VG-Wort Pixel

Teurer Treibstoff Der Tanktourismus boomt: Günstige Spritpreise locken Deutsche nach Österreich und Tschechien

Spritpreise Österreich
© epa apa Franz Neumay / Picture Alliance
Während die Spritpreise in Deutschland Spitzenwerte erreichen, sind sie in anderen Ländern deutlich günstiger. Für Bürger in Grenzregionen zu Österreich und Tschechien ist das ein Grund, das Auto bei den Nachbarn aufzufüllen.

Seit Monaten steigen die Spritpreise in Deutschland. Diesel hat aktuell seinen Höchstwert erreicht und auch Superbenzin nähert sich seinem Allzeithoch. Grund ist der steigende Ölpreis. Binnen eines Jahres hat er sich in etwa verdoppelt und erreichte am Montag mehrjährige Höchststände. Die für Europa wichtige Sorte Brent lag bei Werten um 86 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Dassdie Spritpreise so stark gestiegen sind, hat in Deutschland aber noch einen anderen Grund. Ein großer Teil des Spritpreises sind Steuern und Abgaben. Die Energie- beziehungsweise Mineralölsteuer macht bei Superbenzin 65,45 Cent pro Liter aus, bei Diesel sind es 47,07 Cent. Dazu kommt die Mehrwertsteuer – beim aktuellen Preisniveau sind das knapp 27 Cent bei Super E10 und rund 25 Cent bei Diesel. Der seit Jahresbeginn anfallende CO2-Preis sorgt für zusätzliche Kosten. Je nachdem, wie hoch der Biospritanteil ist, sind das – noch ohne Mehrwertsteuer – gut 5 Cent bei Super E10 und gut 6 Cent bei Diesel.

Schlangen an ausländischen Tankstellen

In den Grenzregionen zu Tschechien und Österreich kurbelt das den Tanktourismus an. Die Bereitschaft, für ein paar Euro Ersparnis Umwege oder eine eigene Fahrt auf sich zu nehmen, sei gestiegen, sagte Florian Hördegen vom ADAC Südbayern der Deutschen Presse-Agentur. Seit vergangener Woche habe das Thema wieder an Schwung gewonnen. Jenseits der Grenze sehe man teils Schlangen an den Tankstellen. Bayerische Tankstellenbetreiber beteuern hingegen, dass dass Phänomen nicht neu sei. Angesichts der Teurungen gingen die Menschen aber offener mit dem Thema um.

In Österreich und Tschechien fallen die Steuern auf Kraftstoffe im Vergleich zu Deutschalnd geringer aus. Je nach Tankstelle, Region und Uhrzeit liegen die Unterschiede bei Diesel um die 20, bei Superbenzin um die 25 Cent. Abhängig von der Füllmenge können Konsumenten bis zu zehn Euro oder sogar mehr sparen. Allerdings muss sich die Fahrt über die Grenze auch lohnen. "Nur zum Tanken über die Grenze zu fahren, lohnt sich insbesondere dann, wenn die Preisunterschiede hoch und die Entfernungen sehr kurz sind. Denn man muss auch den Zeitaufwand und die Abnutzung des Autos mit bedenken", sagte ADAC-Spritpreisexperte Jürgen Albrecht der dpa. Für Penlder zahle sich das aber auch bei kleinen Unterschieden aus.

Deutlich teurer ist der Sprit in den Niederlanden

Der Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) hingegen spricht von einem "Benzinpreis-Paradoxon", denn eigentlich bleiben die Unterschiede an den Grenzen auch bei höheren Spritpreisen relativ ähnlich. Dass dennoch mehr Menschen die längeren Fahrten auf sich nähmen, liege daran, dass die Preisempfindlichkeit der Menschen zunehme, heißt es vom ZTG. Das sei auch im Inland zwischen günstigen und teuren Tankstellen zu beobachten.

Und: Nicht an allen deutschen Grenzen gibt es deutliche Preisunterschiede. Zudem können diese je nach Region, Tankstelle und Uhrzeit schwanken. Klar billiger ist Kraftstoff nach Daten der Verkehrsclubs ADAC und AvD aber unter anderem in Polen, Tschechien, Österreich und Luxemburg. Deutlich teurer als in Deutschland ist der Sprit dagegen in den Niederlanden. Ein zunehmender Tanktourismus von dort ist allerdings laut ZTG derzeit nicht zu beobachten.

cl DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker