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Umstrittene Staatshilfe 500 Millionen Euro für Karstadt Kaufhof – der Tod wird hinausgezögert

Kaufhof-Filiale in Köln
Kaufhof-Filiale in Köln
© Oliver Berg / DPA
Die Bundesregierung rettet Galeria Karstadt Kaufhof mit einem Kredit über knapp eine halbe Milliarde Euro. Kurzfristig rettet das Arbeitsplätze. Das Sterben vieler Warenhäuser wird damit aber nur hinausgezögert.

Gerade erst hat Galeria Karstadt Kaufhof ein Insolvenzverfahren abgeschlossen und einen Neustart angekündigt. Nun lassen sich die einst stolzen Warenhäuser schon wieder mit Staatshilfe retten. Die Bundesregierung will dem Konzern einen Kredit von bis zu 460 Millionen Euro gewähren, um durch die Corona-Krise zu kommen. Und alle fragen sich: Muss das wirklich sein?

Viele Kommentatoren im Netz sind empört. Das Konzept Warenhaus sei schon lange am Ende. Hier werde ein Zombieunternehmen mit Steuergeld gerettet, während kleine Händler darben, so der Tenor. Mit dem Geld könne Sinnvolleres angestellt werden. Es sei Zeit, Karstadt sterben zu lassen. 

Rund 18.000 Arbeitsplätze

Das kann man so sehen. Andererseits: Auch wenn der Warenhauskonzern im vergangenen Jahr 40 Filialen geschlossen und 4000 Stellen gestrichen hat, so verbleiben immer noch 131 Warenhäuser und rund 17.800 Mitarbeiter. Die Forderung, Karstadt endlich sterben zu lassen, beinhaltet, dass diese Menschen von heute auf morgen auf der Straße stehen.

Nicht vergessen bei aller Kritik sollte man auch: Bei der staatlichen Millionenhilfe handelt es sich um ein Darlehen, nicht um ein Geschenk. Das heißt, dass das Geld mit Zinsen zurückgezahlt werden muss, sofern das Unternehmen wieder in die Spur kommt. Und wer sich empört, dass der Staat einen siechenden Großkonzern unterstützt, während viele Kleinunternehmer noch auf ihre Novemberhilfen warten, sollte zwei Dinge nicht vermischen: Dass die Hilfen an anderer Stelle auf sich warten lassen, liegt nicht am fehlenden Geld, sondern an der bürokratischen Ausgestaltung. 

Benko

Keine Investition in die Zukunft

Dennoch ist der Staatskredit für Karstadt-Kaufhof unterm Strich keine Investition in die Zukunft, sondern lediglich eine kurzfristige Arbeitsplatzerhaltungsmaßnahme. Der Tod vieler gewöhnlicher Karstadts und Kaufhofs wird durch die Notfinanzierung wohl nur hinausgezögert, ob man das nun gut findet oder schlecht.

Denn eine funktionierende Onlinestrategie gibt es bis heute nicht. Und dass die guten, alten Warenhäuser systemrelevant für den Einzelhandel in den Innenstädten sind, wie der Handelsverband HDE behauptet, glaubt Eigentümer René Benko selber nicht. Mittelfristig wird er defizitäre Standorte schließen und sich für die teils attraktiven Immobilienlagen eine lukrativere Verwendung überlegen oder sie verkaufen.

Eine Zukunft haben wohl nur absolute Prestigeobjekte wie das Berliner KaDeWe oder das Oberpollinger in München. Denn der österreichische Milliardär und Chef der Signa-Gruppe Benko investiert durchaus, allerdings bevorzugt in 1A-Lagen. Am Hamburger Gänsemarkt lässt er bis 2025 eine ganze Passage neu bauen, mit Büros, Wohnungen und kleinen Geschäften. Gesamtkosten: 250 Millionen Euro.


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