Neues Apple-Notebook
Macbook Neo im Test: Dieser Laptop ist eine Kampfansage

Macbook Neo im Test
Beim Macbook Neo bietet Apple zwar frische Farben wie Zitrus oder Rosa, das Testgerät in Blau wirkt aber durchaus klassisch
© Malte Mansholt / stern
Das neue Macbook Neo ist schnell, hübsch und erstaunlich günstig. Warum die Konkurrenz jetzt zittern muss und wo der überraschende Schwachpunkt liegt, verrät der Test.

Wenn Menschen nur ein Attribut mit Apple verbinden dürften, wäre es für viele vermutlich: Premium. Apples Geräte sind schick, leistungsfähig und einfach zu bedienen – dafür aber in der Regel recht teuer. Das neue Macbook Neo stellt dieses Prinzip auf den Kopf. Es fühlt sich edler an als Konkurrenzgeräte, ist schneller – und trotzdem günstiger. Wie es sich im Test schlägt und wo Apple lieber nicht hätte sparen sollen, erfahren Sie hier.

Nimmt man das Macbook Neo zum ersten Mal in die Hand, würde man kaum auf die Idee kommen, dass es sich um ein Sparmodell handelt. Das Aluminium-Chassis fühlt sich fast genauso edel an wie bei den teureren Apple-Notebooks. Die Verarbeitung ist tadellos, dabei hat Apple so viel recyceltes Aluminium genutzt wie sonst in keinem Notebook. Das Trackpad und die Tastatur sind wertig, das Display ist scharf, hell und bietet gute Farben. Man fragt sich fast unwillkürlich: Das soll ein Notebook sein, das man schon für 599 Euro kaufen kann? Nutzt man es länger, bemerkt man aber durchaus, dass Apple an vielen Stellen gespart hat.

Ein iPhone im anderen Gewand?

Der größte Kompromiss ist überraschenderweise kaum einer. Im Innern werkelt nämlich kein M-Prozessor, wie Apple ihn in allen anderen modernen Macs nutzt. Stattdessen wird das Macbook Neo von einem A18 Pro betrieben – also einem Chip, den Apple eigentlich für sein iPhone 16 Pro entwickelt hat. Das Macbook Neo ist damit quasi ein iPhone in einer anderen Form.

Das wäre noch vor wenigen Jahren ein K.o.-Kriterium gewesen. Doch mittlerweile sind High-End-Chips für Smartphones so leistungsstark, dass sie auch ein Notebook recht problemlos befeuern können, so dass es sich in nahezu jeder Alltagssituation rasant schnell anfühlt. Ob Textverarbeitung, Fotobearbeitung, Mails oder Streaming: Das Macbook Neo ist mit Alltagsaufgaben selbst dann kaum an seine Grenzen zu bekommen, wenn man es aktiv versucht. Selbst bei mehreren gleichzeitigen Prozessen bleibt in der Regel alles flüssig und reagiert schnell. Sogar Videobearbeitung und KI-Features wie Apple Intelligence funktionieren reibungslos, wenn auch teilweise natürlich langsamer als auf leistungsfähigeren Rechnern.

Macbook Neo im Test
Das Display ist genauso hell und scharf wie bei Macbook Air oder Macbook Pro. Allerdings ist es durch den minimal dickeren Displayrand etwas kleiner, nämlich 13 Zoll statt 13,6 Zoll
© Malte Mansholt / stern

Mit 8 Gigabyte ist der Arbeitsspeicher etwas knapper, als man das heute bei Geräten erwarten würde. Für Alltagsaufgaben, Büroarbeit oder das Studium ist das in der Regel aber immer noch mehr als genug.

Seine einzige echte Schwäche zeigt der Chip bei anspruchsvolleren 3D-Berechnungen wie Spielen, die nicht für Apples Mobilgeräte entwickelt wurden. Ältere Games wie „Borderlands 2“ lassen sich zwar starten, eine komplett flüssige Darstellung schafft das Macbook Neo aber nicht. An moderne High-End-Games ist kaum zu denken. Dabei beherrscht der Chip theoretisch sogar die komplexe Berechnung von Lichtstrahlen in Echtzeit (Raytracing). In der Praxis ist die Auflösung des Notebooks aber wohl zu hoch, um diese Fähigkeit auch auf dem Macbook Neo wirklich auszunutzen. Allerdings kann man das auch von keinem anderen derzeit erhältlichen Notebook in dieser Preiskategorie erwarten.

An der falschen Stelle gespart

Bei den anderen Einschnitten ist es ähnlich: Man muss schon bewusst danach suchen, um kleine Schwachstellen zu entdecken. Eine fällt aber schon beim ersten Einschalten auf: Da, wo bei modernen Macs seit Jahren der Fingerabdrucksensor TouchID sitzt, ist beim Sparmodell nur eine Taste mit einem Schloss-Symbol. Weil es auch keine Gesichtserkennung gibt, heißt das: Bei jedem Einschalten oder Aufwecken muss man das Rechner-Passwort eingeben. Das lässt sich nur umgehen, indem man das Macbook Neo mit einer Apple Watch entsperrt. 

Dass Apple an dieser Stelle spart, ist schade. TouchID hat neben dem reinen Entsperren des Rechners noch zahlreiche weitere Vorteile. So erlaubt es der Fingerabdruckscanner, sämtliche Passwörter der Passwort-App mit wenig Aufwand einsetzen zu können und dabei trotzdem geschützt zu bleiben. Das führt zu mehr Sicherheit: Weil man sich die Passwörter nicht merken muss, kann man tatsächlich kompliziertere (und damit sicherere) wählen, ohne Bequemlichkeit und Sicherheit gegeneinander abwägen zu müssen. Beim Macbook Neo ohne TouchID gibt es diese zusätzliche Sicherheit nur eingeschränkt: Die Passwort-App füllt weiter alle Felder aus – aber ohne dafür nach einem Master-Passwort zu fragen. Nutzt jemand anders den Rechner, kann diese Person sich also beliebig in die gespeicherten Accounts einloggen – ohne jegliche Hürde.

Es gibt jedoch auch ein Macbook Neo mit TouchID: Eine teurere Version mit mehr Speicher bringt auch den Fingerabdrucksensor mit. An dieser Stelle hätte Apple ruhig auch beim Sparmodell etwas großzügiger sein können.

Macbook Neo im Test
Hübsches Detail: Die Tastatur ist farblich an das Gehäuse angepasst. Leider ist sie nicht beleuchtet
© Malte Mansholt / stern

Macbook Neo: k(l)eine Kompromisse

Beim Eingeben des Passworts wird man an die nächste Sparmaßnahme erinnert: Die Tastatur ist anders als bei allen anderen Apple-Notebooks nicht beleuchtet. Sonst funktioniert sie allerdings genauso wie bei den Edelmodellen. Die fehlende Beleuchtung dürfte vielen Nutzern gar nicht auffallen. Tippt man im Dunkeln, sollte man aber tastaturfest sein.

So ähnlich ist es auch bei den meisten weiteren Einsparungen. So unterstützt das Macbook Neo nur einen angeschlossenen externen Monitor, bietet nur USB-3 statt Thunderbolt, setzt auf die ältere Webcam mit 1080p-Auflösung statt die moderne Center-Stage-Kamera oder passt das Display nicht automatisch an das Umgebungslicht an. Am Ende des Tages sind das alles aber Luxus-Features, ohne die man in der Praxis problemlos leben kann.

Ein solider Langläufer

Ein echtes Pfund ist dagegen die Laufzeit: Bis zu 16 Stunden gibt Apple an, das sind nur zwei Stunden weniger als bei den teuren Modellen. Im Test erscheint das als realistisch. Damit kommt man fast zwei volle Arbeitstage ohne Kabel aus. Da ist es auch von Ordnung, dass die Schnelllade-Funktion wieder den teuren Schwestermodellen vorbehalten bleibt.

Ein Neudesign hat Apple bei den Lautsprechern gewagt. Statt vorne am Display oder am Außenrand der Tastatur sind sie in den Seiten des Macbook Neo untergebracht. Der Klang ist für die Größe wirklich gut. Gerade Stimmen klingen erstaunlich voll, auch Musik kann man darüber hören, wenn man nicht zu viel Bass erwartet. Die maximale Lautstärke ist etwas gering, vermutlich weil Apple Verzerrungen vermeiden wollte. Um einen Film zu schauen, für Videotelefonie oder ein wenig Musik beim Arbeiten sind die Lautsprecher aber mehr als ausreichend.

Macbook Neo im Test
Rechts neben der Klinkenbuchse befindet sich der neu gestaltete Lautsprecher
© Malte Mansholt / stern

Apples Kampfansage

Mit dem Macbook Neo macht Apple seinen Konkurrenten überraschend großen Druck. Das liegt vor allem am Preis: Mit 699 Euro ist das Macbook Neo für das Gebotene ohnehin schon sehr günstig, mit Bildungsrabatt kommen Schüler und Studenten sogar auf einen Preis ab 599 Euro. Das sitzt.

Zwar gibt es mit Chromebooks und günstigen Windows-Notebooks durchaus Angebote in derselben Preisklasse. An die Leistung, Verarbeitung und Laufzeit des Macbook Neo kommen die aber nicht im Ansatz heran. Angesichts der steigenden Preise für Speichermodule dürfte es für die Konkurrenten schwer werden, schnell ein ähnlich gutes Angebot zu machen. Mit seinem Preis ist das Macbook Neo schlicht eine Kampfansage.

Fazit Macbook Neo: Die Kompromisse sind es wert

Trotz Smartphone-Chip und zahlreichen Kompromissen im Detail: Das Macbook Neo ist für seinen Preis schlicht eine Wucht. Die Kombination aus guter Verarbeitung, ausreichend Leistung und einer langen Laufzeit zum kleinen Preis dürfte es für viele Nutzer zu einem hochattraktiven Angebot machen. Wer mehr Features oder Leistung benötigt, muss eben dafür zahlen. Für die allermeisten Nutzer dürfte das Macbook Neo allerdings im Alltag völlig ausreichen. 

Als interessante Alternative sind eigentlich nur ältere Macbook Air zu nennen: Die Modelle mit M2- oder M3-Chip sind teilweise zu ähnlichen Preisen zu bekommen, bieten aber Zusatzfunktionen wie beleuchtete Tastaturen und TouchID. Die Prozessoren sind in puncto Leistung ähnlich potent. Von anderen Herstellern gibt es keine Alternativen, die ein ähnlich attraktives Paket aus Leistung, Laufzeit und Verarbeitung bieten.

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