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Ikea-Gründer Kamprad: Von einem der auszog, die Welt zu möblieren

Sein Vermögen wird auf 23 Milliarden Euro geschätzt, doch Ingvar Kamprad gibt sich gern bescheiden und sparsam. Nun wird der Ikea-Gründer 80 Jahre alt - und hat sich alle Feiern und Glückwünsche verbeten.

Gerade rechtzeitig zum 80. Geburtstag am 30. März hat sich Ikea-Gründer Ingvar Kamprad auf der Liste der reichsten Menschen der Welt vom sechsten auf den vierten Platz verbessert. Dass das Vermögen des Billy-Regal-Verkäufers vom US-Magazin "Forbes" auf umgerechnet 23 Milliarden Euro geschätzt wird, dürfte den Schweden selbst kaum beeindrucken.

Kamprad fliegt Economy-Class, sitzt in der Bahn zweite Klasse und sucht für seinen alten Volvo immer geduldig nach kostenfreien Parkplätzen. Selbst seine Haare lässt er sich von Ehefrau Margaretha schneiden. Der Friseur ist ihm zu teuer.

Kamprad lässt sich gern als bescheiden, einfach und beinah etwas zu geizig porträtieren. Der gebürtige Schwede verdankt seinen Erfolg einer Mischung aus Hartnäckigkeit und Sparsamkeit. Kamprad wuchs im südschwedischen Smaland auf, einer der ärmsten Gegenden des Landes.

Glaubt man der Ikea-Legende, so soll der Möbelverkäufer, dessen Vater Förster war, mit fünf Jahren mit Streichhölzern gehandelt haben. 1943, im Alter von 17 gründete er sein Unternehmen Ikea. Der Name eines der wohl erfolgreichsten und bekanntesten Geschäfte der Welt setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben Ingvar Kamprad, dem ersten Buchstaben des elterlichen Bauernhofs Elmtaryd und dem Anfangsbuchstaben seines Heimatdorfes, Agunnaryd.

Anfangs vertrieb Kamprad ein buntes Gemischtwarensortiment aus Kugelschreibern, Strümpfen, Streichhölzern, Haushaltswaren, Möbeln und Uhren, bis er Anfang der 50er Jahre ganz auf Möbel umschwenkte. Kamprad umging den Zwischenhandel, bot billiger an als die Konkurrenz und nutzte Anzeigen und Postversand, um seine Waren in die schwedischen Haushalte zu bringen. Fünf Jahre nach Gründung von Ikea erschien der erste Katalog, der bis heute die wichtigste Beziehung zwischen Kunden und Möbelhaus darstellt.

Kaum einer hat mehr Fehler gemacht

Kaum einer habe so viele Fehler gemacht wie er, kokettierte Kamprad einmal über den beispiellosen Erfolg seines Unternehmens. Die Rückschläge die seine Firma erlitt, habe er aber stets als Chance zu nutzen gewusst. Etwa die Idee mit den Bausatzmöbeln: Weil der Transport sperriger Stücke schwierig und teuer war, legt man die Möbel kurzerhand zusammen und verstaute die Einzelteile in flachen Paketen.

Ein rundes halbes Jahrhundert später ist Kamprad Herr über 231 Möbelhäusern in 33 Ländern, fast 100.000 Beschäftigten, die einen Umsatz in Höhe von 14,8 Milliarden Euro machen. Über seine Gewinne braucht der Ikea-Chef keine Auskunft zu geben und tut es auch nicht. Mit 19 Prozent des Umsatzes ist Deutschland das mit Abstand wichtigste Land für den schwedischen Konzern.

Dass Kamprad zu Deutschland in den vierziger Jahren auch als aktiver Jung-Nazi ein besonderes Verhältnis hatte, kam erst Mitte der neunziger Jahre ans Licht. Kamprad nannte diese Zeit die "größte Dummheit" seines Lebens und schrieb eine mehrseitige handschriftliche Entschuldigung an alle Ikea-Beschäftigten.

Als ihn ein Reporter der Stockholmer Zeitung "Expressen" nach dem schwierigen Verhältnis zu seinen drei Söhnen sowie seiner Tochter fragte, brach Kamprad in Tränen aus: "Manchmal bin ich doch etwas verzweifelt darüber, wie die Kinder aufgewachsen sind." Diese Verzweiflung hinderte den Vater aber nicht, seinen Nachfahren immer wieder öffentlich die Fähigkeiten zur Übernahme der Konzernführung abzusprechen.

"Vermächtnis eines Möbelhändlers"

Für seine Angestellten hat der unscheinbare Milliardär, der seit Mitte der 70er Jahre steuersparend in der Schweiz lebt, das Geheimnis seines Erfolgs sogar schriftlich niedergelegt. In dem "Vermächtnis eines Möbelhändlers" mahnt er die Verkäufer zu Bescheidenheit, Sparsamkeit und dem unbedingten Willen zum Profit. Jedes Problem sei eine Chance, lehrt Kamprad, der von einem Bauernhof in Südschweden auszog, um die halbe Welt zu möblieren.

Als durchaus harter Hund erwies sich Kamprad unter anderem auch gegenüber Gewerkschaften und beim Einsatz billiger osteuropäischer Zulieferer schon Anfang der sechziger Jahre. Mehr Schlagzeilen aber machten Kamprads verblüffende und ehrlich wirkenden persönlichen Bekenntnisse, so zu seiner ausgeprägten Lese- und Schreibschwäche (Dyslexie) und zum ewigen Kampf gegen den Dämon Alkohol: "Ich mag Whisky und Wein sehr. Aber ich muss Pausen machen, sonst wird das ein Problem, und ich trinke einfach immer weiter." Zum 80. Geburtstag hat sich Kamprad alle Feiern und Glückwünsche verbeten.

AP/DPA / AP / DPA
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