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Jean-Claude Trichet: Zentralbankchef mit Ambition auf die EZB-Spitze

Fast hätte der Finanzskandal um die frühere Staatsbank Crédit Lyonnais alle Ambitionen von Jean-Claude Trichet vereitelt: in diesem Sommer die Nachfolge von EZB-Präsident Wim Duisenberg anzutreten.

Fast hätte der Finanzskandal um die frühere Staatsbank Crédit Lyonnais alle Ambitionen von Jean-Claude Trichet vereitelt: in diesem Sommer die Nachfolge von EZB-Präsident Wim Duisenberg anzutreten. Für den 60-jährigen Chef der französischen Notenbank war klar, dass er den Freispruch im Pariser Strafprozess um gefälschte Bilanzen und Falschinformationen brauchte. Nur in diesem Fall war seine Aussicht auf den Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) ungetrübt. Praktisch in letzter Minute hat er diese entscheidende Weichenstellung nun geschafft.

Genießt hohe Anerkennung

In der französischen wie in der europäischen Finanzwelt genießt Trichet hohe Anerkennung. Sein Verdienst, die französische Notenbank vom Einfluss der Politik befreit zu haben und stets die Stabilität der Währung, ob früher beim Franc oder jetzt beim Euro, als oberstes Gebot hochzuhalten, ist allerdings in Frankreich nicht unumstritten. Der Musterschüler eckte mit seinen puristischen Auffassungen immer wieder an, zeigte sich jedoch als Karrierebeamter stets loyal.

Elitestudent

Als Angehöriger der Führungsschicht Frankreichs hat auch Trichet die Elite-Hochschulen des Landes mit einem Ingenieursstudium sowie die Kaderschmiede ENA mit einem Volkswirtschaftsstudium absolviert. Als Leiter des Schatzamtes seit dem Jahr 1987 diente er allein fünf Premierministern, ehe er 1993 an die Spitze der Notenbank wechselte.

"Kultiviertester Beamter Frankreichs"

Internationales Format gewann Trichet als Präsident des Pariser Clubs bei Umschuldungsverhandlungen westlicher Banken mit den Staaten der Dritten Welt und des früheren Ostblocks. Wegen seiner Begeisterung für Literatur und Oper nannte ihn das Magazin «L’Express» einen der "kultiviertesten Beamten Frankreichs".