Konjunktur Deutsche Wirtschaft bricht ein


Die Konjunktur in Deutschland hat einen massiven Rückschlag erlitten: Im zweiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent und damit deutlicher als erwartet. Der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan warnte unterdessen vor einer Jahrhundertkrise der Weltwirtschaft.

Die deutsche Wirtschaft ist einem Zeitungsbericht zufolge im zweiten Quartal stärker geschrumpft als bisher vermutet. Im Vergleich zum Jahresauftakt sei das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent zurückgegangen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" ohne Angabe von Quellen. Damit wäre das Minus doppelt so hoch wie bisher angenommen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Rückgang um 0,5 Prozent.

Aus Regierungskreisen hieß es der Zeitung zufolge zudem, die offizielle Wachstumsprognose für 2009 von 1,2 Prozent sei kaum zu halten. Offiziell hält die Regierung jedoch an ihrer Prognose fest. Für dieses Jahr rechnet sie mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent.

Der starke Rückgang des Bruttoinlandsprodukts ist nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" eine Reaktion auf die starke Zunahme zu Jahresbeginn. Bedingt durch den warmen Winter, von der die Baubranche profitiert hatte, war das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 1,5 Prozent gestiegen. Wie die Zeitung schreibt, seien dadurch globale wirtschaftliche Probleme wie hohe Preise für Energie oder die Finanzkrise überdeckt worden.

Bereits Mitte Juli hieß es aus Regierungskreisen, die Wirtschaft könnte im zweiten Quartal zwischen 0,75 Prozent und 1,5 Prozent geschrumpft sein. Vertreter von führenden Wirtschaftsinstituten und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hielten das jedoch für übertrieben. Allerdings gilt ein Minus als so gut wie sicher. Das wäre eine Gegenreaktion zum ersten Quartal, als die Wirtschaft begünstigt durch den milden Winter mit 1,5 Prozent so stark gewachsen war wie seit etwa zwölf Jahren nicht mehr. Die offiziellen Daten zur Wirtschaftsleistung werden in der kommenden Woche veröffentlicht.

Der ehemalige Chef der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, warnte in einem Gastbeitrag für die britische "Financial Times" vor einer anhaltenden Wirtschaftskrise: "Diese Krise ist anders", schreibt er. So etwas passiere nur ein oder zwei Mal in 100 Jahren. Die Ursache liege in der tiefen Angst vor weiteren Insolvenzen großer Finanzinstitute. Die eigentliche Überraschung, so Greenspan, seien nicht die niedrigen Wachstumsraten der vergangenen Monate, sondern "dass es überhaupt noch Wachstum gibt".

Kein Grund zur Panik

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte derweil vor zu viel Pessimismus in Deutschland: "Jetzt die Krise auszurufen, halte ich für übertrieben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben im Deutschlandfunk. Für 2008 sei ein Wachstum von 2,3 Prozent zu erwarten, bekräftigte er. "Dieses Jahr ist schon fast im Bunker."

"Nach fast drei Jahren mit solidem Wachstum und mehr als 1,5 Millionen zusätzlichen Arbeitsplätzen kühlt sich das Wirtschaftswachstum derzeit ab", sagte Wansleben zudem der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Für die zweite Jahreshälfte und den Jahreseinstieg 2009 rechnen wir mit deutlich schwächeren Zahlen, aber nicht mit einem Abschwung." Die Unternehmen blickten - wenn auch gedämpft - immer noch zuversichtlich auf die kommenden Monate. Auch eine Entlassungswelle im Winter erwarte er nicht, sagte Wansleben. "Viele Unternehmen stellen derzeit Personal ein und suchen teilweise händeringend Fachkräfte. 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze wird es nach unserer Prognose in diesem Jahr geben", sagte er. "Allerdings dürfte der Jobaufbau dann allmählich auslaufen. Das bedeutet aber nicht, dass uns gleich Entlassungen in großem Stil ins Haus stünden."

Auch das das ifo Institut warnt davor, die Entwicklung überzubewerten. "Momentan befinden wir uns am Ende des Aufschwungs, man muss aber keine Sorge haben, dass wir jahrelang in die Rezession rutschen", sagte der Leiter der Konjunkturabteilung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Kai Carstensen. Die Finanzkrise habe sich in Deutschland bisher kaum auf die Realwirtschaft ausgewirkt. Größere Risiken bergen nach Ansicht Carstensens der Ölpreisanstieg und der schwache US-Dollar. Dies treffe vor allem exportorientierte Unternehmen.

dpa/Reuters/ukl Reuters

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