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IWF-Chefin kritisiert Steuermoral: Griechen empören sich über Lagarde

Dass die Steuermoral bei Teilen der Bevölkerung fragwürdig ist, wollen die Griechen gar nicht bestreiten. Über die klaren Worte von IWF-Chefin Christine Lagarde regt man sich in Athen dennoch auf.

Nach Äußerungen zur Steuermoral der griechischen Bevölkerung sieht sich die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, massiver Kritik aus Athen ausgesetzt. Lagarde habe "die Griechen beleidigt", sagte etwa der Vorsitzende der Sozialisten, Evangelos Venizelos, laut einem Fernsehbericht am Samstagabend. Lagarde hatte die Griechen zuvor in einem Interview aufgefordert, ihrer Steuerpflicht nachzukommen.

"Ich fordere sie auf, zu überprüfen und zu überdenken, was sie sagen wollte", verlangte Venizelos von Lagarde. Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, erklärte, seine Landsleute aus der Mittelschicht zahlten bereits "unerträgliche" Steuern. "Das Letzte, was wir brauchen, ist ihr Mitgefühl", ließ er Lagarde wissen. Bezüglich Steuerbetrügern solle sie sich an Sozialisten und Konservative wenden, deren bisherige Regierung "das große Geld" verschont habe.

Lagarde hatte die Bürger im hoch verschuldeten Griechenland in der britischen Tageszeitung "The Guardian" zur Steuerehrlichkeit aufgefordert, um das Land aus der Krise zu führen. Am späten Samstag erklärte Lagarde den Griechen dann zwar ihr Mitgefühl angesichts der einschneidenden Sparmaßnahmen. Zugleich verwies sie aber auf die Notwendigkeit einer gerechten Lastenverteilung in der Krise. Eine Sprecherin der französischen Regierung nannte die Äußerungen "eher schlicht".

Schweiz bereitet sich auf Eurozonen-Austritt vor

Die griechische Wirtschaft befindet sich das fünfte Jahr in Folge in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der Europäischen Union und des IWF hatte sich die Anfang Mai abgewählte griechische Regierung aus Sozialisten und Konservativen zu einem drastischen Sparprogramm verpflichtet. Nach der Wahl, bei der sparkursfeindliche Parteien großen Zuspruch erfuhren, kam keine neue Regierung zustande, weshalb am 17. Juni erneut gewählt werden soll.

Hinsichtlich eines möglichen Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone sagte der schweizerische Notenbankchef Thomas Jordan der "Sonntagszeitung", sein Land müsse "für den Fall der Fälle vorbereitet sein, dass die Währungsunion zusammenbricht, obwohl ich nicht damit rechne". Martin Zielke, Mitglied im Vorstand der Commerzbank, sagte dem Berliner "Tagesspiegel", es sei "schlicht ein Gebot der Verantwortung, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten".

swd/AFP / AFP