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US-Drohung: So hart treffen die neuen Iran-Sanktionen deutsche Firmen

Deutsche Unternehmen haben seit der Lockerung der Sanktionen immer bessere Geschäfte mit dem Iran gemacht. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen drohen auch deutschen Unternehmen schwere Folgen.

Deutsche Unternehmen wie Siemens bekommen die neuen Sanktionen von US-Präsident Donald Trump (r.) gegen den Iran unter Ajatollah Ali Chamenei (l.) zu spüren

Deutsche Unternehmen wie Siemens bekommen die neuen Sanktionen von US-Präsident Donald Trump (r.) gegen den Iran unter Ajatollah Ali Chamenei (l.) zu spüren

Gerade einmal auf Platz 50 rangiert der Iran auf der Rangliste der deutschen Handelspartner 2017. Deutsche Unternehmen haben in dem Jahr Waren für nicht einmal drei Milliarden Euro in den Iran exportiert. Dem gegenüber stehen Waren im Wert von mehr als 111 Milliarden Euro, die deutsche Firmen in die USA exportiert haben. Wohl auch deswegen sagt CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen: "Und am Ende ist es auch eine Unternehmensentscheidung. Wenn sich europäische Firmen zwischen dem amerikanischen und dem iranischen Markt entscheiden müssen, wird den meisten der US-Markt wichtiger sein."

Was Deutschland in den Iran exportiert

Laut Bundeswirtschaftsministerium sind Maschinen, Lebensmittel und pharmazeutische Produkte die wichtigsten deutschen Exportgüter in den Iran. "Deutschland ist weiterhin einer der wichtigsten europäischen Handelspartner Irans", heißt es auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums. Wegen der Sanktionen war der Handel zwischen dem Iran und Deutschland jahrelang rückläufig: Von 4,7 Milliarden Euro im Jahr 2010 ist der Umsatz deutscher Firmen mit dem Iran auf 2,1 Milliarden im Jahr 2013 gesunken.

Erst mit der Lockerung der Sanktionen im Zuge des Atomabkommens ist das Handelsvolumen zwischen Deutschland und dem Iran ab 2015 wieder gewachsen. Trotzdem macht der Export in den Iran bislang nur 0,2 Prozent der deutschen Exporte aus - allerdings mit deutlichem Aufwärtstrend. Doch der dürfte wegen der US-Drohungen nicht anhalten. "Die Aussichten sind nun eindeutig getrübt", sagte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), der FAZ.

Diese deutschen Unternehmen sind im Iran aktiv

"Im Iran sind Firmen aus der deutschen Top-Riege tätig, aber auch aus dem Mittelstand", sagt der Iran-Experte der Unternehmensberatung KPMG, Kaveh Taghizadeh. Beispiele sind Siemens, Daimler, Henkel und Bosch. Das erhoffte große Geschäft haben sie laut Taghizadeh bislang aber nicht gemacht: "Die Multi-Milliarden-Deals, die zur Aufhebung der Sanktionen 2016 in Aussicht gestellt wurden, sind nicht zustande gekommen."

Das brauche aber auch Zeit: "Die deutschen Firmen haben in den letzten Jahren viel Arbeit investiert, um im Iran Kontakte aufzubauen." Bereits vor der Ankündigung des US-Präsidenten sei die Finanzierung von Iran-Geschäften problematisch gewesen, da sich große Banken zurückhielten. "Nun könnten sich Finanzierungen noch schwieriger gestalten", sagt Taghizadeh.

Wie sich deutsche Firmen verhalten sollten

"Bei uns laufen gerade die Telefone heiß", sagt Shaghayegh Smousavi, Leiterin des Iran-Büros der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS. "Wir raten unseren Klienten, jetzt nicht in Hektik zu verfallen." Sie müssten ihre Aktivitäten im Iran sachlich analysieren. Noch sei die konkrete Umsetzung der US-Sanktionen nicht bekannt.

Robert Espey von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, German Trade & Invest (GTAI), berichtet aus dem Iran, dass die Firmen überrascht von Trumps Radikalität seien und Ratlosigkeit herrsche. Die Unternehmen befänden sich in der Zwickmühle, dass sie einerseits ihre iranischen Partner nicht verprellen wollen, andererseits durch die harsche Position der USA aber faktisch gezwungen seien, sich vom iranischen Markt zurückzuziehen.

Mit den US-Sanktionen dürfte also der Aufschwung im Handel zwischen Deutschland und dem Iran ein jähes Ende finden.

Donald Trump
tkr mit Agenturen