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ITALIEN: Die Fiat-Krise und Ferrari

Der italienische Automobil-Riese Fiat steckt in der schwersten Krise seiner über hunderjährigen Geschichte. Jetzt wird auch um die Zukunft der roten Flitzer von Maranello gebangt.

Ängstlich fragen sich die Italiener seit Monaten, ob sie bald ihren berühmtesten Industrie-Zweig an die Amerikaner verlieren werden und »Punto«, »Stilo« und Co. zukünftig vom US-Giganten General Motors produziert werden. Schließlich hat Fiat ab 2004 die Möglichkeit, seine Autosparte komplett an GM zu verkaufen, falls das Unternehmen bis dahin nicht wieder auf Kurs ist. Viele befürchten jedoch, dass es noch schlimmer kommen könnte. Ist es denkbar, dass demnächst auch die heiß geliebten roten Ferrari-Flitzer, die seit 35 Jahren zu Fiat gehören, unter amerikanischer Flagge an den Start gehen?

Fiat-Gruppe steht besser da

Diese Frage bewegt zweifellos auch unzählige deutsche Ferrari-Fans, die seit Jahren gebannt die Erfolge Michael Schumachers und seiner Crew aus Maranello verfolgen. »Nein, nein, Ferrari wird nicht verkauft!«, versichert eine Sprecherin des Fiat-Pressebüros. Und dies aus zweierlei guten Gründen: Zum einen gehört Ferrari nicht zur krisengeschüttelten Fiat-Autosparte, sondern zur Gruppe Fiat. Und der geht es mit ihren verschiedenen Zweigen wie Industriefahrzeuge, Versicherungen oder Flugzeugtechnik finanziell gar nicht so schlecht.

Ferrari schreibt schwarze Zahlen

Zum anderen schreibt Ferrari weiterhin schwarze Zahlen und ist von der Krise auf dem Auto-Markt verschont geblieben. »Es wird auch in schlechten Zeiten immer noch 2000 Menschen pro Jahr geben, die sich einen Ferrari leisten können und wollen«, hat Enzo Ferrari schon vor vielen Jahren prophezeit. Er hatte den Rennstall 1929 als 31-Jähriger gegründet.

Steigender Umsatz

So legte Ferrari bei den kürzlich vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal eine durchaus positive Bilanz vor: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 244 auf 281 Millionen Euro. Auch der operative Gewinn verzeichnete ein Plus und vergrößerte sich von 20 auf 22 Millionen Euro. Sicher, das sind kleine Fische angesichts einer Netto-Verschuldung des Fiat-Konzerns von 5,8 Milliarden Euro. »Aber wir sind trotzdem sehr froh, dass es Ferrari so gut geht«, lächelt eine Sprecherin der Gruppe.

Unabhängigkeit ist Ferrari wichtig

Fiat-Chef Gianni Agnelli hatte 1967 zunächst 50 Prozent von Ferrari gekauft. In dem Vertrag wurde vereinbart, dass nach dem Tod von Enzo Ferrari (1988) weitere 40 Prozent in den Besitz von Fiat übergehen sollten. Bis heute hält die Ferrari-Familie selbst noch 10 Prozent an der legendären Rennwagen-Firma mit dem weltberühmten Pferdchen-Logo. 1991 übernahm Luca di Montezemolo das Amt des Ferrari-Präsidenten. Sein Motto lautet seit jeher: »Ich will Ferrari unabhängig von Fiat dirigieren und in der Gewinnzone halten.«

Börsengang verschoben

Ausgerechnet im erfolgreichsten Renn-Jahr der Geschichte Ferraris musste sich Fiat im Sommer 2002 von 34 Prozent seiner Beteiligung trennen. Für mehr als 775 Millionen Euro wurde die Quote an die Mailänder Mediobanca verkauft, um mit dem Erlös einen Teil des Schuldenbergs abzubauen. Der im Frühjahr angekündigte Börsengang Ferraris wurde hingegen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Für Nationalstolz unerläßlich

Die Italiener verfolgen trotz allem gebannt, wie sich das Drama um Fiat weiter entwickelt und ob Ferrari stark genug ist, sich nicht vom Schulden-Sog mitreißen zu lassen. Die roten Flitzer zu verlieren, das wäre für das Formel-1-vernarrte Volk eine »catastrofe«. Und auch wenn sich nur eine winzige Minderheit im Land einen Ferrari für den Hausgebrauch leisten kann, so sind die schnittigen Sportwagen doch der Lebenstraum der meisten Italiener. Da wirken die Worte von Luca di Montezemolo beruhigend auf Millionen von besorgten Gemütern: »Ferrari wird immer Ferrari sein.«