Kraftstoffe Der Trend heißt teuer


An den Tankstellen blüht die Artenvielfalt. Der aussterbenden Gattung Normalbenzin stehen neue Sorten mit Phantasienamen wie "V-Power" gegenüber. Alle Neuerungen haben eines gemeinsam: Einen stetig steigenden Literpreis.
Von Christoph M. Schwarzer

Superbenzin für 1,34 Euro pro Liter, Super Plus für 1,41 Euro und daneben noch teurere Spritsorten mit Kunstnamen wie "ultimate" oder "V-Power". Neue Kraftsäfte, die entweder besonders ökologisch oder besonders anspruchsvoll oder beides sein sollen. Und gleichzeitig kündigt Aral an, dass das Normalbenzin ausstirbt, weil die Nachfrage fehlt. So dreht sich die Preisschraube wieder ein Stück weiter. Der Trend heißt teuer.

Eine Ursache für den Tod des Normalbenzins liegt in der Politik der Autobauer. Es dauert heute rund 15 Jahre, bis ein glänzender Neuwagen von Verschleiß und Rost geplagt die Straße endgültig räumt. Und mindestens ebenso lange geht der Trend der Hersteller, immer weniger Motoren anzubieten, die ab Werk auf Normalbenzin ausgelegt sind.

Eine auf Super oder Super Plus geeichte Maschine kann das entscheidende Quäntchen Mehrleistung und Minderverbrauch bringen. Was beim Rallyemonster Subaru Impreza WRX noch durchgehen mochte, war beim Alltags-Lupo zweifelhaft. Das langfristige Ergebnis bleibt: Die Nachfrage schwindet, und die Mineralölkonzerne haben einen guten Grund, die 91-ROZ-Säule zu schließen.

Normalbenziner werden teurer

Sollte Normalbenzin ganz verschwinden, trifft das alte und auf Normalbenzin ausgelegte Autos am härtesten. Der Besitzer eines Peugeot 106 zum Beispiel konnte seinen 45-PS-Motor abgasarm und wirtschaftlich betanken. Abgasarm ist der Kleine immer noch, wenig verbrauchen tut er auch, nur kostet er immer mehr.

Erst sank die Differenz zum Superbenzin auf zuletzt einen Cent. Und bald steht mit der Erhöhung der Biokraftstoffquote neues Ungemach ins Haus: Entweder, der Altwagen verträgt den vermeintlichen Ökosprit nicht und muss auf Super Plus umsteigen. Oder er muss die Mehrkosten des Ethanolgemischs auf sich nehmen. Die Preisrakete zündet in mehreren Stufen.

Ein ähnliches Schicksal machen die Dieseltreiber schon lange mit. Mühevoll haben sie gerechnet: Lohnt sich der Mehrpreis eines Diesels trotz höherer Steuer, Versicherung und des Zahnriemenwechsels? Wer sich für Ja entschied, setzte auf den Preisunterschied zum Ottokraftstoff. Der war im Dezember erstmals bei Null. Begründung der Mineralölkonzerne: Zur Heizsaison schließt sich die Schere immer, und 2007 eben ein bisschen mehr.

Manche haben schon früh auf Biodiesel gesetzt. Der ist so umweltverträglich, dass die Fahrer ihren Sprit bedenkenlos selbst trinken könnten. Der Mehrverbrauch durch den geringeren Energiegehalt hat sich lange die Waage mit dem Minderpreis gehalten. Mit der jährlich steigenden Besteuerung des einstmals befreiten Biodiesels steigt der Preis, die Nachfrage sinkt, und etliche Ölmühlen gingen bankrott. Angesichts der umstrittenen Umweltbilanz von Rapsdiesel ein verschmerzbarer Verlust.

Wunderbare Sortenvielfalt

Als Ausgleich kriegt der tankende Kunde immer neue Sorten vorgesetzt, die immer neue Wunder versprechen. Bei Shell gibt es zum Beispiel ein Produkt namens V-Power. Damit sollen vor allem die Fahrer moderner Dieselwagen geködert werden. Shell sagt, der Kraftstoff sei so ausgelegt, dass "schädliche Ablagerungen" vermieden würden und der Motor "mehr Kraft über einen längeren Zeitraum" hätte. Ein paar Cent mehr sollte einem der eigene Motor schon wert sein, gerade dann, wenn man von Berufs wegen über eine Tankkarte verfügt.

Und Aral bietet eine Benzinsorte namens "ultimate 100" an, die "mehr Leistung mit weniger Schadstoffen" verbindet. Um durchschnittlich 2,5 Prozent soll ein Auto laut Aral schneller beschleunigen, wenn es das "Premiumbenzin" tankt. Macht theoretisch 8,2 statt 8,4 Sekunden für den Standardsprint auf 100. Dazu soll es im Mittel drei Prozent weniger verbrauchen. Richtig tanken wird so zur lohnenden Investition in Umwelt und Geldbeutel. Sagt Aral.

Etwas stiefmütterlich werden zurzeit noch die Gaszapfsäulen behandelt. Autogas zum Beispiel, in Polen alltäglich, wird oft in eine Sonderecke verbannt. Da steht dann meist ein junger Mann mit großen Altbenziner und dickem Daumen: So lange das Gas in den Tank strömt, muss er den Knopf drücken. Kein Problem bei Preisen zwischen 60 und 70 Cent. Trotz des Mehrverbrauchs kann sich bei vielen Autos die Umrüstung rechnen. Davon und vom Erdgasauto, das statt mit Propan und Butan mit Methan betankt wird, machen bisher relativ wenige Fahrer Gebrauch.

Günstiger wird es nie mehr

Vielleicht möchten die Mineralölkonzerne durch die Abschaffung des Normalbenzins Platz schaffen, damit die Gasfahrer gleichberechtigt direkt neben den anderen tanken können. Falls die Nachfrage dann steigt, zieht der Preis gleich mit an. Und sollte sich die Zahl der Gas-Kunden deutlich erhöhen, fällt sicher auch dem Fiskus etwas ein. Mittelfristig sind Erd- und Autogas steuerbefreit. Keiner sagt, dass sich das langfristig nicht auch ändern kann.

Sicher ist nur eins: Der Dauertrend heißt teuer, weil die Ressourcen begrenzt sind. Das gilt für Ottokraftstoffe genau so wie für Diesel, Gas und sämtliche Biokraftstoffe. Für Letztere setzt die Ackerfläche das Limit. Der Vorstandschef von Aral sagte, dass "wir Normal aus dem Markt nehmen". Und der Markt, der wird’s schon richten.


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