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Alibaba-Gründer Wo steckt Jack Ma? Wie China den reichsten Mann des Landes kalt stellt

Jack Ma
Noch im September feierte Jack Ma in Rockstar-Pose das 20-jährige Jubiläum seines Onlineimperiums Alibaba
© STR / AFP
Jack Ma hat das Amazon Chinas gegründet und den Status eines Popstars erlangt. Doch vor zwei Monaten ließ die Regierung seinen Mega-Börsengang platzen. Seitdem ist der Milliardär wie vom Erdboden verschluckt.

Im Sommer kam es im US-Repräsentantenhaus zu einer bemerkenswerten Anhörung. Amazon-Macher Jeff Bezos, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Google-CEO Sundar Pichai und Apple-Chef Tim Cook mussten sich allesamt unangenehmen Fragen zur Marktmacht ihrer Konzerne stellen. Gegen Google und Facebook laufen mittlerweile kartellrechtliche Verfahren, sogar die Zerschlagung steht im Raum.

All das ist aber noch harmlos gegen die Eskalation des Konflikts Staat gegen "Big Tech", die sich derzeit in China abspielt. Im Zentrum der chinesischen Variante steht Jack Ma, Gründer des Onlinekaufhauses Alibaba und reichster Mann des Landes. Der Selfmade-Milliardär ist sowas wie der Jeff Bezos Chinas, nur extrovertierter, populärer und präsenter in der Bevölkerung. Ma dient nicht nur Millionen Chinesen als Role Model für unternehmerischen Erfolg. Er trat auch schon als Kung-Fu-Meister in einem starbesetzten Kinofilm auf. Er sang mit chinesischen Pop-Größen und malte gemeinsam mit Star-Künstler Zeng Fanzhi ein Bild, das bei Sotheby's für 5,4 Millionen Dollar versteigert wurde. 

Von der Regierung ruhig gestellt?

Doch nun, so scheint es, hat die chinesische Regierung ihren größten Business-Volkshelden fallen gelassen. Seit zwei Monaten hat sich der sonst omnipräsente Ma nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Auf seinem Twitter-Kanal hat er sich zuletzt im Oktober geäußert. Für Verwunderung sorgte auch, dass Ma – anders als angekündigt – nicht im Finale seiner eigenen TV-Gründershow "Africa's Business Heroes" auftrat. Zunächst ohne Begründung. Auf Nachfrage der "Financial Times" und von "Reuters" nannte Alibaba lediglich vage Terminprobleme. Die Spekulationen über sein Verschwinden beendete das nicht: Vermutet wird, dass er von der eigenen Regierung ruhig gestellt wurde.

Dabei stand der 56-Jährige noch Anfang November kurz vor seinem nächsten großen Coup. Der Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant, zu der auch der Dienst Alipay gehört, sollte mit einem Volumen von 37 Milliarden Dollar der größte der Geschichte werden. Doch zwei Tage vor dem angesetzten Termin sagten die Behörden das Mega-Ereignis plötzlich ab. Offiziell aus aufsichtsrechtlichen Gründen. Doch Beobachter vermuten, dass die rote Karte aus Peking auch mit kritischen Äußerungen über die politische Führung und die Regulierungsbehörden zusammenhängt, die Ma kurz zuvor getätigt hatte. Bei einer Rede in Shanghai Ende Oktober hatte er sich über regulatorische Hindernisse ausgelassen, danach wurde er nicht mehr gesehen. 

Alibaba-Imperium unter Druck

Laut "Wall Street Journal" soll Chinas Präsident Xi Jinping höchstpersönlich entschieden haben, den Börsengang von Ant zu stoppen. Doch damit nicht genug: Mittlerweile ist das gesamte Alibaba-Imperium ins Visier der Regierung geraten. Die chinesischen Wettbewerbshüter ermitteln wegen des Missbrauchs einer Monopolstellung und fordern einen grundsätzlichen Umbau des Konzerns, sowie mehr Regulierung. Der Kurs der Alibaba-Aktie ist abgestürzt.

Die "New York Times" sieht in dem harten Vorgehen gegen Ma nicht nur einen staatlichen Rachefeldzug gegen einen Kritiker, sondern auch den Ausdruck eines sich verändernden gesellschaftlichen Klimas. Während wirtschaftlicher Erfolg wie der von Ma in dem aufstrebenden Land lange unkritisch gefeiert worden sei, gebe es in China ein zunehmendes Unbehagen über das Auseinanderdriften von Arm und Reich.

Laut dem renommierten Hurun-Report stieg die Zahl der Milliardäre in China trotz Corona-Krise im vergangenen Jahr um 257 auf den Rekordwert von 878 Superreichen. Das Vermögen von Jack Ma wuchs laut dem Report um 45 Prozent auf 58,8 Milliarden US-Dollar. Das war im Oktober, kurz vor dem abgesagten Börsengang.


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