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Handel: Neue Konkurrenz für Aldi und Amazon: Die Russen und Chinesen kommen!

Aldi und Lidl dominieren die Discounterlandschaft in Deutschland - und haben sich auch im Ausland erfolgreich breit gemacht. Im Netz ist Amazon der große Player. Doch neue Konkurrenz aus China und Russland drängt auf den Markt.

Aldi in Spanien

Aldi in Spanien: Hier ist der Discounter noch deutlich spartanischer unterwegs.

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Wer die Marktmacht von Aldi verstehen will, muss nach Großbritannien blicken. Denn der dortige Marktprimus Tesco hat endgültig genug von den deutschen Discountern, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen - und immer weiter Marktanteile erobern. Die Antwort auf die deutschen Billgheimer heißt "Jack's" und ist ein Günstig-Konzept von Tesco. Rund 60 Filialen sollen umgewidmet werden, um Aldi und Lidl auf der Insel auszubremsen.

Die Macht deutscher Discounter ist enorm - nicht nur im Ausland. Auch in Deutschland behaupten sich die günstigen Einkaufsvarianten. Allerdings nicht mehr so wie noch vor einigen Jahrzehnten. Denn die Discounter mussten sich wandeln. Statt die Waren lieblos auf Paletten zu präsentieren, verlangen gerade jüngere Käufer ein bisschen mehr Komfort. Also setzen die Branchenführer auf Premiumprodukte im Discountsegment, hübschen die Filialen auf, bieten Sitzecken und Kundentoiletten. Wenn's der Kunde will, dann reagieren Aldi und Lidl auf die veränderten Ansprüche. 

Konkurrenz für Aldi, Lidl und Co.

Doch bei all dem Reformeifer machen die Discounter so auch eine Flanke auf. Das hat auch die sibirische Kette Torgservis erkannt und plant nun den Markteintritt mit dem Tochterunternehmen TS Markt. Hier erwarten den Kunden vor allem günstige Eigenmarken, angeboten auf Paletten oder in Kartons. Die Einrichtung einer neuen Filiale soll nicht mal 15.000 Euro kosten. Vor allem in ländlichen Gebieten in Nord- und Ostdeutschland sollen die Filialen - immerhin sind schon zum Start rund 100 Läden geplant - eröffnen. Die Strategie der Russen ist simpel: Dort, wo die Kunden über weniger Kaufkraft verfügen, sehen sie eine Lücke, die sie besetzen können. Während Aldi und Lidl die gestiegenen Ansprüche jüngerer Kunden vor allem in urbanen Gebieten erfüllen wollen, will Torgservis mit Basics punkten. 

Aber nicht nur der Lebensmitteleinzelhandel wird von neuen Wettbewerbern geentert. Auch im Netz drängen neue Akteure gen Westen. Noch steht der US-Konzern Amazon unangefochten an der Spitze der Online-Händler in Deutschland. Bislang nutzen chinesische Händler die Plattformen von Amazon oder Ebay, um auch im Westen verkaufen zu können. Doch diese Taktik scheint den Händlern aus Fernost nicht mehr zu genügen. Alibaba und JD.com blasen zum Angriff auf den deutschen Markt. "Mir geht es nicht mehr nur darum, Produkte von Deutschland nach China zu verkaufen. Ich möchte auch Produkte in Europa verkaufen“, sagt Richard Liu, Gründer und Chef von JD.com im Interview mit dem "Handelsblatt". "Es geht nur noch darum, Details zu klären." Bis Ende des Jahres soll die Taktik stehen und ein Büro in Deutschland eröffnet werden. 

Der Tech-Gigant Alibaba hält sich mit solch markigen Ankündigungen noch zurück. Dass er europäische Markt aber eine wichtige Rolle in Zukunft spielen soll, zeigen die Aktivitäten des Unternehmens. Im belgischen Lüttich entsteht derzeit ein Logistikdrehkreuz. Das würde den Handel deutlich vereinfachen, denn Waren könnten schneller beim Kunden landen als bislang. Das Ziel von Alibaba-Chef Jack Ma ist ambitioniert - denn er will innerhalb von 72 Stunden in jede Ecke der Welt liefern können. "Dieses Netzwerk ist nicht nur national, es ist global. Wir wollen jedes Lager, jede Stadt, jeden Haushalt verbinden", zitiert das "Handelsblatt" Ma. Dafür sollen in den kommen fünf Jahren rund 13 Milliarden Euro in den Ausbau der Infrastruktur fließen. 

Zalando und Otto sind Übernahmekandidaten

Einfach wird der Markteintritt in Deutschland aber nicht. Olaf Rotax, E-Commerce-Berater von Accenture, erwartet, dass die Chinesen sich den Zugang erkaufen werden. Dafür müssten sie einen der großen deutschen Player schlucken."Infrage kämen unter anderem ein Onlinehändler wie Zalando oder Otto oder ein Logistiker wie DHL", sagt Rotax zum "Handelsblatt". Klar ist: Der weltweite Expansionsdrang der Chinesen ist kaum zu stoppen. Experten erwarten, dass die beiden Dickschiffe Alibaba und die Nummer zwei in China JD.com im Jahr 2025 zusammen auf einen Jahresumsatz von rund 500 Milliarden Euro kommen könnten. 

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