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Apple-Chef Tim Cook über Fernseher: Wird Apple als Nächstes den Fernseher neu erfinden?

Nach dem Start des iPhone 6 und iPad Air 2 plauderte Apple-Chef Tim Cook auf einer Konferenz über Apple Pay, den plötzlichen Tod des iPod Classic - und nahm erneut den Wohnzimmer-TV ins Visier.

Von Christoph Fröhlich

Tim Cook plauderte auf der WSJD-Konferenz über Apples Zukunftspläne.

Tim Cook plauderte auf der WSJD-Konferenz über Apples Zukunftspläne.

Es waren zwei turbulente Monate für Apple: Neben dem Rekordverkauf des iPhone 6 und der Vorstellung der neuen iPads sorgte der Konzern aus Cupertino auch mit Pannen-Updates und dem umstrittenen Start des U2-Albums auf iTunes für Schlagzeilen.

Nun äußerte sich Apple-Chef Tim Cook auf der "Wall Street Journal"-Konferenz zu den Zukunftsplänen des Unternehmens, dem Start des Bezahldiensts Apple Pay und dem plötzlichen Aus des iPod Classic. Wir fassen einige der wichtigsten Punkte des Interviews zusammen.

Apple Watch muss täglich an die Steckdose

Im Rahmen der iPhone-6-Keynote Anfang September enthüllte Tim Cook sein erstes "one more thing" - die Apple Watch. Doch nach der Präsentation gab es viele offene Fragen, etwa zur technischen Ausstattung oder zur Akkulaufzeit der schlauen Uhr. Letzteres beantwortete Tim Cook im Rahmen des Interviews: "Wir denken, dass sie täglich aufgeladen werden muss. Über Nacht." Die Apple Watch muss also - wie die meisten Konkurrenz-Modelle - jeden Tag an die Steckdose. Das liege nicht nur am Akku - zu dessen Kapazität sich Cook nicht weiter äußerte -, sondern auch daran, dass die Menschen sie "so viel benutzen" werden. Mehr Details gibt es vermutlich erst kurz vor dem Marktstart im Frühjahr 2015.

Darum wurde der iPod Classic eingestellt

Der iPod Classic wäre vor wenigen Tagen 13 Jahre alt geworden, hätte Apple nicht vergangenen Monat die Produktion eingestellt. Den Grund dafür lieferte Cook nun: Apple hätte den MP3-Player gerne weiter produziert, allerdings sei es unmöglich geworden, einzelne Bauteile aufzutreiben. Die Entwicklung einer völlig neuen Version wäre aufgrund der aktuellen Verkaufszahlen allerdings nicht wirtschaftlich gewesen, weshalb Cook kurzerhand den Stecker gezogen hat. Das Modell mit 160 Gigabyte Speicherplatz war bis zuletzt bei einigen Musikfans mit besonders großen Kollektionen beliebt.

Warten auf den Apple TV

Auf die Multimedia-Box Apple TV angesprochen, blieb Cook gewohnt vage: Das Fernsehen in seiner jetzigen Form sei völlig veraltet, "in diesem Bereich gibt es eine Menge zu tun." Was genau Apple vorhabe, um das zu ändern, wollte Cook nicht sagen. Erst im September äußerte sich Cook in einem Interview mit dem US-Talker Charlie Rose ähnlich: "Ich wähle meine Worte vorsichtig, aber der TV ist eines der Dinge, die, sind wir ehrlich, in den 70ern steckengeblieben sind." Deshalb sei der Fernseher einer der Bereiche, "der mit großem Interesse weiterverfolgt werde." Eine neue Version der Set-Top-Box wird für 2015 erwartet. Auch an der Software von Fernsehern ließ der Apple-Chef kein gutes Haar: "Das Interface ist fürchterlich, ich meine, es ist wirklich schrecklich."

Weitere Pläne für Apple Pay

Apple Pay startete am 20. Oktober in den USA. Damit ist es möglich, in Läden von McDonalds oder Disney bargeldlos mit dem iPhone zu bezahlen. Die Nachfrage war offenbar riesig: Innerhalb der ersten 72 Stunden gab es mehr als eine Million Kreditkarten-Registrierungen, sagte Cook im Interview. Damit habe Apple Pay schon jetzt mehr Nutzer als alle anderen NFC-Bezahldienste zusammen. Zugleich äußerte er sich zu den jüngsten Meldungen, dass einige US-Händler ihre Bezahl-Terminals für Apple Pay sperren lassen würden, um ein eigenes Bezahlsystem durchzusetzen. Cook sprach von einem "Scharmützel" und zeigte sich überzeugt, der iPhone-Bezahldienst werde sich am Ende durchsetzen, weil er sicher und bequem sei. Wann der Dienst in Deutschland startet, ist nicht bekannt.

Kooperation mit Alibaba?

Apple hat zudem einen starken Partner für einen Start seines neuen iPhone-Bezahldiensts in China in Aussicht. Der Chef der chinesischen Handelsplattform Alibaba, Jack Ma, zeigte bei einem Konferenz-Auftritt Interesse an einer Zusammenarbeit: "Ich hoffe, wir können etwas zusammen machen", sagte der Alibaba-Gründer. Cook kündigte wenig später an, er wolle mit Ma diese Woche über verschiedene mögliche Partnerschaften sprechen.

mit DPA