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Konsum: Kaufrausch vor Steuererhöhung

Die Deutschen machen ihrem Ruf als kühl kalkulierendes Volk wieder einmal alle Ehre: Vor der Steuererhöhung im nächsten Jahr hamstern die Verbraucher wie die Weltmeister. Besonders größere Anschaffungen werden vorgezogen.

Die Bundesbürger zeigen sich wenige Wochen vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer so kauffreudig wie nie zuvor. Die Anschaffungsneigung kletterte nach Angaben des Marktforschers GfK im Oktober auf einen historischen Höchststand. Viele Verbraucher zögen geplante größere Anschaffungen auf dieses Jahr vor, berichtete die GfK in Nürnberg. Auch der Aufschwung am Arbeitsmarkt mache sich bemerkbar. Der Konsumklimaindex stieg um.0,3 Punkte auf 9,2 Punkte.

Rationales Kalkül statt purer Konsumlust

Es sei allerdings weniger die pure Lust am Konsum, die die Verbraucher in die Geschäfte treibe, hieß es. Dahinter stecke vielmehr das rationale Kalkül, die knappen finanziellen Mittel möglichst effizient einzusetzen, indem man die künftig höhere Verbrauchssteuer umgehe. "Bei größeren Anschaffungen machen drei Prozentpunkte viel aus", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Gute Geschäfte verzeichneten deshalb derzeit Anbieter von Autos, Haushaltsgeräten oder Wohnungseinrichtungen. Auch Renovierungen seien ein wichtiger Punkt. Der Indikator für die Anschaffungsneigung stieg um zwei Punkte auf 64,4 Punkte, das sind 75 Punkte mehr als vor einem Jahr.

Auch die Belebung am Arbeitsmarkt schlägt sich nach Bürkls Worten gegenwärtig in der Konsumlaune nieder. "Es gibt mehr Beschäftigung, dadurch steigt auch das Volkseinkommen, das dem privaten Konsum zu Gute kommt", sagte er. Daneben spiele der psychologische Effekt eine wichtige Rolle: "Die Furcht vor Arbeitslosigkeit geht zurück." Deshalb zeigten sich die Deutschen auch bei den Erwartungen an die Entwicklung ihrer persönlichen Einkommen optimistischer als im Vormonat. Der Indikator legte um neun Punkte auf einen Wert von 0,2 zu.

Vorschusslorbeeren der Großen Koalition bald verwelkt

Skepsis herrscht dagegen darüber, ob die gegenwärtige wirtschaftliche Dynamik noch länger anhält. Der Indikator für die Konjunkturerwartungen sank um 5,5 Punkte auf 6,9 Punkte. Die Verbraucher gewinnen nach GfK-Einschätzung zunehmend den Eindruck, dass die deutsche Wirtschaft ihr Konjunkturhoch erreicht hat. Hinzu kämen wachsende Zweifel daran, dass die Bundesregierung die anstehenden Probleme lösen könne. Die Vorschusslorbeeren für die große Koalition seien verwelkt.

Im Ost-West-Vergleich zeigte sich nach GfK-Angaben, dass der Anstieg bei der Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung ausschließlich auf die Einschätzungen der westdeutschen Bürger zurückzuführen sei. Die Stimmung der ostdeutschen Verbraucher habe sich dagegen in allen Bereichen verschlechtert. Bürkl relativierte dies jedoch als "Momentaufnahme" und "Normalisierung" nach einer zuletzt guten Entwicklung im Osten. Für die Konsumklima-Studie werden monatlich rund 2000 Verbraucher befragt.

DPA / DPA