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Apple nach Biege-iPhone und Update-Panne: Da ist der Wurm drin

Designpatzer und ein Software-Update, das Handys lahmlegt: Es macht derzeit wenig Spaß, ein iPhone zu haben. Apple muss die Pannen in den Griff kriegen, denn es lebt von seinem Nimbus.

Ein Kommentar von Christoph Fröhlich

It just works - Steve Jobs liebte diese Worte. Wenn er auf der Bühne stand, wiederholte er diesen Satz immer und immer wieder: "Es funktioniert einfach". Und ich hing an seinen Lippen, wie viele andere auch. Denn es waren nicht nur warme Worte, die zeigen sollten, wie genial ein neues Gadget war. Es war der Leitsatz der Ära Steve Jobs, des ewigen Perfektionisten. Sein Mantra wurde zum Synonym für die Firma. Doch seit dem Tod des Gründers scheint man das vergessen zu haben.

Praktisch, aber nicht schön

Allein im September hatte sein Nachfolger Tim Cook einiges geradezubiegen. Das ungefragt verschenkte U2-Album etwa, das Apple wie Spam-Nachrichten auf die Festplatten der Kunden schickte. Am Ende sah sich der Konzern genötigt, ein Extra-Lösch-Tool bereitzustellen. Dann waren da noch die Nacktbilder zahlreicher Stars und Sternchen, die von Hackern aus der iCloud gestohlen wurden. Und der Wirbel um die Biege-iPhones. Das war eigentlich keine große Sache, denn es dürfte niemanden überraschen, dass sich der iPhone-Brocken aus Metall durchbiegt, wenn man nur genügend Kraft aufwendet. Selbst ein 1000-Euro-Handy kann nun mal nicht die Physik aushebeln.

Doch es passieren Dinge, die unter Steve Jobs nur schwer vorstellbar gewesen wären. Bestes Beispiel dafür ist das vermurkste Update auf iOS 8.0.1. Eigentlich sollte die Aktualisierung ein paar Fehler ausmerzen, stattdessen blockierte sie den Netzempfang und stutzte zahlreiche iPhones zu iPods zurecht. Ein unerklärlicher Fehler. Wäre Jobs noch am Leben, sein Fluchen hätte man vermutlich auf dem Mond gehört.

Auch beim Design wird gepatzt: War die iPhone-Rückseite sonst glatt und makellos, ragt beim iPhone 6 das Riesenobjektiv wie ein unansehnlicher Krater heraus. Dabei weiß Apple, wie es geht: Als andere Firmen nur graue Klötze unter Schreibtische stellten, kam Jobs mit kunterbunten iMacs um die Ecke. In der grau-beigen Welt der Computer wurde der bunte Knubbel zum Bestseller. Und nun prangen auf der Rückseite des iPhone 6 dicke, hässliche, graue Streifen. Wie auf einem alten Turnschuh.

Ein anderes Beispiel ist die Schutzhülle für das iPhone 5C: Zieht man die über das Handy, wird der "iPhone"-Schriftzug nicht ganz verdeckt und scheint durch, aus "iPhone" wird "hon". Es sieht aus wie der Entwurf eines Designstudenten im ersten Semester. Wo ist die Liebe für Details hin? Jobs hätte vermutlich die zuständige Belegschaft für diesen Fauxpas gefeuert.

Der Nimbus, er bröckelt

Noch immer campen Zigtausende vor den Apple Stores, um die neuen iPhones als erste in den Händen halten zu können. Zweifelsfrei sind es zwei der besten Geräte, die man derzeit kaufen kann. Doch nüchtern betrachtet sind es nur solide Weiterentwicklungen der Vorgänger. Größeres Display, schnellerer Prozessor, bessere Kamera - business as usual. Revolutionäre Features? Sucht man vergebens. Aus dem Visionär ist ein Mitläufer geworden. Ob die Apple Watch das Ruder herumreißt, wird sich im Frühjahr zeigen.

Letztens schaute ich mir noch einmal die Präsentation des ersten iPhones an. Jobs stand auf der Bühne, mit kindlicher Freude im Gesicht, weil er wusste, dass er gerade die Welt veränderte. Er brachte mich und Millionen andere zum Staunen. Apple war der Inbegriff der Coolness. Und heute? Spielt U2 auf der Keynote, die Langweilerkapelle für alte Männer, die ihre größten Hits in den Achtzigern hatte.

Während ich mich frage, ob der Apfel noch glänzt, muss man zugeben, dass Cook den Konzern besser dastehen lässt als je zuvor. Apple ist die wertvollste Firma der Welt und hat 150 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Vielleicht interpretiert Cook das Motto seines Ziehvaters nur anders. It just works. Aber wie lange noch?

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