtwert der deutschen Ausfuhren von 84,1 Milliarden Euro. Im Vergleich zu August 2013 betrug der Rückgang lediglich 1,0 Prozent.

Späte Sommerferien als Grund

Die Wiesbadener Statistiker führten den deutlichen Rückgang zum Vormonat auch auf die späte Lage der Sommerferien in vielen Bundesländern zurück: "In einigen Ländern waren den ganzen August über Ferien, da kann es durchaus sein, dass wegen Betriebsferien oder urlaubsbedingt weniger produziert wird", erklärte ein Statistiker.

Die Gefahren für die Konjunktur im Euroraum sind nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterhin immens. "Die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Euro-Währungsgebiet sind nach wie vor abwärtsgerichtet", hieß es im neuen EZB-Monatsbericht.

Für das Herbstgutachten hat die Bundesregierung die Institute Ifo aus München, DIW aus Berlin, RWI aus Essen sowie IWH aus Halle beauftragt. Die Studie wird jeweils im Frühjahr und im Herbst vorgelegt.

yps/DPA / DPA