KIRCH-KRISE Banken pokern um beste Ausgangsposition


Die BayernLB appelliert als größter Kirch-Kreditgeber bereits an die Deutsche Bank, einen gemeinsamen Ausweg zu finden. Die Angst wächst, dass einige Institute ihr eignes Süppchen kochen könnten.

Die Banken pokern um die beste Ausgangsposition für eine Lösung der Finanzkrise im Medienimperium von Leo Kirch. Die Bayerische Landesbank appellierte als mit Abstand größter Kreditgeber an die anderen Gläubiger, gemeinsam einen Ausweg zu finden. Offenbar gibt es Befürchtungen, einzelne Kreditinstitute wie die Deutsche Bank könnten ihr eigenes Süppchen kochen. »Alles andere als eine gemeinsame Lösung wäre Vermögensverschleuderung«, warnte Bayerns Landesbank-Chef Werner Schmidt. Auch in der Führungsspitze bei Kirch geht man mittlerweile von einer raschen Lösung aus. Die Angst vor Medienzar Rupert Murdoch könnte die Beteiligten an einen Tisch bringen.

Diskretion gilt nicht mehr

Der Fall Kirch ist in vielerlei Hinsicht durchaus ungewöhnlich für die sonst so diskrete Finanzbranche. Schon im Dezember sah sich die HypoVereinsbank bemüht, öffentlich mitzuteilen, dass ihr Engagement bei Kirchunter 500 Millionen Euro liegt. Der Vorstoß war allerdings mit Kirch abgesprochen, betonte das Kreditinstitut. Anfang dieser Woche nun verkündete Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer ebenso öffentlich, Kirch würde von den Banken wohl keine neuen Kredite mehr bekommen. In der Branche wurde dies als öffentliche Bloßstellung eines Kreditkunden und als Hinweis darauf gewertet, dass die Deutsche Bank ganz eigene Ziele verfolgen könnte.

Bayern LB folgte

Um öffentlichen Druck von der Landesbank zu nehmen, legte nun auch Schmidt die Karten auf den Tisch. 1,9 Milliarden Euro habe die Bayern-LB Kirch geliehen und nicht 2,3 Milliarden Euro, wie noch am Vortag von der bayerischen SPD behauptet. Auch Schmidt hatte zuvor mit Kirch-Vize Dieter Hahn telefoniert, ehe er den Schuldenstand öffentlich verkündete.

Finanzstrudel für Bayern befürchtet

Das Engagement der Landesbank bei Kirch ist schon lange umstritten. SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget vermutete noch am Donnerstag, dass »die Bayerische Landesbank offenbar nicht über ausreichende Sicherheiten« verfügt. Die bayerischen Grünen erklärten: »Die Staatsregierung hat sich mit ihrer Unterstützung für Kirch weit aus dem Fenster gelehnt.« Es ist Aufklärung notwendig, »in welchen Strudel der Freistaat bei einem Bankrott des Medienunternehmens gerissen werden könnte«. Die Angriffe zielen vor allem auf Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber.

Politische Dimensionen

Die Bayerische Landesbank bemühte sich, den Eindruck politischer Einflussnahme zu entkräften. »Ich habe in meiner achtmonatigen Amtszeit nie eine Weisung der Landesregierung erhalten«, sagte Schmidt im Club Wirtschaftspresse München. Die Kirch-Kredite wären auch so sehr gut besichert. Zwar läuft der erste Ende Juni aus, bis dahin muss aber ohnehin eine Gesamtlösung gefunden worden sein.

Alle scharf auf die besicherten Anteile?

Dies gilt mittlerweile als unstrittig. Springer fordert rund 770 Millionen Euro von Kirch für ein ProSiebenSAT.1-Paket. Schon dieses Geld hat Kirch nach übereinstimmender Einschätzung nicht flüssig. Im April läuft zudem ein Kredit der Dresdner Bank aus, der Ende 2001 kurzfristig verlängert wurde. Nach Informationen des »Wall Street Journal Europe« will die Dresdner die Frist für die Rückzahlung des Darlehens von dem Vernehmen nach 460 Millionen Euro nicht verlängern. Für den Kredit hat Kirch laut Brancheninformationen seinen Anteil von 25 Prozent an der spanischen TV-Gesellschaft Telecinco als Sicherheit gegeben.

Gegenseitiges belauern

Die Deutsche Bank hat ihr Engagement offiziell bisher nicht beziffert. Laut »Frankfurter Allgemeine Zeitung« beläuft sich das Volumen auf etwa 615 Millionen Euro. Jedenfalls sind die Kredite durch Springer-Anteile gut besichert, betonte ein Sprecher am Donnerstag. Nach Angaben Schmidts sind acht Banken mit mindestens dreistelligen Millionenbeträgen bei Kirch engagiert, davon kommen zwei aus dem Ausland. Auf die Initiative der Bayerischen Landesbank, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, gab es am Donnerstag erst einmal keine Resonanz der anderen Kreditinstitute. Noch belauern sich die Akteure.


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