HOME

Irischer Billigflieger: Ryanair nimmt Lufthansa ins Visier

Große Töne, schlechtes Ergebnis: Die Billigfluglinie Ryanair hat zum ersten Mal rote Zahlen gemeldet. Doch das hält Konzernchef Michael O'Leary nicht davon ab, vollmundige Ankündigungen zu machen. Er redet davon, Branchenprimus Lufthansa übernehmen zu wollen.

Europas größter Billigflieger Ryanair hat erstmals ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen. In dem Ende März abgeschlossenen Finanzjahr 2008/2009 wies das irische Unternehmen ein Minus von 169 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor konnte Ryanair noch einen Gewinn von 391 Millionen Euro erzielen. Die Fluggesellschaft führte die Entwicklung auf Abschreibungen bei seiner 30-prozentigen Beteiligung an der irischen Gesellschaft Aer Lingus zurück.

Ryanair hat zwei Mal vergeblich versucht, die ehemals staatliche Gesellschaft mit dem Kleeblatt vollständig zu übernehmen. Weil der Aktienkurs von Aer Lingus seit der Privatisierung von 2006 um 70 Prozent gefallen ist, musste Ryanair den Wert der Beteiligung immer niedriger ansetzen. Das Ausmaß der Abschreibung bei Aer Lingus wurde mit 222,5 Millionen Euro beziffert. Hinzu kommen Wertverluste bei verkauften Flugzeugen. Ohne diese Sonderposten brach der Nettogewinn um fast 80 Prozent ein, blieb aber mit 105 Millionen Euro deutlich über den Markterwartungen. Die Experten hatten im Schnitt mit 35,7 Millionen Euro gerechnet. Die Zahl der Passagiere stieg um 15 Prozent auf 58,5 Millionen.

O'Leary mit Expansionsgelüsten

Für das im April begonnene Geschäftsjahr 2009/10 rechnet Ryanair mit einer Erholung. Konzernchef O'Leary sieht gerade in der Krise Potenzial für seinen auf Billigangebote spezialisierten Konzern. "In diesem Rezessionsumfeld wollen wir den europäischen Kunden bessere Angebote machen, genau wie Aldi, Lidl, Ikea und McDonald's", sagte O'Leary am Dienstag. Das Unternehmen wolle seine Preise weiter senken, um die Flugzeuge besser auszulasten und Wettbewerbern Marktanteile abzunehmen, sagte O'Leary. Es werde ein Nettogewinn von 200 bis 300 Millionen Euro angepeilt. Die Anleger reagierten enttäuscht: Ryanair-Aktien gaben sechs Prozent nach und lagen später noch 0,8 Prozent im Minus.

Ryanair-Chef O'Leary nimmt nun die Deutsche Lufthansa ins Visier. "Wir sehen uns Lufthansa ernsthaft an", sagte der Konzernchef. "Wir könnten sie fast mit Barmitteln kaufen." Ein Gebot für Lufthansa sei zwar in absehbarer Zeit nicht geplant, sagte O'Leary weiter. Lufthansa sei aber die einzige große Fluggesellschaft in Europa, für die sich Ryanair interessiere.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters