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Italiens Zentralbank: Hängepartie in Rom

Italien ist politische Skandale, Korruption und Querelen gewöhnt - zumeist in Parteien und Regierung. Doch die Banca d'Italia, die nationale Zentralbank, galt als Hort des Korrekten und Seriösen. Jetzt wird deren Chef zum Problemfall.

Das tumultöse Zustände gewohnte Italien wird gerade vom Fall des Notenbankchefs Antonio Fazío erschüttert. Seit Wochen schwelt die Krise, fordern Männer aus dem Regierungs- wie auch Oppositionslager den Rücktritt des Bankers - vergeblich. Jetzt droht die Krise Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Mitleidenschaft zu ziehen - der ansonsten so dynamische Regierungschef erscheint seltsam handlungsunfähig. Abgründe taten sich auf: Fazio war ins Visier der Ermittler geraten, nachdem mitgeschnittene Telefonate den Schluss zuließen, dass er bei Übernahmekämpfen um italienische Banken inländische Mitbieter bevorzugt und ausländische Konkurrenten behindert haben könnte.

Angezapfte Telefone

Allein auf die Tatsache, dass Fazios Telefon angezapfte wurde, reagierten Finanzkreise und Politiker sichtlich verschnupft. Insbesondere der italienischen Banca Popolare Italiana soll Fazio im Ringen um die Banca Antonveneta unter die Arme gegriffen, der lästigen niederländischen Konkurrenz der Bank ABN Amro zum Rückzug bewegt haben, hieß es. Fazio, der auf Lebenszeit bestellt ist, streitet das ab. Am Sonntag hieß es, er wolle eine Dokumentation zu seiner Entlastung zusammenstellen.

"Die italienische Regierung hat keine Macht in dieser Angelegenheit", zitieren italienische Medien Berlusconi. Solche Sätze hat man von dem seit 2001 regierenden TV-Unternehmer bisher noch nie gehört. Hilfe suchend richtet Berlusconi den Blick nach Frankfurt: "Nur die EZB (Europäische Zentralbank) kann eingreifen." Der Fall Fazio droht zur Hängepartie zu werden, schon sprechen Kommentatoren von einem "politischen Vakuum" in Rom - und das nur wenige Monate vor den Parlamentswahlen.

Demnächst Amtzeit auf sieben Jahre begrenzt

"Der Zentralbank-Gouverneur tritt nicht zurück, der Regierungschef ist auf der Flucht, die Glaubwürdigkeit des einen wie des anderen ist unter Null gefallen - schlimmer konnte es nicht kommen", kommentiert die römische Zeitung "La Repubblica" am Sonntag. Tatsächlich geht die Furcht um, dass einer der bisher untadeligsten italienischen Institutionen durch den eigenen Chef beschädigt wird - ganz gleich, wie der Streit letztlich ausgehen sollte.

Um den schwierigen Zentral-Banker zum Rückzug zu bewegen, hat die Regierung jetzt ein neues Gesetz auf den Weg gebracht: Demnach sollen die Zentralbanker nur noch sieben Jahre im Amt bleiben - doch das soll erst für Fazios Nachfolger gelten.

Kaum Hoffnung auf Hilfe aus Frankfurt

Berlusconis Hoffnung auf Hilfe aus Frankfurt ist auch eher vage. EZB-Chef Jean Claude Trichet habe bisher abgewinkt. "Vor uns haben hier andere Institutionen Verantwortung"", ließ er sich beim informellen EU-Finanzministertreffen in Manchester vernehmen. Im Klartext: Rom muss mit dem Problem schon selbst fertig werden. Doch die Koalition Berlusconi ist seltsam blockiert: Die protektionistisch und anti-EU orientierte Liga Nord des Populisten Umberto Bossi gilt als stärkster Rückhalt Fazios. Und die Liga hat Berlusconi schon einmal aus dem Amt des Ministerpräsidenten gekippt. Längst ist in Italien der Wahlkampf ausgesprochen, die Liga Nord muss sich profilieren - und die Umfragen stehen schlecht für Berlusconi. Kommentoren in Rom meinen, Fazios Chancen, im Amt zu bleiben, könnten dadurch nur steigen.

Peer Meinert/DPA / DPA