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Konsumklimaindex: Verbraucherstimmung steigt auf Jahreshoch

Die Verbraucher halten die Krise für fast überstanden und haben Lust Geld auszugeben: Der Gfk-Konsumklimaindex erreichte im September den höchsten Wert seit Juni 2008. Forscher und Einzelhandel warnen aber vor allzu großem Optimismus.

Trotz sinkender Löhne und steigender Arbeitslosigkeit ist die Kauflaune der Deutschen so gut wie seit über einem Jahr nicht mehr. Die GfK-Marktforscher sagen für Oktober einen Anstieg ihres Konsumklima-Barometers um 0,5 auf 4,3 Punkte voraus. Mit dem sechsten Plus in Folge sei der Indikator auf den höchsten Stand seit Juni 2008 geklettert, teilte die GfK am Freitag zu der Umfrage unter 2000 Verbrauchern mit. "Deutliche Signale für eine Konjunkturerholung und stabile Preise heben die Stimmung", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Forscher und Einzelhandel warnten allerdings, das Ergebnis überzubewerten. "Die Entwicklung ist zwar erfreulich, ein Kaufrausch aber weit und breit nicht in Sicht", sagte Bürkl. Das Barometer liege trotz des unerwartet starken Anstiegs weit unter seinem langjährigen Schnitt von neun Punkten.

"Die Stimmung kann sich ganz schnell drehen"

"Die Stimmung unter den Verbrauchern kann sich ganz schnell drehen", sagte der Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, Hubertus Pellengahr - etwa durch Steuer- und Abgabenerhöhungen der nächsten Bundesregierung, die mit riesigen Löchern im Staatsetat kämpfen muss. "Das würde sofort die Stimmung killen", sagte Pellengahr, dessen Branche in diesem Jahr ein Umsatzminus von zwei Prozent erwartet. Auch die steigende Arbeitslosigkeit könne den Konsum dämpfen.

Die Zahl der Arbeitslosen liegt derzeit bei knapp 3,5 Millionen. Das sind rund 300.000 mehr als vor einem Jahr. Experten sagen für Winter mehr als vier Millionen Arbeitslose voraus. Bislang hat der massive Einsatz der Kurzarbeit einen stärkeren Anstieg verhindert - 1,4 Millionen Männer und Frauen arbeiten derzeit verkürzt mit teils erheblichen Lohneinbußen. Auch deshalb sanken die Reallöhne im zweiten Quartal um 1,2 Prozent.

Wirtschaftserholung sorgt für Optimismus

Dass sich die Verbraucherstimmung dennoch aufhellte, liegt vor allem an positiven Nachrichten aus der Wirtschaft. Sie wuchs im zweiten Quartal nach einjähriger Rezession erstmals wieder. Das seit sechs Monaten steigende Ifo-Geschäftsklima lässt auf eine Fortsetzung der Erholung schließen. Die Bundesbürger bewerteten deshalb die wirtschaftlichen Aussichten wieder optimistischer. Der Teilindex für die Konjunkturerwartungen legte deshalb um 10,9 auf 3,4 Punkte zu - er liegt damit erstmals seit Juni 2008 wieder über Null.

Gleichzeitig stiegen die Einkommenserwartungen auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. "Viele Verbraucher sehen aufgrund stabiler oder sogar sinkender Preise die Kaufkraft gestärkt und damit mehr Geld im Portemonnaie", sagte Bürkl. "Dieser Blick verdrängt derzeit noch aufkommende Ängste vor einem Jobverlust." Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen nahm ebenfalls zu. Die GfK erklärt das damit, dass die Verbraucher auch für die kommenden Monate mit weitgehend stabilen Preisen rechneten.

Reuters / Reuters