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Hohe Spritkosten: Taxifahrer auf Diät

Taxifahrer haben in Deutschland noch nie zu den Besserverdienern gehört. Doch seit Benzin und Diesel immer teurer werden, stehen sie noch mehr unter Druck. Für den Verbraucher bedeutet das wohl höhere Taxipreise, aber vielen Unternehmen reicht das nicht: Sie versuchen Geld zu sparen - mit ganz neuen Wegen.

Von David Meiländer

Hans-Peter Bipp hat seine Taxifahrer auf Diät gesetzt. In den Autos und der Kantine seiner Frankfurter Firma ist Fast Food verboten. Stattdessen hat der Unternehmer Obstschalen aufgestellt, damit sich seine 60 Fahrer besser ernähren und an Gewicht verlieren. Denn, so hat Bipp bei einem Seminar der Berufsgenossenschaft gelernt: 30 Kilo Übergewicht bedeuten drei Prozent mehr Spritverbrauch. Spart er die ein, vergrößert sich seine Marge.

Übergewicht kostet Sprit

"Wir haben viele Fahrer, die etwas mehr auf den Rippen haben", sagt Bipp. "Denen kann und will ich natürlich nicht vorschreiben, was sie in der Pause essen sollen. Aber wenn sie sich darauf einlassen, tun sie nicht nur etwas für ihre Gesundheit, sondern auch für ihren Arbeitsplatz." Der ist nämlich bedroht und zwar für fast alle Fahrer der Frankfurter Mainhatten Taxi GmbH. Schuld ist der hohe Spritpreis.

Fast alle deutschen Taxis tanken Diesel. Binnen einen Jahres stieg der Preis pro Liter an den Tankstellen um fast 30 Prozent auf etwa 1,35 Euro. Im Jahr 2000 waren es noch 75 Cent. Der Preis ist in den vergangenen acht Jahren also um fast 90 Prozent gestiegen. Entsprechend schlecht geht es der Branche. Vor einem Monat, als die Tankstellen noch deutlich mehr verlangten, schlug der Verband der Taxi- und Mietwagenunternehmer Alarm. Ein Viertel der 200.000 Jobs in der Branche seien bedroht. Als erstes werde es die Aushilfen und jungen Fahrer treffen. "Viele Kollegen kratzen am Existenzminimum", sagt der Geschäftsführer der Berufsvereinigung, Thomas Grätz. "Das einzige, was uns jetzt noch hilft, sind Preiserhöhungen."

Die Konkurrenz ist groß

Die letzte Erhöhung für Paul Groß, den sie in Plauen alle nur "Taxi Paule" nennen, ist jetzt sechs Jahre her. Vor 18 Jahren hat sich der Sachse selbständig gemacht und fährt seitdem in der kleinen Stadt nahe Chemnitz. Jeden Tag steht er um neun Uhr am Bahnhof bereit, dem Ort, wo es am meisten Kundschaft gibt. Damit er über die Runden kommt, müsste er jede halbe Stunde einen Fahrgast transportieren, doch das klappt nur selten. Zu groß ist die Konkurrenz - auch im beschaulichen Plauen. 48 Taxis gibt es hier insgesamt. "In manchen Monaten kommt man mit seinem Gehalt ziemlich nah an Hartz IV", sagt Groß. "Das ist eigentlich kein Job mehr zum Überleben. Wenn es nicht soviel Spaß machen würde, hätte ich längst aufgegeben."

Wie viel oder wie wenig Taxi Paule für seine Leistungen nehmen darf, bestimmt die Stadtverwaltung. In Deutschland gilt das Taxi als öffentliches Verkehrsmittel, die Preise sind also eine öffentliche Angelegenheit. Wenn die Taxifahrer mehr Geld wollen, müssen sie einen Antrag stellen. In fast allen Städten haben sie das mittlerweile getan. Auf die Verbraucher kommen flächendeckend Preiserhöhungen von bis zu 10 Prozent zu. "Es wird aber noch bis Ende des Jahres dauern, bis das gilt", sagt Thomas Grätz vom Taxi- und Mietwagenverband. "Die Verfahren dauern lang, unter sechs Monaten habe ich das noch nicht erlebt." Diesmal aber scheinen die Kommunen ein offenes Ohr für die Taxifahrer zu haben. Beschlossen sind die höheren Taxitarife bereits in Duisburg, Dortmund, Köln, Essen und Bremen.

Wie werden die Stammkunden reagieren?

Nicht allen aus der Branche ist ganz wohl dabei, die Preise zu erhöhen. Claus Lenz, der Geschäftsführer der Taxi Bonn e.G., die in der ehemaligen Bundeshauptstadt die Taxizentrale betreibt, fürchtet einen Nachfragerückgang. "Solche Erhöhungen sind immer ein schmaler Grat", sagt er. "Die Gelegenheitskunden merken es natürlich nicht sofort, aber einen Großteil des Umsatzes machen die Fahrer mit Stamm- oder Geschäftskunden. Es kann also gut sein, dass wir Fahrgäste verlieren."

Für Hans Peter Bipp allerdings, den Geschäftsführer der Frankfurter Mainhatten GmbH, drängt es. Damit er den Angestellten ihre 7,50 Euro plus Umsatzbeteiligung zahlen kann, muss er laufend Kredite aufnehmen. Ein riskantes Spiel. "Im Grunde überbrücke ich so die Zeit bis zur Preiserhöhung. Aber wenn der Dieselpreis wieder steigt, komme auch ich um Entlassungen - und irgendwann sogar die Insolvenz - nicht herum", sagt er. "Dann hilft auch keine Schlankheitskur mehr."