VG-Wort Pixel

Italienischer Hersteller Erreà Der Hype um das ausverkaufte Island-Trikot

Kennen Sie den Trikothersteller Erreà? Nicht? Wenig überraschend, denn die italienische Firma war bislang unbekannt. Doch mit dem Deal, das Trikot der Isländer herzustellen, erlebt der Familienbetrieb einen Höhenflug. Und stößt an seine Grenzen.

Als Griechenland 2004 bei der Fußball-Europameisterschaft überraschend den Titel holte, gab es einen Run auf die Nationaltrikots. Für den Ausrüster Adidas kam das so unerwartet, dass die Nachfrage nicht bedient werden konnte. Statt originaler Trikots druckte der Hersteller aus Herzogenaurach einfach T-Shirts nach. Verkauften sich auch, die Kassen klingelten.

Dass überhaupt so schnell Bekleidung für die vielen neuen Griechenland-Fans auf den Markt gebracht werden konnte, lag auch an Adidas' Marktmacht und Größe. Was passiert, wenn ein kleiner Familienbetrieb zum Hersteller des nachgefragtesten EM-Trikots wird, erlebt gerade die italienische Firma Erreà. Das 600-Mann-Unternehmen rüstete bislang nur Amateurvereine und sehr wenige Erstligisten mit Trikots aus.

Das Geschäft bringt einen Jahresumsatz von gerade einmal 60 Millionen Euro ein. Zum Vergleich: Adidas wird voraussichtlich 2016 allein mit Fußballprodukten wie Schuhen und Trikots einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden erzielen. Erreà ist ein Kleinstanbieter auf dem Markt für Sportbekleidung neben den beiden Großen der Branche, Adidas und Nike. Und dennoch erlebt ausgerechnet das Unternehmen, das in der Nähe von Parma den Firmensitz hat, derzeit einen Run - denn die Italiener stellen das Island-Trikot her.

Stern Logo

Island-Trikot ausverkauft

Die Isländer sind nicht nur eine Sensation bei der aktuellen EM in Frankreich, sondern auch Publikumsliebling. Die Nachfrage nach Trikots der Mannschaft ist enorm - doch der Markt ist leer gefegt. "Nach unserer Schätzung wurden nicht mehr als 20.000 überhaupt produziert", sagt Sportmarketing-Berater Peter Rohlmann dem "Manager Magazin". Die reichten gerade einmal, um die Island-Fans in den Stadien und auf dem winzig kleinen Heimatmarkt zu versorgen.

Dass nun auch Fans aus anderen europäischen Ländern gerne ein Island-Trikot hätten, setzt Erreà unter Druck. "In der Stückzahl nachzuliefern ist quasi unmöglich, selbst wenn sie in Tag- und Nachtschicht produzieren", sagt Rohlmann dem "Manager Magazin". Erreà lässt anders als Nike, Adidas und Co. nicht alles in Billiglohnländern produzieren, sondern konzipiert und produziert die Bekleidung vor Ort. 

Erreà seit 2002 Ausrüster von Island

Seit 14 Jahren stellt Erreà Sportbekleidung für die Isländer her. Für Nike und Adidas war das kleine Land bislang als Markt nicht interessant genug: Nur 330.000 Einwohner, keine sportlichen Erfolge - das war zu wenig für die großen Hersteller. "Für diese Marken ist eine Mannschaft nur interessant, wenn sie langfristig internationale Strahlkraft besitzt", sagt der Münchner Sportmarketingexperte Peter Ehm der "Süddeutschen Zeitung".

Doch für andere kleinere Ausstatter hätte ein Deal mit der isländischen Nationalmannschaft passen können. "Für Under Armour wäre Island perfekt gewesen", sagt Marketingmann Ehm der "Süddeutschen Zeitung". "Das Team steht für ein sympathisches Underdog-Image, für Authentizität, Siegeswillen und Bodenständigkeit." Der Ausrüster, der sich erst seit Kurzem abseits des heimischen US-Markts positionieren will, hätte mit Island einen guten Fang gemacht.

Hier gibt es noch Island-Trikots

Für Fans der isländischen Mannschaft ist die Trikot-Flaute ärgerlich. Ob bei Ebay oder in Online-Shops - überall ist das Trikot vergriffen. Wann die nachproduzierte Charge ausgeliefert wird, ist noch nicht absehbar. Wer es nicht abwarten kann, könnte im Ausland noch Glück haben. So verkauft Amazon in Großbritannien das Heimtrikot der Isländer. Auch ein Schweizer Online-Shop und der Fußball-Shop Geomix haben noch Trikots im Angebot.  


Mehr zum Thema



Newsticker