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Konsum und die Krise: Bürger stützen die Wirtschaft

Kaufen gegen die Krise - das ist laut Experten vorerst das Rezept für eine wirtschaftliche Genesung. Nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung wird der private Verbrauch 2009 der Konjunkturmotor sein. Krisengewinner sollen vor allem Discounter sein - wenn sie nicht in der derzeitigen Preisschlacht untergehen.

Der private Verbrauch wird nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in diesem Jahr ein wichtiger Stützpfeiler für die Konjunktur sein. "Der Konsum wird den Abschwung etwas abmildern können", sagte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl am Montag in Nürnberg. Er sei aber zu schwach, um Deutschland komplett aus der Krise zu bringen. Die GfK erwartet in diesem Jahr immerhin ein Wachstum des privaten Verbrauchs um 0,5 Prozent. Für die gesamte Wirtschaft dagegen wird mit einem deutlichen Minus gerechnet: So fürchtet die Regierung ein Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes von 2,25 Prozent.

Bislang ist die Krise nach GfK-Erkenntnissen bei den Verbrauchern noch nicht angekommen. Die Stimmung sei stabil. Als Gründe sehen die Experten die sinkenden Energiepreise und die dadurch niedrige Inflation sowie die Konjunkturpakete der Bundesregierung. Auch die sinkende Sparneigung der Bürger, die zum Teil das Vertrauen in Geldanlagen verloren hätten, spiele eine Rolle.

Entscheidend ist nun aber die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. "Die Arbeitslosigkeit hat eine Hebelwirkung auf die Konsumstimmung", sagte GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst. "Ein Arbeitsloser löst bei drei Beschäftigten Sorge um ihren Job aus." Wenn die Zahl der Arbeitslosen im Herbst auf vier Millionen steige, bedeute das, dass zehn bis zwölf Millionen Menschen sich vor Arbeitslosigkeit fürchteten und den Konsum einschränkten. "Das ist eine Hypothek für das Jahr 2010", sagte Wübbenhorst. Er forderte, zur Ankurbelung des Konsums den Solidaritätszuschlag abzuschaffen.

Von Herbst an werde die steigende Arbeitslosigkeit den Konsum bremsen, sagte Bürkl. Dabei verschärft die Krise laut GfK die Polarisierung der Einkommensverhältnisse in Deutschland weiter. Ein Fünftel aller Haushalte, darunter vor allem Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und Arbeitnehmer mit akuter Angst um ihren Job, sei in hohem Maße krisengefährdet, sagte der GfK-Experte Wolfgang Twardawa. "Hier regiert ausschließlich der Geldbeutel."

Bei einem Drittel sei die finanzielle Lage immerhin so angespannt, dass sie beim Einkaufen nach Sparpotenzialen suche. Dagegen ist knapp die Hälfte aller deutschen Haushalte nach GfK-Einschätzung von der Finanz- und Wirtschaftskrise überhaupt nicht betroffen. Dabei handle es sich um Beschäftigte mit sicherem Arbeitsplatz sowie um gut situierte Rentner und Pensionäre. Doch es wird auch Gewinner der Krise geben. Zu ihnen gehören nach Worten des GfK-Experten Twardawa der Lebensmittelhandel und hier vor allem die Discounter.

Discounter-Preiskrieg zur Freude der Konsumenten

Aldi, Norma, Penny und Co. machen derzeit zur Freude der Konsumenten mit einem regelrechten Preiskrieg von sich reden. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr haben die Billiganbieter Aldi und Penny die Preise für zahlreiche Produkte gesenkt. Die Preisrückgänge betrugen im Einzelfall bis zu 20 Prozent.

Billiger wurden erneut auch Milchprodukte wie Butter oder Yoghurt. So sank der Preis für eine 250-Gramm-Packung deutscher Markenbutter von 73 auf 65 Cent. Die Preissenkungen dürften auf den gesamten deutschen Lebensmittelhandel ausstrahlen. Denn Aldi gilt in der Branche als Preisführer, an dem sich alle anderen Unternehmen orientieren müssen.

Zudem dürfte der Preiskampf der Discounter den Wettbewerb im deutschen Handel weiter verschärfen. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Discounter ihren Marktanteil um einen weiteren Prozentpunkt auf 44 Prozent gesteigert, wie das Magazin "Focus" unter Berufung auf die GfK berichtete. Damit hätten Aldi, Lidl und Co innerhalb von sechs Jahren ihren Marktanteil um gut sieben Punkte ausgedehnt, hieß es weiter. Die Supermärkte seien im gleichen Zeitraum hingegen um mehr als ein Viertel auf 23,3 Prozent abgestürzt.

DPA / DPA