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Interview

Iran: "Für den deutschen Mittelstand sind die neuen US-Sanktionen eine Katastrophe"

Die USA haben neue Sanktionen gegen den Iran angekündigt. Außenhandelskaufmann Patrick Flemming hat auf einer Geschäftsreise erste Eindrücke vom Iran und seiner Wirtschaft bekommen. Im Interview schildert er, was Iran-Sanktionen bedeuten.

Eine Bildkombo zeigt links eine Karte des Iran mit der Hauptstadt Teheran und rechts eine Ingenieur, der eine Maschine bedient

Unter den US-Sanktionen gegen den Iran wird auch der deutsche Mittelstand leiden

Sie waren im April 2017 im Rahmen einer Geschäftsreise zum ersten Mal im . Wie war Ihr Eindruck?

Patrick Flemming: Er war jedenfalls viel positiver als gedacht. Die Menschen waren viel offener, als ich erwartet hatte und relativ gut informiert über das, was in der Welt vor sich geht. Vor allem waren sie sehr interessiert. Teheran wirkte nicht wie die Hauptstadt eines Landes, das seit 20 Jahren wirtschaftlich isoliert ist. Insgesamt hatte ich das Land viel repressiver erwartet und hatte teilweise richtige Horrorvorstellungen, wie es dort zugehen könnte.

Und wirtschaftlich?

Das Land wirkte auf mich nicht so gebeutelt, wie ich es erwartet hatte. Von der Lockerung der war bei meiner Reise im April 2017 noch nicht viel zu spüren. Aber die einfachen Menschen wie etwa Taxifahrer waren grundsätzlich positiv gestimmt und der Meinung, dass das Land sich in die richtige Richtung bewegt. Nur angekommen war die wirtschaftliche Entwicklung bei ihnen noch nicht.

Welche Unterschiede gibt es zwischen der Wirtschaft des Iran und der arabischer Länder?

Im Vergleich zur arabischen Welt ist der Iran weniger auf Importe angewiesen - auch, weil sich durch die Sanktionen eine stärkere heimische Industrie entwickelt hat. Und viele Menschen im Iran sind gut ausgebildet. Aus Sicht eines deutschen Mittelständlers ist das ein Riesen-Land mit viel Potenzial. Gerade weil dort deutsche Ingenieurskunst und "Made in Germany" einen sehr guten Ruf genießen.

Wie bewerten Sie die angedrohten neuen Sanktionen der gegen den Iran?

Wirtschaftlich ist das eine Katastrophe für den deutschen . Selbst, wenn die EU sich für europäische Unternehmen einsetzt und deutsche Unternehmen nicht direkt betroffen sein sollten: Die USA können so viel Druck ausüben, dass sich ihnen kein Unternehmen und erst recht keine international agierende Bank widersetzen wird.

Sehen Sie eine Chance, dass deutsche Unternehmen trotzdem mit dem Iran Geschäfte machen?

Es gibt Mittel und Wege, über die Türkei oder Dubai Waren in den Iran zu bringen. Aber selbst, wenn man die US-Sanktionen so zu umgehen versucht: Das kann nicht kompensieren, was eigentlich an Handel mit dem Iran möglich wäre.

Interview: Thomas Krause