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Betriebsrat bangt um Jobs: Investoren übernehmen HSH Nordbank für eine Milliarde Euro

Hamburg und Schleswig-Holstein mussten der HSH Nordbank in den vergangenen zehn Jahren kräftig unter die Arme greifen. Nun konnten Käufer aus den USA und Großbritannien für das Institut gefunden werden. Für den Betriebsrat keine ganz positiven Nachrichten.

Eingang der HSH Nordbank

Die Zentrale der HSH Nordbank befindet sich in Hamburg

DPA

Private Investoren übernehmen die HSH Nordbank, die gemeinsame Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Ein Großteil der Anteile geht an die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus und den US-Investor J. Christopher Flowers: Sie halten künftig 80 Prozent des Instituts. Kleinere Anteile werden die amerikanische Gesellschaft GoldenTree, Centaurus Capital aus London sowie an die österreichische Bawag, die Cerberus zuzurechnen ist, halten. Das teilten die Kieler Landesregierung und der Hamburger Senat am Mittwoch mit. 

Die Länder verzichten damit auf die Möglichkeit, vorübergehend an einer Minderheitsbeteiligung festzuhalten. Sie retteten die HSH Nordbank zwei Mal mit staatlichen Mitteln vor der Insolvenz, nun verkaufen Hamburg und Schleswig-Holstein 94,9 Prozent der Anteile. Die restlichen 5,1 Prozent lagen schon zuvor bei Flowers. Der Kaufpreis beträgt rund eine Milliarde Euro.

Kaufvertrag muss noch einige Hürden nehmen

Der entsprechende Kaufvertrag steht noch unter verschiedenen Vorbehalten. So müssen der Kieler Landtag und die Hamburger Bürgerschaft zustimmen - ebenso wie die EU-Kommission, die Finanzaufsicht Bafin und die Europäische Zentralbank (EZB). Die diversen Prüfungen und Verfahren werden Monate in Anspruch nehmen, so dass eventuell erst im Herbst mit dem formellen Abschluss der Transaktion zu rechnen ist.

Für die Länder würde mit dem Deal damit ein Finanzdesaster, das sich über rund zehn Jahre seit dem Beginn der globalen Finanzkrise hinzog und von zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Fehleinschätzungen sowie Irrtümern geprägt war. Die Sonderbelastung durch die HSH Nordbank führte bei den beiden Ländern zu steigender Verschuldung, während die Schulden aller anderen Bundesländer gegenwärtig sinken.

Betriebsrat bangt um mehrere hundert Arbeitsplätze

Während sich die Länder zuversichtlich zeigen, befürchtet der Gesamtbetriebsrat der HSH Nordbank den Abbau von mehreren Hundert der rund 2000 Arbeitsplätze. Insgesamt scheint die Stimmung aber positiv: "Wir begrüßen die Fortführung der Bank", sagte Olaf Behm, Gesamt- und Konzernbetriebsratschef am Mittwoch in Kiel nach Bekanntgabe des Verkaufs. "Denn es dürften so mehr Arbeitsplätze erhalten bleiben, als bei einer Abwicklung der HSH Nordbank übrig geblieben wären."

Behm fordert: "Wir müssen für jeden, den die Umstrukturierung trifft, eine sozial akzeptable Lösung finden, bei denen auch betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden müssen." 

fri / DPA