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Benzinpreise: "1,60 Euro für Superbenzin ist realistisch"

Die Benzinpreise haben gewaltig angezogen und liegen nur noch drei Cent unter dem Rekordhoch von 2005. Entspannung ist nicht in Sicht: Vor Pflingsten dürften die Mineralölkonzerne noch mal an der Preisschraube drehen.

Die Benzinpreise in Deutschland haben nach einer weiteren Preisrunde ein neues Jahreshoch erreicht und nähern sich ihren historischen Höchstständen. Der Preis für einen Liter Superbenzin stieg nach Angaben der Mineralölindustrie am Dienstag auf 1,43 Euro. Das sind 2 Cent mehr als noch am Vortag. Damit liegt das Niveau nur noch rund 3 Cent unter dem Allzeithoch von September 2005. Damals hatten die Auswirkungen des Wirbelsturms Katrina den Benzinpreis explodieren lassen.

Weitere Preiserhöhung zu Pfingsten

Als Grund für das hohe Preisniveau verweisen die Ölkonzerne auf hohe Wiederbeschaffungspreise am Rotterdamer Ölmarkt, wie auch hohe Rohölpreise. Eine Tonne Superbenzin kostet in Rotterdam inzwischen rund 900 Dollar, wie ein Esso-Sprecher mitteilte. Der Preisanstieg ist nach Expertenansicht damit wohl noch nicht vorbei. "1,60 Euro für Superbenzin ist realistisch", sagte Michael Bräuninger vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut der "Bild"-Zeitung. Auch der steigende Energiebedarf der boomenden Wirtschaft schlage durch, sagte er.

Der Automobilclub ADAC befürchtet, dass vor dem langen Pfingstwochenende die Benzinpreise noch einmal steigen werden. "Wir beobachten immer wieder, dass vor langen Wochenenden und dem Beginn der Reisezeit die Preise noch einmal anziehen", sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel in München. Die Preise für Benzin seien derzeit "sowieso schon auf einem sehr hohen Niveau. Auch wenn der Ölpreis wieder gestiegen ist, wäre noch Luft nach unten".

Adac empfiehlt Billigtankstellen

Hölzel riet den Autofahrern, sich bewusst günstigere Tankstellen wie freie Anbieter oder Tankstellen großer Supermärkte zu suchen. Vor Reiseantritt sei es zudem sinnvoll, bereits zur Wochenmitte zu tanken, "und nicht erst am Freitag, wenn der Preis schon angezogen hat". Außerdem empfiehlt er eine genaue Reiseplanung: "Im Ausland wie zum Beispiel in Österreich ist der Sprit günstiger. Man kann es ja so einrichten, dass man erst im Ausland wieder tanken muss."

Seit Jahresbeginn ist der Benzinpreis in Deutschland um 20 Cent pro Liter gestiegen. Mehr Glück haben Fahrer eines Diesel-Autos: Ein Liter kostete nur rund 1,17 Euro. Das sind nur 9 Cent mehr als zu Jahresbeginn. Die völlig getrennte Preisentwicklung ist nach Ansicht von Experten der Beleg dafür, dass sich der Benzinpreis teilweise vom Ölpreis abgekoppelt hat. Hintergrund sind hohe Exporte von Benzin aus Europa in die USA.

USA kaufen in Europa ein

Die US-Benzinbestände liegen nach einer Erhebung der Energiebehörde unter dem langjährigen Durchschnitt, auch wegen Produktionsunterbrechungen in US-Raffinerien. Eine große Nachfrage aus den USA zeigt sich aber schon seit sechs Jahren in jedem Frühjahr. In den USA gibt es nicht genug Raffinerieleistung für den hohen Verbrauch. Das fehlende Benzin wird auf dem Weltmarkt nachgekauft, vor allem in Europa. Hohe Investitionskosten und strenge Umweltauflagen halten die Ölmultis von Neubauten ab.

AP/DPA / AP / DPA

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