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Kataloge: Der Kampf der Wälzer

Das Versandgeschäft steckt in der Krise, für Neckermann, Otto und Quelle sind herkömmliche Kataloge Auslaufmodelle. Mit neuer Strategie kämpfen sie um Marktanteile. Ergebnis: eine völlig neue Katalog-Generation.

Früher war Simone Playmate. Heute ist sie Staffage. An diesem Märztag mimt sie eine glückliche Junggebliebene für den neuen Neckermann-Katalog. Lasziv lümmelt sie auf einer orangen Sitzgruppe in der Wohnzimmerkulisse des Frankfurter Fotostudios. Der Stylist bedeckt ihre schlanken Beine mit einer Wolldecke. Schließlich sollen die Kunde nach dem Sofa schielen und nicht nach der Blondine. Jeder der rund 100.000 Schüsse, die die Fotografen an den 24 Sets für den neuen Katalog abfeuern, muss sitzen. Die Firma braucht dringend Umsatz.

Der neue Katalog, den alle liebevoll Jupp nennen, soll's bringen. Er ist ein absolutes Novum, beteuern die Neckermänner. Anders soll er sein, Leute ansprechen, die leben, wohnen und fühlen wollen wie der Berufsjugendliche Thomas Gottschalk, der für das Bilderbuch wirbt. Jupp wirkt schlank gegenüber den alten Big Books, ist unerwartet quadratisch, das Titelbild lebendig wie bei einer Illustrierten. Vor allem aber bricht er mit einer fast 60 Jahre alten Tradition: Er kommt mitten im April und zielt nur auf den Sommer. Bislang publizierten Neckermann, Quelle, Otto und die anderen Universalversender genau zwei Folianten im Jahr: im Januar die Frühjahr/Sommer-Ausgabe, im Juli die für Herbst/Winter. Nächstes Jahr will Neckermann sogar vier Ausgaben bringen.

Jupp läutet den Tod der alten, teils 1500 Seiten dicken Wälzer ein. Weil sich das Geschäft im freien Fall befindet, dampfen die Versandhausmanager sie kräftig ein, streichen ganze Warengruppen und publizieren Regionalausgaben, weil etwa der Winter im Rheinland wärmer ist als in Bayern. "In 18 Monaten", sagt Neckermann-Chef Arwed Fischer, "wird es den klassischen Hauptkatalog nicht mehr geben."

Und auch die Krise nicht mehr, in der die Branche steckt - das hoffen jedenfalls Fischer und seine Mitstreiter. Im vergangenen Jahr erreichten die Universalversender ihren absoluten Tiefpunkt: 8,8 Prozent weniger Umsatz als im Jahr zuvor. Selbst der erfolgsverwöhnte Otto-Versand fuhr in Deutschland - trotz Verkaufsaktionen zum 55-yjährigen Jubiläum - 4,9 Prozent Minus ein. Panisch senkten die Katalogmacher ihre Umsatzprognosen für 2005, schlossen Bestellcenter und feuerten Mitarbeiter. Die Talfahrt hält an: Neckermann nahm bis Ende Februar acht Prozent weniger ein als im Vorjahr. Bei Quelle, der großen Schwester, brachen die Erlöse sogar um 15 Prozent weg.

Der Untergang der gedruckten Warenhäuser, die alles anbieten vom Smoking über Dosenfutter bis hin zum Dildo, war absehbar. Seit Anfang der 90er laufen ihnen die Kunden davon. Nur das Konsumstrohfeuer der Wiedervereinigung und teuer beworbene Sonderverkäufe konnten die Malaise vorübergehend vertuschen. Andere Medien graben den Wälzern das Wasser ab. Im letzten Jahr legte der Internethandel um 36 Prozent zu, Teleshopping-Kanäle wie QVC um 22 Prozent und Spezialversender wie ComfortSchuh, Bayrisches Münzkontor oder Junghans Wolle um 1,2 Prozent.

Quelle hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 20 Vorstände ausgetauscht, um diesen Trend zu stoppen - genutzt hat es nichts. "Die behäbigen Wälzer sterben aus", konstatiert Versandhausberater Uwe Drescher, ein intimer Kenner der Branche. "jeder Versuch, sie zu retten, ist schlicht hilflos."

500 Kilometer nördlich von Frankfurt in der Chefetage von Otto steckt Rainer Hillebrand seinen Kopf tief in seinen Büroschrank und spürt nach einem alten Katalog. Der Vorstand für Vertrieb, Marketing und E-Commerce würde gern daran verdeutlichen, warum auch die Hamburger Abschied nehmen von der klassischen Schwarte. Er findet auf die Schnelle kein Exemplar - egal, ist ja eh Vergangenheit. In wenigen Tagen bringt auch Otto eine dritte, auf den Sommer gemünzte Edition heraus.

Hillebrand, ein anerkannter Visionär des Business, tüftelt schon lange an einer zukunftsfähigen Strategie für das Versandgeschäft. Wie oft muss ein Katalog im Jahr erscheinen, damit er den H&Ms, Media Märkten und Obis Paroli bieten kann? Wie sollten die Preise aussehen, damit sie wettbewerbsfähig sind, ohne in Rabattschlachten umzukommen? Welche Sortimente sind zu welcher Jahreszeit gefragt? Nur zweimal im Jahr ist jedenfalls zu wenig, so seine Erkenntnis: "Wer zu früh kauft, den bestraft das Sonderangebot."

Deshalb verteilt Otto in diesem Jahr das gesamte Warensortiment auf drei Hauptkataloge, die jeweils rund ein Drittel schlanker ausfallen. Nur ein Teil der Produkte taucht in allen Ausgaben auf. Die aktuelle Januarversion wird im April vom Hochsommerkatalog abgelöst, auf der Model Heidi Klum im blauen Bikini zum Kauf lockt. Ende August folgt die Herbst/Winter-Variante. Zu Weihnachten schieben die Elbstädter ein Technikbuch nach. Womöglich stellt Otto übernächstes Jahr sogar auf einen Sechserrhythmus um. "Der Markt", sagt Hillebrand, "ist so schnell geworden, da kann man längst nicht mehr arbeiten wie vor zehn Jahren."

Psychologen haben untersucht,

warum die Wuchtbrummen früher so gut funktionierten - und heute nicht mehr. Es lag wohl daran, dass Familien sie als Konsumbibel verehrten. Man zahlte für sie, achtete darauf, dass niemand Eselsohren knickte. Aus Erfurcht vor dem Überfluss, den sie boten, orderten die Kunden brav Einmachgläser im Winter und Christbaumschmuck im Sommer - so wie es der Erscheinungsrhythmus vorschrieb. Der Katalog vertrieb zudem ihre Langeweile. Womit konnte man sich im medienarmen Zeitalter besser die Zeit vertreiben, ohne eine Zeile lesen zu müssen? So schmökerten die Eltern Abende lang, die Tochter plättete Maiglöckchen zwischen den Campingartikeln und der pubertierende Sohn suchte Aufklärung bei der Damenunterwäsche. Der Schriftsteller Hans Markus Enzensberger empfand den Katalog 1960 als Realsymbol der "kleinbürgerlichen Hölle", aus der es kein Entrinnen gebe.

Heute ist der Überfluss allgegenwärtig, Blumen plätten ist megaout und Sex liefert das Fernsehen zuhauf. Familien werden dagegen seltener, und die jungen Singels bestellen lieber im Internet. "Wahrscheinlich sind die Amazons die Universalversender der Zukunft", sagt Martin Groß-Albenhausen, Herausgeber des Branchendienstes "Der Versandhausberater".

So leicht will sich Quelle

nicht geschlagen gegeben. Zwar zählt auch in Fürth das Online-Geschäft zu den Hoffnungsträgern, doch richten soll es das bedruckte Papier. Im August dreiteilt Quelle-Chef Fischer den alten Wälzer und lässt das Ergebnis in Testregionen prüfen. Dann gibt es einen dünnen Haupt-, einen Mode- sowie einen Technik-Wohnen-Heimtextilien-Katalog. Kurzlebige Computerwaren kommen in eine Sonderausgabe. Klappt der Versuch - wovon alle ausgehen -, wird es 2006 zwei abgespeckte Quelle-Hauptkataloge, vier Modeausgaben sowie ein Technik-Buch geben. Alle vier Wochen zudem Spezialausgaben etwa für PCs oder Saisonware.

"In der Not der Verzweifelung entwickeln die Versandhäuser ganz gute Ideen", bescheinigt ihnen Branchenexperte Groß-Albenhausen. Doch niemand kann absehen, ob nicht die Kosten, die durch den Umbruch anfallen, mögliche Mehreinnahmen gleich wieder auffressen. Für jeden Quellekatalog muss das Unternehmen sieben Euro zahlen, bis er beim Kunden ist. Das allein macht 84 Millionen Euro bei einer Auflage von zwölf Millionen Exemplaren. Bei Neckermann mit sieben und Otto mit zehn Millionen Auflage liegen die Belastungen kaum darunter. Zudem müssen alle Anbieter ihren Einkauf, die Logistik und die gesamte Werbung auf die neuen Ausgaben umstellen. "Das kostet brutal viel Geld", sagt Groß-Albenhausen.

Unklar ist auch, ob die Zielgruppen bei soviel Vielfalt jemals verstehen werden, bei wem sie kaufen sollen. Otto peilt die unorthodoxen 25- bis 44-Jährigen an. Neckermann will vor allem Junggebliebene um die 40 und Moppel im XXL-Format erreichen. Quelle adressiert etablierte Familien mit Eltern im Alter von 45 Plus. Und dann gibt es ja noch Schwab, Bauer, Klingel, Bader und all die anderen Universalisten, die hoffen, dass auch ihre Publikationen in den richtigen Briefkästen landen.

Manager Hillebrand will mit mehr Emotionen, mehr Web und mehr Fernsehen der Konkurrenz davoneilen. Dafür lässt er Deutschland in diesen Tagen mit "Der Sommer kann kommen"-Werbemotiven für den neuen Katalog zupflastern. Im vergangenen Jahr haben die Hamburger erstmals insgesamt mehr Umsatz eingefahren als KarstadtQuelle, der Mutterkonzern von Quelle und Neckermann. Wegen des stärkeren Auslandsgeschäfts, aber auch wegen imponierender Interneteinnahmen. Der fette Wälzer ist in Deutschland tot wie Tante Emma - die Zukunft liegt für Hillebrand vor allem in den digitalen Netzen: "Es ist unglaublich, das Online-Wachstum flacht nicht ab", begeistert sich der 48-Jährige. Im vergangenen Jahr gingen bei Otto allein über WAP-Handys Bestellungen im Wert von zwei Millionen Euro ein. Gemeinsam mit Microsoft startet Otto auf der Berliner Funkausstellung einen interaktiven Online-Katalog für TV-Gucker, der auf dem neuen Betriebssystem Windows XP Media Center basiert. "Das Fernsehen", sagt Hillebrand, "ist auch in Zukunft das gesellschaftliche Lagerfeuer."

In Frankfurt hat Sofamodel Simone derweil ihren Job erledigt. Erschöpft zieht sie von dannen. Wie lange wird sie noch gebraucht als Beiwerk für die bunten Seiten? Künftig lichten die Neckermann-Fotografen alle Katalogprodukte dreidimensional ab. Für das Internet, das irgendwann auch hier zum wichtigsten Vertriebskanal aufsteigen soll. Dann können Surfer mit ihrer Maus das orange Sofa von vorn, hinten, oben und unten betrachten. Ohne Simone.

Rolf-Herbert Peters
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?