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KONJUNKTUR: Ifo-Index deutet auf Konjunkturerholung

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellte sich im Januar stärker auf als eigentlich erwartet, die EZB dürfte die Leitzinsen aber trotzdem nicht senken.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland stieg im Januar auf 86,3 Punkte (November: 84,9) nach geschätzten 85,8 Punkten im Dezember, teilte das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mit. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb und Analysten sehen das Index-Plus als Zeichen für den Beginn der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland. Die Volkswirte waren uaber neins, ob die EZB trotz des verbesserten Geschäftsklimas die Leitzinsen weiter senken wird. Die Aktienmärkte reagierten mit moderaten Kursgewinnen auf den Ifo-Index.

Aufschwung schon da

Nach Ansicht von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb hat in Deutschland die wirtschaftliche Erholung bereits begonnen. »Wir sind in einer frühen Phase der Erholung. Es ist jedoch immer noch unklar, wie stark der anstehende Aufschwung sein wird«, so Nerb.

Vorahnung durch ZEW-Index

Deutlich wurde die aufgehellte Stimmung der Unternehmen bei der Einschätzung der künftigen Geschäftsentwicklung. Der Index Geschäftserwartungen für die alten Bundesländer stieg auf 94,8 von 90,9 Punkten im November (Dezemberschätzung 94,3 Punkte). Erstmalig veröffentlichten die Konjunkturforscher ihren Index für den laufenden Monat und nicht mehr für den vorangegangenen. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg des Geschäftsklimaindexes auf 85,7 Punkte gerechnet. Besonders den jüngsten kräftigen Anstieg des Konjunkturbarometers des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatten die Analysten als Vorboten eines höheren Ifo-Indexes gedeutet.

Konjunkturelle Trendwende

Volkswirte sehen besonders im starken Verbesserung der Geschäftserwartungen ein klares Zeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft nun die konjunkturelle Trendwende vollzieht. »Der Anstieg des Ifo-Indexes ist ein normales Aufschwungmuster im Vergleich zu vorangegangenen Konjunkturerholungen«, sagte Dirk Clench von der Hypothekenbank Essen. Grund für die verbesserte Stimmung in der deutschen Wirtschaft war nach Einschätzung der Analysten in erster Linie die Aussicht auf eine baldige US-Erholung. »Die Märkte und die Unternehmen sehen offensichtlich eine Wende in den USA wegen der steigenden US-Frühindikatoren«, sagte Stefan Mütze von der Helaba. Zudem profitiert die Wirtschaft von niedrigen Ölpreisen und einem relativ geringen Außenwert des Euro.

Keine Zinssenkung erwartet

Ifo-Volkswirt Nerb sieht entgegen einiger Analysten auch noch Spielraum für weitere EZB-Zinssenkungen. Die Wirtschaft braucht einen Antrieb, um eine selbstragende Erholung zu erreichen, meinte Nerb. Dagegen spricht der Ifo-Index für Jeremy Hawkins von der Bank of America gegen eine weitere Reduktion der Leitzinsen: »Der Ifo-Index ist wahrscheinlich stark genug für die EZB, um die Leitzinsen bis auf weiteres unverändert zu lassen.«

Der Index der Geschäftsbeurteilungen in Westdeutschland betrug im Januar 78,0 nach 79,0 Punkten im November (Dezemberschätzung 77,6 Punkte). In Ostdeutschland kletterte der Geschäftsklimaindex auf 98,5 von 97,3 (Dezember 96,9) Punkten.