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Heizölpreise: Wann soll der Tank gefüllt werden?

Ein gutes Drittel aller deutschen Privathaushalte wärmt sich mit Heizöl. Zwar ist nach dem milden Winter 2006 bei vielen der Tank noch nicht leer - doch der Ölpreis zieht wieder kräftig an. Kaufen oder abwarten? stern.de sagt, was Verbraucher jetzt tun sollten.

Von Christoph M. Schwarzer

Das Jahreshoch ist erreicht: Mit rund 61 Cent steht der Heizölpreis auf Rekordniveau. Genau wie im September 2005 und 2006 - da stieg der Kurs bis fast 68 Cent, bevor er bis zum Januar immer weiter sank. Klar, wer einen leeren Tank hat, kann nicht auf Zeit spielen. Doch alle Haushalte, die noch einen Rest Heizöl im Tank haben, stellt sich die alte Frage: Noch warten oder jetzt schon kaufen?

Gegen den Trend kaufen

"Unser Tipp", erklärt Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg, "ist: antizyklisch kaufen". Also dann zuschlagen, wenn keiner an Heizöl denkt und die Preise niedrig sind. Für Transparenz im Markt sorgen etliche Internetseiten, die genaue Statistiken führen. Aber in keiner Grafik steht, wie sich das Wetter entwickelt: Wird der Winter wieder so mild wie im letzten Jahr, oder kommt es knackig kalt? Spätestens dann könnte der Alptraum aller Ölheizer eintreten: Ein leerer Tank im tiefsten Winter mit Höchstpreisen.

Die Verbraucherzentrale rät außerdem dazu, sich in Gruppen zusammenzuschließen. Wenn der Heizöl-Laster für 800 Liter aufs Dorf fahren muss, kostet das natürlich Geld. Billiger wird es, wenn sich viele Kunden vereinen und eine Großbestellung aufgeben. Das geht nicht nur über das Gespräch am Gartenzaun, sondern auch in Internetbörsen wie www.heizoelpool.de, hinter der unter anderem der Bund der Energieverbraucher steht.

"Halb füllen, halb warten"

Dessen Vorsitzender Aribert Peters bringt das Dilemma auf den Punkt: "Halb füllen, halb warten" ist seine Ansage für Kunden, deren Tank nur bei einem warmen Winter noch bis zum Frühjahr reicht. So könne man das Risiko minimieren, jetzt zum Höchstkurs den Tank voll zu machen und später bei fallenden Preisen ein mildes Lächeln von den Nachbarn zu ernten. Gleichzeitig macht er klar, dass Kälte, die steigende Weltnachfrage oder Krieg den Preis jederzeit deutlich nach oben treiben können.

Laut Deutscher Shell ist die Bevorratungssituation bei den Verbrauchern ähnlich wie im Schnitt der letzten vier Jahre. Die Tanks seien zu 54 Prozent gefüllt, und man erwarte darum bald einen Nachfrageschub. Auf Preis-Spekulationen will man sich bei dem Konzern aber nicht einlassen.

Lobbyisten: Poker "lohnt nicht"

Der Gesamtverband des Deutschen Brennstoff- und Mineralölhandels behauptet unterdessen auf seiner Homepage, das es sich nicht lohne, auf den "letzten Cent zu spekulieren." Auf den sicher nicht - aber bei Schwankungen von rund 15 Cent in den letzten zwei Jahren kommt eine Menge zusammen. Rechnet man das für die übliche Abnahmemenge von 3000 Litern durch, sind das mal eben 450 potenziell gesparte Euro. So gesehen lohnt sich ein kleiner Heizöl-Poker sogar sehr.

Das Auf und Ab beim Preis ist für die Ölkesselbesitzer nicht neu. Doch die Gründe, die die Mineralölwirtschaft für die ständigen Erhöhungen nennt, werden immer vielfältiger. China hin, Hurrikane her: Auf lange Sicht gesehen ist Wärme aus Heizöl nicht zukunftsfest. Milan Nietzschke vom Bundesverband Erneuerbare Energie geht noch einen Schritt weiter: "Wer in ein neues Haus eine Ölheizung einbaut, handelt unverantwortlich." Wertvolles Rohöl werde verschwendet, und die Abgase seien noch schädlicher als die aus Gasheizungen. Aus seiner Sicht sollte beim Austausch einer neuen Heizung grundsätzlich zu nicht-fossilen Anlagen gegriffen werden. Vom Markt unabhängig sind natürlich auch Besitzer von Pelletsystemen und Wärmepumpen nicht.

In Zukunft anti-zyklisch handeln

Für Besitzer von Ölheizungen, deren Vorraut zur Neige geht, hilft derzeit nur: Weiter die Augen aufhalten, Preise vergleichen, Kaufgemeinschaften bilden, wenn möglich den Tank nicht ganz voll machen - und in Zukunft anti-zyklisch kaufen. Immer gut: Unter Umständen kann der Verbrauch auch durch eine Wartung der Heizanlage gesenkt werden, ohne die Raumtemperatur senken zu müssen. Denn Frieren will auch im kommenden Winter niemand.

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