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Kosten: Die wahren Kriegskosten bestimmt der Ölpreis

Direkte Militärausgaben haben kaum Einfluss auf die US-Ökonomie. Da haben steigende Ölpreise oder eine Kaufzurückhaltung der Konsumenten schon sehr viel drastischere Auswirkungen.

Vergangene Kriege haben den USA in der Regel einen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Danach sieht es beim jetzt begonnenen Krieg gegen Irak aber nicht aus - weil die erwarteten, erheblichen Kriegskosten gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wohl keine so große Auswirkung auf die Wirtschaft haben werden. Indirekte Kosten wie möglicherweise steigende Ölpreise oder Kaufzurückhaltung der Verbraucher könnten die direkten übersteigen, schätzen Wirtschaftsexperten.

100 Milliarden Dollar Kosten

Insgesamt hat die Wirtschaft der USA etwa einen Umfang von zehn Billionen Dollar. Die Schätzungen über die direkten Kriegsausgaben werden selten mit mehr als 100 Milliarden Dollar beziffert - das wäre also lediglich ein Prozent des BIP der USA. Beim Golfkrieg 1991 summierten sich die direkten Kosten auf 61 Milliarden Dollar. Würden Preissteigerungen und andere Faktoren eingerechnet, wären das heute etwas mehr als 76 Milliarden Dollar.

2. Weltkrieg war teurer

Im Vergleich: Die Kosten des Zweiten Weltkrieges, der teuerste aller amerikanischen Kriege, verschlang nach einer Berechnung des Wirtschaftswissenschaftlers William Nordhaus von der Yale University 130 Prozent des US-BIP. Nach heutiger Rechnung wären das rund 2,9 Billiarden Dollar. Der amerikanische Einsatz führte nicht nur zur bedingungslosen Kapitulation von Deutschland und Japan sondern führten zugleich die USA aus der bislang schlimmsten Wirtschaftsflaute - der Großen Depression.

Sezessionskrieg teurer als Vietnamkrieg

Andere teure Kriege wie der amerikanische Sezessionskrieg von 1860 bis 1864 vernichteten 104 Prozent des damaligen BIP. Schon der Unabhängigkeitskriegs von 1776 bis 1783 verschlang 63 Prozent des BIP. Nach den Berechnungen von Nordhaus kostete der Vietnamkrieg insgesamt zwölf Prozent des BIP - ohne Pensionszahlungen und weiteren indirekten Ausgaben. "In der Geschichte waren Kriege teuer, heute sind die direkten Kosten viel niedriger", sagt David Wyss, Chef-Ökonom der New Yorker Analysten von Standard & Poor's. Die Berechnungen beziehen sich natürlich immer nur auf den Vergleich zu der tatsächlichen Wirtschaftskraft der USA.

Ein Monat kostet 33 Milliarden Dollar

Wirtschaftswissenschaftler Nordhaus, der eine der umfangreichsten privaten Studien über Kriegskosten aufgestellt hat, beziffert die möglichen Ausgaben auf 99 Milliarden bis 1,92 Billiarden Dollar. Offiziellen Berechnungen zufolge kostet ein Monat Krieg am Golf die amerikanischen Steuerzahler bis zu 33 Milliarden Dollar.

Ölpreis ist Faktor X

Das wohl unsicherste Element in den ganzen Berechnungen ist die Entwicklung der Ölpreise. Wirtschaftswissenschaftler sind der Überzeugung, dass sich die eigentlichen Kosten vor allem über den Ölpreis ergeben werden. Höhere Ölpreise könnten die Wirtschaft in einem viel stärkeren Umfang treffen, als das über die direkten Militärausgaben möglich sein könnte, warnt folglich der Chef-Ökonom des Geldinstituts Wells Fargo, Sung Won Sohn. Er schätzt, dass jede zehn Dollar, die ein Barrel Öl mehr kostet, das jährliche Wirtschaftswachstum der USA um einen halben Prozentpunkt reduzieren werde. In der Summe wären das jedes Mal 50 Milliarden Dollar.

Weitere US-Steuerkürzungen erwartet

Kritiker von US-Präsident George W. Bush behaupten, er werde dieser Bedrohung nur mit einer weiteren Steuerkürzung begegnen. Manche Wirtschaftswissenschaftler und Analysten sind deshalb besorgt. David Wyss von Standard & Poor’s befürchtet, dass der Krieg zwar gewonnen wird, aber dann kein Geld mehr für die Besatzungszeit und die Festigung des Friedens vorhanden sein könnte.

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