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Supermärkte unter Druck: Die neue Macht von Aldi und den Discountern

Aldi, Lidl und Co. haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet. Vor allem bei frischen Produkten haben sie nachgelegt - und setzen damit Supermärkte wie Edeka oder Rewe mächtig unter Druck. Experten sehen die Discounter als Gewinner.

Aldi Nord punktet durch frisches Obst und Gemüse

Aldi Nord punktet durch frisches Obst und Gemüse

Wer lange nicht bei Aldi Nord einkaufen war, wird überrascht sein. Denn der Discounter hat seine Filialen deutlich aufgehübscht. Im Juli startete "Aniko", das Aldi Nord Instore Konzept. Dahinter verbirgt sich die Modernisierung der Märkte, berichtet das "Handelsblatt". "Die Kunden nehmen die Neuerungen sehr gut an und honorieren vor allem unser vergrößertes Angebot an Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch", sagte Aldi-Nord-Geschäftsführer Kay Rüschoff zur der Zeitung. Doch ein Alleinstellungsmerkmal ist dieser Schritt nicht. Denn auch die übrigen Discounter bieten längst deutlich mehr als günstige Grundnahrungsmittel. Zum Leidwesen der großen Supermarktketten.

Mehr als fünf Milliarden Euro hat Aldi Nord weltweit in seine Filialen investiert. Aldi Süd will bis 2019 3,5 Milliarden für ein Investitionsprogramm - vor allem für die Filialen - ausgeben. Und die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, plant nach Angaben der "Lebensmittelzeitung" rund sieben Milliarden Euro in die Läden zu pumpen. Klar ist: Die Discounter bauen im großen Stil um. Doch das allein bringt den Billig-Supermärkten nicht den Vorsprung. Auch das Angebot an frischen Lebensmitteln bei Aldi, Lidl und Co. überzeugt die Kunden, fand nun auch die Unternehmensberatung Oliver Wyman heraus, die 2100 Deutsche zu ihrem Einkaufsverhalten befragt hat. Demnach gaben 55 Prozent der Discounterkunden an, dass die Qualität bei frischen Lebensmitteln wichtig für die Wahl des Marktes sei, in dem sie einkaufen. Bei den Supermarktkunden war dieser Punkt bei 61 Prozent der Befragten wichtig. Damit scheinen sowohl Discounter- wie Supermarkeinkäufer ein ähnliches Angebot zu schätzen. Und die Discounter haben hier ihre Hausaufgaben gemacht.

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Erdnussflips von Aldi Nord

Hinter den Erdnussflips, die es bei Aldi Nord zu kaufen gibt, steckt der Hersteller Funny Frisch, der zu dem Konzern Intersnack gehört.

Discounter entwickeln sich

Diese Entwicklung ist für die Supermärkte wie Rewe oder Edeka mehr als nur ärgerlich, schließlich wildern die Disocunter in ihrem Hoheitsgebiet. "Aktuell ist für die Branche spürbar, dass Aldi und Lidl ihre Filialen mit Milliardeninvestitionen modernisieren", sagte Rewe-Chef Lionel Souque zur "Wirtschaftswoche". "Die entwickeln sich nach oben, eröffnen größere Märkte, mit Glas und Holz, besserer Beleuchtung und neuen Services." Damit reagierten die Billigheimer auf sinkende Marktanteile. Vor allem junge Kunden machten um Discounter einen Bogen. Inzwischen läuft es wieder besser für Aldi, Lidl und Co. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mussten sich die Discounter 2016 beim Umsatzwachstum noch den Supermärkten geschlagen geben, doch im vergangenen Jahr konnten sie deutlich stärker zulegen als die Vollsortiment-Konkurrenz. 

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Supermärkte unter Druck

Auch die Experten von Oliver Wyman beobachten diese Entwicklung - und sehen die als Verlierer. Denn das Wachstum der Discounter geht zu ihren Lasten. Laut der Untersuchungen könnten die Discounter bis 2020 um zwei Prozentpunkte auf insgesamt 44 Prozent Marktanteil kommen. Damit würden die Supermärkte jährlich Umsätze von rund zehn Milliarden Euro einbüßen, so das "Handelsblatt". "Nur mit einem exzellenten Frischeangebot zu konkurrenzfähigen Preisen können sich die Supermärkte auf Dauer im Wettbewerb behaupten", warnt Oliver-Wyman-Partner Rainer Münch. Dieser Konkurrenzkampf könnte durch den Marktstart des Lebensmittellieferservice Amazon Fresh im vergangenen Jahr noch verschärft werden. Bislang spielt dieses Angebot nur eine kleine Rolle, doch Experten erwarten nicht weniger als eine Revolution des Handels von den nach Hause gelieferten Lebensmitteln.