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Konjunkturaussichten: Der Aufschwung bleibt aus

22.000 Unternehmen haben über ihre Auftragserwartungen Auskunft gegeben. Das Ergebnis dämpft die Erwartungen für einen spürbaren Aufschwung: Gerade einmal um ein Prozent werde die deutsche Wirtschaft 2005 wachsen.

Die deutsche Wirtschaft hat einen deutlichen Aufschwung abgeschrieben. "Die Konjunktur hat einen kräftigen Dämpfer erhalten", heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Dienstag zur Frühsommer-Umfrage unter rund 22.000 Unternehmen. Für das Gesamtjahr erwartet der DIHK ein Wirtschaftswachstum von gut einem Prozent und senkte seine Prognose damit leicht. Erstmals seit mehr als zwei Jahren schätze die Wirtschaft angesichts der enttäuschend lahmen heimischen Nachfrage auf breiter Front die Konjunkturlage schlechter ein als in der Vorumfrage.

Mehr Skepsis als Zuversicht

Zudem blickten auch wegen eingetrübter Exportperspektiven erstmals seit 2003 mehr Unternehmen mit Skepsis in die Zukunft als mit Zuversicht. Noch lägen aber die Erwartungen über dem langjährigen Durchschnitt. "Der Konjunktur droht somit eine langsamere Gangart, aber kein Absturz", so der DIHK. Eine Sonderumfrage habe auch gezeigt, dass die Firmen sich von Neuwahlen bessere Perspektiven erhoffen.

So stark wie bei der jüngsten Umfrage verschlechterte sich die Lage zuletzt im Herbst 2001. "Eine gemessen an den Erwartungen zu Jahresbeginn leicht enttäuschende Binnennachfrage sind Ursache dafür, dass die Geschäfte der deutschen Unternehmen nach dem ermutigenden Start ins Jahr 2005 zuletzt wieder schwächer laufen."

Erstmals seit zwei Jahren rutschte die Erwartung wieder in den negativen Bereich. Ein Grund für die gewachsene Skepsis ist dem DIHK zufolge die auch wegen der teuren Rohstoffe langsamere Gangart der Weltwirtschaft und die dadurch eingetrübten Exportchancen. Hoffnung mache aber die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit und der wieder günstigere Euro-Wechselkurs. "Der Export wird damit auch im weiteren Jahresverlauf 2005 eine Stütze der Konjunktur sein - allerdings mit geringerer Tragfähigkeit."

Die Umfrage lässt dem DIHK zufolge nicht erwarten, dass die heimische Nachfrage für einen schwächeren Export in die Bresche springen kann. Die eingetrübten Geschäftserwartungen führten über fast alle Branchen hinweg dazu, dass die Firmen ihre Investitionspläne zurückschraubten. "Damit zerstäuben sich die Hoffnungen auf ein Auflösen der vierjährigen Investitionsflaute noch in diesem Jahr." Ein Grund dafür sei, dass viele Firmen, die vom Exportboom profitierten, im Ausland investierten.

Auch am Arbeitsmarkt wird sich nicht viel tun

Angesichts der schwachen Binnenwirtschaft und der geringeren Impulse vom Export lässt der Umfrage zufolge auch die Wende am Arbeitsmarkt weiter auf sich warten. "Der hohe Wettbewerbsdruck auf den internationalen Märkten zwingt insbesondere die Industrie, weiter zu rationalisieren. "Die Beschäftigungspläne der Unternehmen deuten jedoch zumindest an, dass sich der Abbau von Arbeitsplätzen im Jahresverlauf verlangsamt."

Reuters / Reuters
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