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Insolvente Drogeriekette Investoren und Mitarbeiter sollen Schlecker retten


Das Ringen um die Zukunft von Schlecker hat begonnen: Die Gewerkschaft bringt eine Beteiligung der Mitarbeiter ins Gespräch und fordert ein Eingreifen der Politik. Der Insolvenzverwalter will rasch Investoren für die Kette finden.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat zur Rettung der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker eine finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter ins Gespräch gebracht. Der Fachbereichsleiter Handel in Baden-Württemberg, Bernhard Franke, sagte, es müsse auch über ungewöhnliche Wege nachgedacht werden. Beispielsweise darüber, welchen Beitrag die Mitarbeiter leisten könnten. Es gehe um eine Umwandlung von tariflichen Ansprüchen in eine Kapitalbeteiligung.

Franke könnte sich eine Genossenschaft vorstellen, die sich bei einer neuen Schlecker-Gesellschaft engagieren könnte. Am Dienstag starten in Ehingen bei Ulm die Gespräche zwischen der Gewerkschaft und dem vorläufigen Insolvenzverwalter über die Pläne für den Personalabbau. Franke forderte erneut eine starke Unterstützung der Politik in dem Insolvenzfall. Der Fall habe eine "sozialpolitische Dimension" die es rechtfertige, dass der Staat unterstützend eingreife.

Kritik an der Untätigkeit der Politik

Schlecker-Gesamtbetriebsratschefin Christel Hoffmann ist sauer auf die Politik: "Ich fühle mich sehr alleingelassen." Sie habe keinen Anruf, keine E-Mail, gar keine Reaktion auf die harten Einschnitte bekommen, die Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Mittwoch verkündet hatte. Lediglich die Lokalpolitik habe sich gemeldet. "Es geht um die Schicksale von Tausenden Bundesbürgerinnen", sagte Hoffmann. Denen habe die Nachricht, "den Boden unter den Füßen weggezogen". Sie habe erwartet, dass sich beispielsweise Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dazu äußern würde.

"Wenn man sich Fälle wie Opel anschaut, da war das ganz anders", so Hoffmann. "Da bin ich jetzt mal ganz ketzerisch und sage: da ging es ja auch um Männer-Arbeitsplätze." Auch bei anderen staatlichen Rettungsmaßnahmen für die Wirtschaft sei es ganz anders zugegangen, erklärte sie. Nun müsse möglichst schnell eine Transfergesellschaft her, um den Schlecker-Mitarbeitern eine Perspektive zu ermöglichen.

Auch Verdi-Chef Frank Bsirske forderte ein Eingreifen der Politik. "Das ist ja eine Insolvenz in bisher nicht da gewesener Dimension", sagte Bsirske in der ARD. "Da muss etwas passieren." Von dem angekündigten Jobabbau seien vor allem Frauen im untersten Einkommensbereich betroffen. Für die Tausenden, betroffenen Mitarbeiter müsse dringend eine Transfergesellschaft geschaffen werden. "Wir brauchen hier auch Initiativen aus der Politik, um Zeit zu gewinnen", so Bsirske.

Schlecker soll ein neues Sortiment bekommen

Schlecker-Insolvenzverwalter Geiwitz hält eine Sanierung der Drogeriekette noch für möglich. Er will rund 12.000 Stellen streichen und knapp die Hälfte der deutschen Filialen schließen. Nun gilt es, Investoren zu finden. Es müsse zwar noch mit Arbeitnehmern, Vermietern und Lieferanten verhandelt werden. "Aber wir sind doch alle der Meinung, dass wir die Voraussetzungen geschaffen haben, dass Schlecker diese Zukunft hat", sagte Geiwitz im Morgenmagazin.

Geiwitz erklärte, die Auswahl der Läden, die geschlossen werden sollen, sei schwer gewesen. Auch "das Resultat von 12.000 Entlassungen ist bitter genug", betonte er. Doch könne kein Unternehmen dauerhaft mit Verlusten leben. Hinzu komme die bisher fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Schlecker brauche auch ein anderes Sortiment. "Das wird der Kunde merken, in den nächsten Wochen und Monaten", so Geiwitz.

Der zuständige Ulmer Amtsrichter Benjamin Webel sagte am Donnerstag, Geiwitz müsse ihm noch das Gutachten über Schlecker vorlegen. "Erst wenn das vorliegt, kann ich über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entscheiden." Dieses werde spätestens am 1. April eröffnet. Er habe einen Gläubigerbeirat berufen, der bereits in den vergangenen Wochen Geiwitz' Arbeit begleitet und kontrolliert habe. Im Beirat seien alle wichtigen Gläubiger vertreten.

pen/AFP/DPA DPA

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