Kommentar Gucken wir mit Arena in die Röhre?


Seitdem Arena dem Pay-TV-Sender Premiere die Bundesligarechte abgejagt hat, wird bei Millionen Kabelkunden die Angst geschürt, ihre Mattscheiben würden in der kommenden Saison schwarz bleiben. Völlig zu Unrecht.
Von Johannes Röhrig

Pünktlich zum Ende der WM holt eine Wirtschaftszeitung das euphorisierte Fußball-Deutschland wieder ins Jammertal zurück: Fans an den TV-Bildschirmen müssten sich bald in Abstinenz üben, denn das nächste Kicker-Event, die Bundesliga, sei ab der kommenden Saison nicht mehr live im Fernsehen zu empfangen, spekuliert das "Handelsblatt". Arena, der neue Inhaber der TV-Rechte an dem Ballzirkus, "verpatzt den Bundesliga-Start".

Keine Einigung in Sicht - noch

Der Grund für die Nervosität, die sich auch in anderen Medien breit macht: Bislang konnte sich der TV-Newcomer Arena, der bei der Vergabe der Rechte überraschend das bisherige Pay-TV Premiere ausstach, noch nicht mit Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber KDG über die Verbreitung der Bundesliga-Bilder einigen. Die beiden Unternehmen feilschen um Garantie-Summen und Preise. Kabel Deutschland (KDG) versorgt rund zehn Millionen Haushalte in 13 Bundesländern mit Programm, darunter in Fußball-Hochburgen wie München, Hamburg und Berlin.

Natürlich wäre es schade, wenn eine der beliebtesten Fernsehveranstaltungen - und das ist nun mal der Fußball - nicht flächendeckend live zu empfangen wäre. Doch die Sorge ist unbegründet: Dazu wird es nicht kommen.

Kampf wäre finazieller Selbstmord

Warum? In der aufgeregten Situation hilft es, sich die Konstellation genauer anzusehen, in der sich Arena und Kabel Deutschland bewegen. Arena versprach den Liga-Vereinen, möglichst viele Menschen mit seinem Pay-TV zu erreichen. Über Satellit ist die Ausstrahlung zum Saisonstart am 11. August gesichert, außerdem in den Kabelnetzen von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Damit ist das Soll der Empfangbarkeit zumindest technisch erfüllt. Jedoch: Ohne eine Einigung mit dem Branchenprimus KDG und dessen Kunden sind die hohen Kosten für die TV-Rechte, die Arena der Liga zahlt, wohl kaum wieder einzuspielen.

Kabel Deutschland steht ebenfalls unter Zugzwang. Das Unternehmen muss befürchten, Kunden an die Satelliten-Konkurrenz zu verlieren, sofern die Live-Bilder der Bundesliga aus dem eigenen Netz verschwinden. Bislang war die Liga über das Pay-TV von Premiere im Kabel empfangbar. Rund 2,4 der zehn Millionen KDG-Haushalte sind nicht über ihren Wohnungsvermieter oder Baugenossenschaften an den Kabelanschluss gebunden und könnten ohne weiteres kündigen - für die KDG und ihre Investoren ein Horrorszenario. "Es kann sein, dass es zum Saisonstart keine Bundesliga für unsere Kunden gibt", sagt ein Sprecher von Kabel Deutschland. Das hört sich nach Bankrott-Erklärung an und wirkt so grotesk, als würde Langnese zum Sommeranfang ohne Eis dastehen, weil es Streit mit den Milchlieferanten gibt.

Alles wird gut

Fußball-Fans können dennoch gelassen bleiben. Arena und Kabel Deutschland werden sich einigen, weil sie es müssen. Keine Infrastruktur besitzt ein Monopol auf TV-Bilder, auch nicht auf Live-Fußball. Im Wettstreit zwischen Kabel, Satellit und künftig Internet wird auch die KDG schnell einlenken, sobald die ersten Kunden kündigen.


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