HOME

JUBILÄUM: Klingen für die Wegwerfgesellschaft

Vor 100 Jahren gründete King C. Gillette eine Firma, die Rasierklingen herstellt - und läutete damit den Beginn der »neuen Wegwerfgesellschaft« ein.

Nass oder trocken - an der Frage, wie es sich am besten rasieren lässt, scheiden sich die Geister. Der Gillette-Gruppe, seit kurzem 100 Jahre alt, kann diese Diskussion egal sein. Der US-Konzern mit seiner deutschen Vertriebszentrale in Kronberg im Taunus zählt Nass- wie Trockenrasierer zu seinen Kunden. Gillette selbst brachte die Wegwerfrasierklinge auf dem Markt. Das deutsche Tochterunternehmen Braun versorgt die Kunden mit elektrischen Rasierapparaten.

Deutsche lieben es elektrisch

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie gespalten die Männer in Sachen Rasur sind: In Deutschland entfernen 60 Prozent ihre Härchen elektrisch, und auch in Japan dominieren die trocken rasierenden Männer. In Südeuropa und vielen anderen Gegenden der Welt dagegen wird noch fleißig geschäumt und geschabt. »Gerade in heißen Regionen wollen viele auf das Gefühl der Frische nach dem Nassrasieren nicht verzichten«, vermutet Gillette-Sprecherin Ute Kempf-Uhlig.

Beginn der Wegwerfgesellschaft

King C. Gillette hatte im September 1901 die »American Safety Razor Company«, die heutige Gillette Company, gründete. Die Legende besagt, dass Gillette aus Ärger über ein stumpfes Rasiermesser auf die Idee mit der Wegwerfklinge kam. Aus Sicht des Konzerns läutete er damit den »Beginn der neuen Wegwerfgesellschaft« ein. 168 Klingen verkauften die Amerikaner im ersten Jahr, 1905 waren es bereits 1,2 Millionen. Zum Massenprodukt wurde das Rasiersystem aber nach Darstellung des Konzerns erst in den Wirren des Ersten Weltkrieges, als die Soldaten selbst zum Rasierer greifen mussten, statt sich vom Barbier bedienen zu lassen.

Rasierer sind High-Tech-Geräte

Heute produziert die Gillette-Gruppe drei Milliarden Rasierklingen im Jahr. Aus den schlichten Klingen mit Griff von einst sind inzwischen längst High-Tech-Geräte mit Schwingkopf und Dreifachklingen geworden. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem Konzern mit 9,3 Milliarden Dollar Umsatz (19,9 Milliarden Mark/10,2 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr und rund 35.000 Mitarbeitern weltweit, davon etwa 3.000 in Deutschland. Mit seinen Tochterunternehmen produziert Gillette außer Rasierern auch noch Körperpflegemittel, Zahnbürsten und Batterien (Duracell).

Auch Frauen greifen zu

Bereits von 1915 an hatte Gillette auch die lästigen Härchen von Frauen im Visier. Anders als es der Name vermuten lässt, war der »Gillette Milady Decolleté« - der erste Nassrasierer für Frauen - für Bein- und Achselbehaarung gedacht. Jede dritte Frau in Deutschland greift nach Angaben des Konzerns heute regelmäßig zum Rasierer - Tendenz steigend. Mehr als doppelt so hoch ist die Quote rasierender Damen in südeuropäischen Ländern. »Dort wird luftigere Kleidung getragen und unschöne Behaarung an den Beinen etwa fällt dort gleich negativ auf«, sagt Gillette-Sprecherin Kempf-Uhlig.

Marc Strehler

Themen in diesem Artikel