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Iran: Deutsche Firma verbietet Mitarbeitern Demos

Die im Iran tätige Knauf Gips KG hat ihren Angestellten mit Kündigung gedroht, falls diese sich an regierungskritischen Protesten beteiligen. Das persische Regime habe die bayrische Firma zu diesem Schritt gezwungen. Im Gegenzug wurde ein bei einer Demonstration festgenommener Mitarbeiter freigelassen. Die Bundesregierung kritisierte das Vorgehen.

Der Baustoffkonzern Knauf ist mit einem Demonstrationsverbot für seine Mitarbeiter im Iran auf Kritik bei der Bundesregierung und in der Wirtschaft gestoßen. Die Unternehmensgruppe bestätigte am Freitag, dass die Geschäftsführung im Iran die Mitarbeiter vorige Woche in einem Brief vor einer Teilnahme an Demonstrationen gegen die Regierung in Teheran gewarnt und mit sofortigen Entlassungen gedroht habe.

Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, hatte die iranische Regierung den bayerischen Baustoffkonzern zu dem Schritt gedrängt, nachdem vor zwei Wochen ein ranghoher deutsch-iranischer Knauf-Mitarbeiter bei Demonstrationen festgenommen wurde. Demnach wurde ein solches Vorgehen zur Bedingung für die Freilassung des Mannes gemacht.

Mitarbeiter nach Rundbrief freigelassen

Die Zeitung zitierte aus einem Schreiben an die mehreren hundert Knauf-Mitarbeiter im Iran, das am 21. Juli vertraulich verbreitet worden sei. Demnach heißt es darin, wer von den Knauf-Mitarbeitern im Iran künftig bei Protesten gegen die Regierung gesehen werde, werde umgehend entlassen. Alle Angestellten sollten daran denken, dass sie bei ihrer politischen Betätigung nicht nur ihre privaten Ansichten zeigten. Ihr Handeln könne auch negativ auf die Knauf-Niederlassungen im Iran zurückfallen.

Laut "Wall Street Journal" wurde der festgenommene Mitarbeiter freigelassen, nachdem Knauf sich zu dem Schreiben bereit erklärt hatte. Isabel Knauf, ein Mitglied der Gründerfamilie des Konzerns, die den Brief an die Mitarbeiter im Iran unterschrieben hatte, wollte ihrerseits nicht genauer Stellung nehmen. Sie sagte der Zeitung nur, die Lage sei "sehr kompliziert".

Knauf bemüht sich um Schadensbegrenzung

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, es habe keine eigenen Erkenntnisse über den Fall. Falls Berichte über solche Einschränkung des Demonstrationsrechts durch deutsche Firmen zuträfen, werde dies sehr kritisch gesehen. "Wir würden das nicht begrüßen und nicht gutheißen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Wirtschaftsverbände äußerten sich ebenfalls irritiert. Kanzlerin Angela Merkel hatte in den vergangenen Wochen das Vorgehen der iranischen Regierung gegen die Demonstrationen seit der Präsidentenwahl im Juni mehrfach öffentlich verurteilt.

Die im bayerischen Iphofen ansässige Knauf Gips KG bemühte sich um Schadensbegrenzung. Das Unternehmen, das zu den weltweit führenden Baustoffherstellern gehört, wolle politische Zurückhaltung in anderen Ländern üben. "Wir wollen nicht, dass unser Name verbunden wird mit Demonstrationen, und dass jemand als Knauf-Geschäftsführer auftritt", erklärte zunächst Jörg Schanow, Leiter der Rechts- und Personalabteilung, gegenüber Reuters. Es gehe aber nicht um die Einschränkung des persönlichen Demonstrationsrechts. In einer schriftlichen Mitteilung kündigte der geschäftsführende Gesellschafter Manfred Grundke eine Korrektur des "unglücklich formulierten" Schreibens an.

AFP/Reuters / Reuters