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Drastische Warnung: "Klauen des Todes" – In England wird das Wasser knapp

Der Brexit ist derzeit wohl das schlimmste Problem Großbritanniens. Doch das scheint marginal im Vergleich zu der Umweltkatastrophe, die dem Land droht. Geht es weiter wie jetzt, könnte Trinkwasser auf der Insel knapp werden.

Auch in Großbritannien werden die Sommer heißer. Im vergangenen Juli trocknete beispielsweise ein großer Teil des March Haigh Reservoir in West Yorkshire aus, das der Wasserversorgung der Bevölkerung dient.

Auch in Großbritannien werden die Sommer heißer. Im vergangenen Juli trocknete beispielsweise ein großer Teil des March Haigh Reservoir in West Yorkshire aus, das der Wasserversorgung der Bevölkerung dient.

DPA

Die Briten baden und duschen gern ausgiebig, haben in der Regel keine wassersparenden Klos und benutzen den Geschirrspüler auch, wenn der noch nicht ganz voll ist. Das ist auch kein Problem, sind die britischen Inseln doch vor allem für eines bekannt: ihr Regenwetter. Nachschub an Nass gibt es also genug. Wozu also Wasser sparen?

Dass es genug Wasser in Großbritannien gibt, könnte sich als gefährlicher Trugschluss herausstellen. Davor warnte jüngst in drastischen Worten der Chef der britischen Umweltbehörde, Sir James Bevan, während einer Konferenz, bei der es um die Wasserversorgung des Landes ging. Bevan war laut BBC Diplomat, bevor er 2015 die Leitung der Behörde übernahm.

Wasserverschwendung so schlimm wie rauchen

Allerdings drückte er sich bei seiner Warnung wenig diplomatisch aus. Im Zusammenhang mit der Trinkwasser-Knappheit, auf die England zusteuere, sprach er von den "Klauen des Todes". In diese würde das Land geraten, wenn Wasser so verschwendet werde wie heute und gleichzeitig die Bevölkerung wachse. In 20 bis 25 Jahren könnten die Briten an einem Punkt ankommen, an dem sie nicht genügend Wasser haben für den täglichen Bedarf. Es drohe eine existenzielle Krise.

Wasser zu verschwenden müsse daher sozial geächtet werden, forderte der Ex-Diplomat. Es müsse als genauso schlimm angesehen werden, wie wenn jemand Zigarettenrauch in das Gesicht eines Babys bläst. An Sicherheitsgurte und Nichtraucherzonen hätten sich die Briten auch gewöhnt. Nun müssten sie lernen, mit Wasser sorgsam umzugehen.

Wärmeres Klima und mehr Einwohner in Großbritannien

Denn es sei ein gefährlicher Mix, der sich da zusammenbraue: eine Kombination aus Klimaerwärmung und Bevölkerungswachstum. So könnten die Sommer bis 2040 deutlich heißer sein als jetzt – was 50 bis 80 Prozent weniger Wasser in den Flüssen in dieser Jahreszeit zu Folge haben könnte. Gleichzeitig wird, so die gängigen Prognosen, die Bevölkerung Großbritanniens um zehn Prozent in den nächsten drei Jahrzehnten wachsen.

Schon jetzt regnet es auf den britischen Inseln weniger, als man vermuten würde. Wer sich beispielsweise die Klimatabellen von London und Hamburg ansieht, der stellt fest: Im Juli regnet es in der britischen Hauptstadt im Schnitt nur etwa halb so viel wie in der norddeutschen Metropole. Das Vorurteil vom stets verregneten London stimmt also nicht.

Dennoch gehen die Briten nach Ansicht des Umweltbehörden-Chefs viel zu sorglos mit Wasser um. In England verbrauche jeder Bürger 140 Liter Wasser am Tag – es müssten aber 40 Liter weniger sein, um auf ein vernünftiges Maß zu kommen. Zum Verglich: Die Deutschen verbrauchen laut dem Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft, einem Lobbyverband der Branche, 123 Liter am Tag. Bevan rät den Briten zu Wasserspar-Klos, kurzen Duschen anstatt ausgedehnter Bäder und dem Verzicht auf das Bewässern des Rasens. Der werde auch so überleben, meint der Behördenchef.

Extrem viele undichte Wasserleitungen

Aber nicht nur die Bürger Großbritanniens verbrauchen vergleichsweise viel Wasser. Ein großes Problem dort sind zudem undichte Leitungen, wie es jüngst beispielsweise immer wieder Berichte aus den Midlands zeigten. Im Sommer warnte die Umweltbehörde, dass im Land täglich drei Milliarden Liter Wasser durch undichte Leitungen versickern. Allein mit dem Wasser, das ungenutzt in den Boden tröpfelt, könnte man laut Presseberichten 20 Millionen Briten versorgen.

Quellen: BBC, "Welt.de", Daten zum Wasserverbrauch in Deutschland

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