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Berliner im Unruhestand: Immer mehr Rentner gehen arbeiten – aber nicht alle brauchen das Geld

Allein in Berlin arbeiten 60.000 Rentner auch im Ruhestand weiter – fünfmal so viele wie vor 20 Jahren. Den meisten geht es aber nicht ums Geld. Sie wollen weiter ihre Qualifikation und Erfahrung einbringen.

Rentner arbeitet

Ein Rentner arbeitet für ein paar Tage in der Woche weiterhin bei der Deutschen Bahn

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Das offizielle Renteneintrittsalter in Deutschland liegt bei 67 Jahren, manche Menschen treten auch schon früher in den Ruhestand ein. Doch viele von ihnen bleiben auch danach noch berufstätig oder suchen sich wieder eine Arbeit. Für Berlin hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag der "Berliner Morgenpost" berechnet, dass sich die Zahl der arbeitenden Rentner in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht habe. Gegenüber den Zahlen von vor zehn Jahren sind es nun mehr als doppelt so viele Rentner, die berufstätig sind.

In absoluten Zahlen bedeutet das, dass im vergangenen Jahr rund 60.000 Rentner in der Bundeshauptstadt einer Beschäftigung nachgingen. 25.000 von ihnen hatten einen Minijob, 22.000 waren selbstständig oder unterstützten Familienangehörige. 12.000 Personen widmeten sich sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten. Insgesamt beziehen in Berlin etwa 920.000 Menschen gesetzliche Renten.

Rentner arbeiten überwiegend aus eigenem Interesse weiter

Die Zahlen wirken auf den ersten Blick erschreckend, scheinen sie doch ein Symptom für die zunehmende Altersarmut in Deutschland zu sein. Auf den zweiten Blick lässt sich dieser Eindruck allerdings nicht aufrechterhalten, sagte Wirtschaftsforscher Karl Brenke vom DIW der "Morgenpost". Die meisten gingen aus eigenem Antrieb zur Arbeit: "Man will noch nicht zum alten Eisen gehören." Der Anteil der Rentner, die wegen Geldproblemen weiterhin arbeiten, betrage höchstens ein Drittel.

Die Gründe für die zunehmende Zahl der berufstätigen Rentner sehen die Experten auf beiden Seiten – sowohl bei den Unruheständlern als auch bei ihren Berufen. Der Bildungsgrad von Rentnern sei heute viel höher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Auf der anderen Seite erfordern viele Jobs mittlerweile Qualifikation und Erfahrung, die Rentner auch nach ihrem Eintritt in den offiziellen Ruhestand mitbringen können. Diese Jobs erfordern meist kaum körperliche Anstrengung und können somit auch von älteren Personen ausgeübt werden.

Der Trend, der sich über die vergangenen Jahrzehnte beobachten ließ, wird sich aller Voraussicht nach auch weiter fortsetzen: Der demografische Wandel macht sich auch in der Arbeitswelt bemerkbar.

epp