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Jenseits der Gleise: Bahn wird zum weltweiten Transporteur

Richtig treffend ist der Firmenname eigentlich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Deutsche Bahn macht längst große Teile ihres Geschäfts jenseits der Gleise - mit Leihfahrrädern, Mietautos oder ihrer Speditionstochter.

Das weltweite Frachtgeschäft will Bahnchef Hartmut Mehdorn jetzt mit einem großen Schritt ausbauen: Der Aufsichtsrat gab ihm am Samstag grünes Licht für einen Kauf des US-Logistikanbieters Bax Global. Die Übernahme könnte bis zu eine Milliarde Euro kosten. Mit seinem Expansionskurs steht Mehdorn denn auch unter Erfolgsdruck.

Expansion soll Schenker stärken

Wenn der Deal demnächst besiegelt wird, will die Bahn damit die Position der Speditionstochter Schenker mit bisher 1100 Standorten im weltweiten Konkurrenzkampf der Transporteure stärken. Die Rivalen heißen Kühne + Nagel und auch Deutsche Post, die gerade für 5,5 Milliarden Euro den britischen Logistiker Exel kaufte. Die USA gehörten zu den strategischen Zielen für Schenker, heißt es bei der Bahn. Bax Global mit Sitz in Kalifornien hat rund 12.000 Beschäftigte, ein weltweites Netz von 500 Niederlassungen und ist vor allem im Luft- und Seeverkehr etabliert. Der Jahresumsatz erreichte zuletzt 2,4 Milliarden Dollar.

Dass sich der bundeseigene Konzern nicht mehr auf die angestammte Welt der Weichen und Waggons beschränkt, ist erklärte Strategie der Manager im Bahntower in Berlin. Der nationale Bahnverkehr bleibe auf Dauer Basis des Geschäfts. Doch damit allein lasse sich die nötige Finanzkraft für Investitionen nicht erreichen, argumentiert Mehdorn. Der Kauf der Schenker-Mutter Stinnes für 2,5 Milliarden Euro vor zwei Jahren signalisierte den Wandel zu einem "Mobilitäts- und Logistikdienstleister". Inzwischen kommen 40 Prozent des Umsatzes nicht mehr aus der Schiene. Schenker steht für Transporte per Lkw und in der Luft. Und im Geschäftsbericht kann sich die Bahn außerdem als "Nummer drei in der weltweiten Seefracht" präsentieren.

Börsengang bleibt geplant

Dabei ist der Kurs nicht unumstritten - nicht zuletzt in der Politik, die immer noch über die grundlegenden Weichenstellungen des Verkehrsriesen wacht. Die Grünen im Bundestag warnten schon vor einer Expansion in "schienenferne Märkte in Übersee" auf Kosten des deutschen Gleisnetzes. Die Bahn kann dagegen darauf verweisen, dass gerade Schenker (39.000 Beschäftigte/acht Milliarden Euro Umsatz) zu den zuverlässigen Gewinnquellen unter ihrem Dach gehört - das stärke am Ende den Konzern insgesamt. Und auch internationale Investoren, die Mehdorn für den nach wie vor geplanten Börsengang interessieren will, dürften genau beobachten, ob diese Strategie trägt.

Seinen Aufsichtsräten signalisierte Mehdorn bei der Sondersitzung am Wochenende jedenfalls, das Geschäft sei "voll auf Kurs". Beim Gewinn soll am Jahresende der geplante Sprung auf 400 Millionen Euro gelingen. Dann steht auch ein überraschender Wechsel im Vorstand an, den die Kontrolleure mit absegneten. Für Marketing und politische Beziehungen soll zum 1. Januar 2006 Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) zuständig werden - er dürfte ein Scharnier zur neuen großen Koalition im Bund und auch den Länder-Verkehrsministern sein, mit denen die Bahn im wichtigen Personennahverkehr zusammenarbeitet.

Das Logo bleibt

Beim Firmennamen haben die Manager derweil schon vor einigen Monaten eine Antwort auf den immer stärkeren Wandel der Geschäfts-Aktivitäten gefunden. Außer im Personenverkehr präsentiert sich der Konzern nicht mehr unter der Marke "Die Bahn", sondern mit dem Kürzel DB samt Zusatz "Mobility Networks Logistics". Am rotumrandeten DB-Logo - firmenintern auch "Keks" genannt - werde sich aber nichts ändern, versichert Mehdorn: "Das ist unser Mercedesstern."

Sascha Meyer/DPA / DPA