HSH Nordbank Chef segnete Verlustgeschäft selbst ab


Er gilt als Sinnbild des gierigen Bankers und gerät jetzt schwer unter Druck: Dirk Nonnenmacher, Chef der HSH Nordbank, soll riesige Verlustgeschäfte mit dem Decknamen "Omega" selbst genehmigt haben.

Der Vorstand der finanziell schwer angeschlagenen HSH Nordbank hat nach einem Bericht des NDR verlustreiche Geschäfte der Londoner Niederlassung selbst genehmigt. Bei den riskanten Investments mit der Bezeichnung "Omega" geht es um Kreditersatzgeschäfte, die der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein einen vorläufigen Schaden von 500 Millionen Euro beschert haben. Wie "NDR Info" unter Berufung auf ihm vorliegende Dokumente berichtet, haben unter anderem der jetzige HSH-Chef Dirk Nonnenmacher sowie sein Stellvertreter Peter Rieck den entsprechenden Antrag für dieses Geschäft unterschrieben.

Riskantes Geschäft vor Bankaufsicht verheimlicht?

Zuvor habe das bankeigene Risikomanagement ausdrücklich auf Gefahren hingewiesen. So sei "der Zeitrahmen für die Begutachtung außerordentlich eng und mit Hinblick auf die Komplexität und die betreffende Summe unangemessen kurz" gewesen. Außerdem hielten die Risikoexperten es für möglich, dass die Aufsichtsbehörde Bafin das Geschäft nicht genehmigen werde. Deshalb habe die HSH entscheidende Teile des Omega-Geschäfts offenbar vor der Finanzaufsicht verheimlicht. Dies legten ein Brief der HSH sowie interne E-Mails nahe, die "NDR Info" vorliegen.

Offiziell hat die HSH Nordbank bislang keine Stellung zu den Vorgängen genommen. Aus Kreisen der Landesbank hieß es jedoch in der vergangenen Woche, dass ein einzelner Manager die Verantwortung für die Verluste aus dem Omega-Geschäft trage. Zudem sei der Vorstand der HSH getäuscht worden. Finanzexperten bezeichnen diese Darstellung dem NDR zufolge als Ablenkungsmanöver.

Ein HSH-Sprecher sagte am Montagabend: "Omega ist kein neues Geschäft. Es handelt sich um eine bekannte Transaktion aus dem Jahr 2007, die vollständig im Geschäftsbericht 2008 verarbeitet und über die wiederholt in den Medien berichtet wurde. Sie ist Bestandteil der Untersuchungen der Kanzlei Freshfields für den Aufsichtsrat, deshalb können wir sie nicht weiter kommentieren."

Die Abschreibungen von 500 Millionen Euro sind im Jahresabschluss für das vergangene Jahr enthalten. Dabei handelt es sich um eine Wertberichtigung. Falls die Wertpapiere wieder im Preis steigen, kann der endgültige Schaden geringer ausfallen. Das Jahr endete für die HSH Nordbank mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Euro.

Neue Vorstände sollen Nonnenmacher entlasten

Im Fokus steht dabei immer wieder HSH-Chef Nonnenmacher. Er nach dem Abgang mehrerer Top-Manager die Posten des Finanzvorstands und Risikochefs übernommen und ist zudem auch verantwortlich für das operative Geschäft. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" will die Bank in der kommenden Woche während einer Sondersitzung des Aufsichtsrates zwei neue Vorstandsmitglieder berufen, um Nonnenmachers Arbeitsbelastung zu reduzieren. Die FDP dränge bei der Bildung der neuen Regierung in Schleswig-Holstein sogar darauf, den HSH-Chef auszuwechseln. Die Bankenaufsicht Bafin habe sich bereits im April an den Aufsichtsrat gewandt und darauf gedrängt, vakante Vorstandsposten möglichst rasch wieder zu besetzen.

DPA/joe DPA

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